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Die Sammlung des Deutschen Museums umfasst weit mehr als 100.000 Objekte; davon sind rund 25.000 Exponate derzeit in den Ausstellungen zu sehen. Wir haben unsere Mitglieder nach Ihren Lieblingsexponaten gefragt, in den neuen Ausstellungen oder auch in den Zweigstellen.

Lauter Lieblingsstücke

Wir haben unsere Mitglieder eingeladen uns und allen Besucherinnen und Besuchern aus dieser Vielfalt ihr ganz persönliches Lieblingsexponat zu zeigen, sich damit fotografieren zu lassen und ihre Faszination für Naturwissenschaft und Technik und für das Museum zu teilen Haben Sie auch eins?

Manche Mitglieder haben uns nicht nur verraten, warum sie bestimmte Lieblingsexponate haben, sondern auch warum sie schon so lange Mitglied sind. Gerne teilen wir die Geschichten…

Wie eine Kugelsortiermaschine ein ganzes Leben sortiert

Es war einmal..., nein, nicht so märchenhaft, machen wir es anders…

Es gibt sie (noch) nicht, eine Zeitmaschine. Aber wir können uns die doch einfach vorstellen und "beamen" uns damit zurück in das Jahr 1959. Einverstanden?

Ich bin wieder ein Siebenjähriger in einem kleinen fränkischen Bauerndorf mit knapp 800 Einwohnern. Es gibt eine Schmiede, zwei Bäckereien, einen vorzüglichen Metzger. Die Dorfstraßen sind noch nicht asphaltiert. Die Kleinbauern benutzen Ochsenfuhrwerke. Einer meiner Großväter ist Sattler, der andere ist Bauer im Nachbardorf. Die Dorfschule besteht nur aus zwei Klassen: eine für die Jahrgangsstufen 1-4, eine für die Stufen 5-8.

Traktoren - von den Bauern liebevoll "Bulldog" genannt - sind selten. Mähdrescher gibt es - jedenfalls in unserer Gegend - noch nicht. Dafür kommt einmal im Jahr eine Dreschmaschine auf dem Dorfplatz zum Einsatz. Ein Schlüsselerlebnis für mich.

Diese Maschine wird auf dem Dorfplatz aufgestellt und von mehreren Bauern genutzt, der Strom kommt von einem Bauernhof mit einem langen Kabel und heute nicht mehr zugelassenem Stecker. Mein Taufpate (selbst Bauer) erklärt mir, wie früher gedroschen wurde und welche Vereinfachung die gemeinsam genutzte Dreschmaschine bedeutet. Ich bin fasziniert von diesem seltsamen technischen Wunderwerk, dabei ist es für mich als kleiner Junge eigentlich ein Monster. Riesig, laut, unheimlich und in seiner Funktion nicht nachvollziehbar.

Nachdem ich das Ding lange genug aus sicherer Entfernung bewundert hatte - nichts wie nach Hause. Denn etwas ist jetzt anders - plötzlich hat alles "Technische" einen hohen Stellenwert und ist unbedingt genauer zu untersuchen. Als erstes muss ein Spielzeug-Blechpanzer daran glauben. Er wird zerlegt und nie wieder zusammengebaut. Das schlechte Gewissen plagt mich noch heute – meine Schwester hat eine Puppe, die „Mama“ sagen kann. Der Werkplatz meines Großvaters wird zum OP-Tisch, die Puppe wird gnadenlos seziert. Die Einzelteile sind danach stumm – meine Schwester nicht.

Um solche Vorfälle zu vermeiden, bekomme ich kurz darauf einen gebrauchten "Stabil"-Baukasten. Also einen Metall-Baukasten aus den 1930er Jahren mit einem Vorlagenbuch für wahnsinnig interessante technische Objekte. An einen Turmdrehkran erinnere ich mich am deutlichsten. Harte Arbeit bis das Ding endlich steht und funktioniert. Motortechnisch ist der Baukasten leider nicht so ganz auf dem neuesten Stand. Nur einen Federmotor zum Aufziehen gibt es. Aber eines wird mir beim Bauen klar: Etwas Technisches, etwas mit Maschinen, das wird einmal mein Beruf.

Ganz so schnell geht es dann aber doch nicht, erst steht ein Umzug der Familie vom Dorf in die nächstgelegene Kreisstadt an, nach Schweinfurt. Ja, genau DIE Kugellagerstadt. Und damit es nicht ganz so einseitig mit Kugelfischer und SKF ist, gibt gab es ja noch Fichtel & Sachs.

Und da damals Mitte der 1960er die Schulpflicht nach acht Jahren endet, starte ich meine berufliche Laufbahn als "Stift". Ich beginne eine Lehre als Maschinenschlosser, in einer Firma, die tatsächlich Maschinen baut. Alles, was irgendwie mit der Herstellung von Kugeln zu tun hat: Kugelrolliermaschinen, Kugelpoliermaschinen, Kugelsortiermaschinen. Ab und zu auch Sondermaschinen für eine amerikanische Werkzeugfirma.

Ich bin der jüngste Mitarbeiter und auch der kleinste, schmächtigste. Aber die handwerkliche Arbeit macht mir Freude und ist eine tägliche Herausforderung. Als ein Elektriker längere Zeit krank wird, darf ich einspringen und verdrahte unter Anleitung eines Meisters als Schlosserlehrling sogar Schaltschränke. Damit erweitert sich mein Kenntnisbereich im Maschinenbau schlagartig, macht mich nur noch neugieriger. Und um einfach noch mehr zu lernen, beginne ich in eine Abendschule (Berufsaufbauschule) zu gehen.

Und dann das große Ereignis nach drei Jahren Berufsschule: Eine Abschlussfahrt nach München, ganze drei Tage, dazu die Ankündigung: Der gemeinsame Besuch des Deutschen Museums ist Pflicht!

Vieles was ich dort im Museum sehen darf, ist technisch für mich klar und nachvollziehbar. Aber vieles, für einen noch jungen, angehenden Facharbeiter, nicht sofort verständlich und bestärkt mich darin, alle meine Energie in die Weiterbildung, die Abendschule zu stecken. Und während meine Klassenkameraden den folgenden "freien“ Tag in der Stadt durchmachen, kämpfe ich mich lieber einen zweiten Tag durch verschiedene Abteilungen des Museums, damit ich möglichst viel Gesehenes "mitnehmen" kann.

Das Deutsche Museum hatte also einen großen Einfluss auf mich. Die Neugierde und das "ich will das wissen" hat mich danach nicht mehr verlassen. Anfang der 1970er Jahre schreibe ich mit 21 Jahren bereits meine Abschlussarbeit an der Fachhochschule München - als Maschinenbauer an einem Rechner (Zuse Z23).

Mit der Zeitmaschine überspringen wir nun ein paar Jahre, um in der Mitte der 1980er Jahre zu landen. Inzwischen nun ein Jahrzehnt im Beruf, mit Frau und Nachwuchs (zwei gesunde und sehr muntere Jungs) wohne ich am Isarhochufer, oberhalb des Deutschen Museums. Nach der Geburt des zweiten Sohnes bürgert es sich irgendwie ein: sonntags unternimmt der Vater etwas, zumindest mit dem Älteren der Söhne, damit die Mutter etwas Ruhe hat...

Unternimmt etwas? Klar doch – ab ins Deutsche Museum!

Über mehrere Jahre sind wir mindestens zweimal im Monat im Deutschen Museum. Bald kann der ältere Sohn mit seinen drei Jahren mich durch das Bergwerk „führen“. Keine Experimentierecke ist vor ihm sicher, und zum Abschluss geht es immer in die "Würstl-Abteilung", so wird von ihm der Imbissbereich genannt. Bei den vielen Besuchen ist eine Mitgliedschaft beim Deutschen Museum einfach angebracht und kostenmäßig mehr als sinnvoll.

Irgendwann, etwa 1987, werden auch mal wieder die Werkzeugmaschinen besucht. Die faszinieren den Dreijährigen besonders. Dass ich aber an einer kleinen und unscheinbaren Maschine stehen bleibe, wo es doch so viel größere und interessantere Maschinen zu erkunden gibt, ist dem Sohn unverständlich. Für mich aber ein Déjà-vu der besonderen Art. Ich stehe vor einer Kugelsortiermaschine in einer Bauart, von denen ich bestimmt ein Dutzend während meiner Lehrzeit montiert hatte.

Jetzt schließt sich sozusagen der Kreis. Im Deutschen Museum hatte 1969 mein Wissensdrang so richtig Fahrt aufgenommen, nun knapp 20 Jahre später steht eine Maschine aus der Lehrzeit bereits im Museum. Ich war ja beruflich an schnelle Entwicklungszyklen gewöhnt, aber das hat mich schwer zum Nachdenken gebracht.

Kehren wir mit der Zeitmaschine in die Gegenwart zurück: Museen (nicht nur technische!) haben für mich bis heute höchste Anziehungskraft. Nicht nur fachspezifisch in die Tiefe zu gehen, sondern auch andere Fachgebiete immer wieder neu "zu erleben", ist ein Vergnügen der besonderen Art für mich. So ist es auch kein Wunder, dass ich die letzten Jahre meines Berufslebens im Bereich "Knowledge Management" unterwegs war.

Und heute, als Rentner?

Wenn nicht gerade ehrenamtlich in einem der vielen Häuser (Altenheime) des Münchenstifts als "Jukebox-Willi" beschäftigt bin, bin ich immer noch neugierig unterwegs.

Mitglieder teilen ihre Geschichten

Autor/in

Angelika Hofstetter

Angelika Hofstetter ist seit 2015 Leiterin des Mitgliederservice im Deutschen Museum. Neben der Administration rund um die Mitgliedschaft und der persönlichen Betreuung der Mitglieder gehört die Planung und Organisation der speziellen Angebote für Mitglieder zu ihren Aufgaben.

Willi Müller-Basler

Willi Müller-Basler ist seit den 1980er Jahren Mitglied im Deutschen Museum. Eine Langzeitbeziehung, die schon früh begann, als Lehrling, mit Intensivierung bei Familienausflügen (inkl. Windelwechsel auf der Holzsitzfläche der ersten elektrischen Eisenbahn). Er hat viele Lieblingsstücke im Museum (genial findet er unseren Rockstar in der Robotik), auch wenn viele davon aufgrund der Sanierungsarbeiten ins Depot verschwunden sind, findet er die neuen Ausstellungen gelungen: „… die neuen Konzepte z.B. bei „Energie und Motoren“ haben mich, trotz meinem Alter und damit einem Hang zu einer eher antiquierten Museumspräsentation, nicht nur überzeugt, sondern tatsächlich auch einige Denkänderungen bei mir verursacht…“

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