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Wachbleiben lohnt sich: In der Langen Nacht gibt es ein umfangreiches Programm auf der Museumsinsel und im Verkehrszentrum. Eine Weltpremiere präsentiert der Physiker Marcus Thielen mit seiner Vorführung "Spannung im Glas". Er schlägt mit einer Glasflasche einen langen Nagel ins Holz – ohne die Flasche dabei zu zerbrechen, bringt harte Glastränen mit einem kleinen "Knips" zum Bersten und demonstriert, wie ein Glasstab einer Druckbelastung von mehreren Tonnen standhält. 
Vier Fragen an den Physiker und Glasexperten Marcus Thielen.Annette Lein (AL): Hallo Herr Thielen, was zeigen Sie bei der Vorführung "Spannung  im Glas"?
MT: Ich möchte demonstrieren, dass Glas eine Flüssigkeit ist. Durch langsames Abkühlen lassen sich in diesem Material Spannungen mechanisch "einfrieren", die kann man nutzbar machen, sie können aber auch zu Schäden führen. Zu zeigen, wie schnell und spektakulär Glas zerbrechen kann, ist Sinn dieser Vorführung. Dazu führe ich unter anderem mit einer großen Zug- und Druckkraftmaschine vor, wie ein Glasstab "nur" 200kg Zugbelastung dabei aber mehrere Tonnen Druckbelastung aushält, bis er bricht. Glasbruch unter Spannung ist eines der schnellsten mechanischen Phänomene in der Physik. Um den Verlauf des Bruches überhaupt zeigen zu können, benötigen wir eine der schnellsten Kameras der Welt. Wir haben dabei eine Kamera der Firma Shimadzu zur Verfügung, die erst seit Juli 2013 auf dem Markt ist. Sie erzeugt 10 Millionen Bilder pro Sekunde! Die gefrorenen Spannungen verbreiten sich mit einer Schockwelle, die mit Überschallgeschwindigkeit durchs Glas läuft.
AL: Wie kommen Sie auf solche Ideen? 
MT: Ich bin Sachverständiger für Lichtwerbung und muss über Glasarbeit anderer Glasbläser urteilen. Dazu muss ich selbst ein wenig Glasarbeit beherrschen und begann, mich wissenschaftlich mit Glasbläserei zu befassen. So kam ich mit dem Deutschen Museum in Kontakt. Hier führe ich regelmäßig populärwissenschaftliche Vorführungen vor, zum Beispiel über die Herstellung von Neonglas.
AL: Was ist ihr Beruf?
MT: Hauptberuflich bin ich als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Gerichtsgutachten tätig, in dem Sachgebiet Lichtreklame und Architekturbeleuchtung und neuerdings LED Technik. Ich werde aber auch zur korrekten technischen Dimensionierung von Großanlagen bestellt. Die größte Anlage, die ich in letzter Zeit betreut habe, war das "Emirates Palace" in Abu Dhabi mit über 27 km handgefertigten Leuchtröhren.
AL: Was fasziniert sie an Glas?
MT: Jahrhundertelang wurde das Wissen um Glas vom Glashüttenmeister auf den Sohn mündlich übertragen. Mich reizt es, solche Geheimnisse zu lüften. Von der handwerklichen Seite ist es faszinierend, dass sich Glas mit einfachen Mitteln wie Hitze, Schwerkraft oder Luft bearbeiten lässt. Man kann damit die vielfältigsten Formen und Farben herstellen. Die Ofenglasbläserei ist mein Hobby, da arbeitet man aus der Schmelze heraus, nicht wie Glasbläser aus vorgefertigten Stäben o.ä.
AL: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Weltpremiere!
Die Vorführung "Spannung im Glas" findet am 19.10.13 um 11.30 Uhr und zur Langen Nacht um 20 und 22 Uhr im Bereich Werkstoffprüfung im Erdgeschoss statt. Das komplette Programm für die Museumsinsel und Verkehrszentrum, mit Plänen, Terminen und allen Informationen gibt es hier als Download: <media 39959 _blank pdf "TEXT, DM Programm Lange Nacht2013, DM_ProgrammLangeNacht2013.pdf, 426 KB">Programmflyer</media>
Weitere Lange-Nacht-Highlights auf der Museumsinsel
"Der große Traum vom Fliegen"
Theaterszene von Klaus J. Neumann, anlässlich der Leonardo da Vinci Sonderausstellung.Es treten auf: Oskar von Miller, Antoine de Saint-Exupéry und Leonardo da Vinci
Aufführungen mehrmals während der Langen Nacht der Museen, EG Luftfahrt
"Tanz - bewegte Körper und Maschinen"  aus dem Stück "Berlin 1920 – eine Burleske" mit dem Ballett des Gärtnerplatztheaters
Aufführungen jeweils um 20.00 / 21.30 / 22.30 Uhr
Dauer circa 15 Minuten, EG, Kraftmaschinen
Und dann mit dem Rollenden Museum ins Verkehrszentrum: Oldtimer bringen Sie auf die Theresienhöhe

Bildergalerie Lange Nacht 2012 im Deutschen Museum:

Autor/in

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Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!