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Von Florian Breitsameter
»Happy Birthday to you… « Wenn heute aus dem Badezimmer ein Geburtstagslied ertönt, dann bedeutet das vielleicht nicht nur, dass sich jemand dazu motivieren will, mindestens zwanzig Sekunden lang seine Hände zu waschen. Nein, heute feiert auch der Internationaler Hände-Waschtag seinen zwölften Geburtstag! Wie wichtig Händewaschen als Maßnahme gegen die Verbreitung von Infektionskrankheiten ist, sollte im Jahr 2020 eigentlich jedem klar sein. Trotzdem will der jährlich am 15. Oktober stattfindende und von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufene Hände-Waschtag an die Bedeutung der Händehygiene erinnern.
Seit Monaten nun schon prägen die Folgen der Corona-Pandemie unseren Alltag. Die einfache AHA-Regel fasst heutzutage kurz zusammen, wie man sich und andere schützen kann: Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske (Mund-Nasen-Bedeckung).
Hygiene bedeutet hier, dass man in die Armbeuge husten und niesen, sich aber vor allem eben regelmäßig die Hände waschen soll. Also wenn man nach Hause kommt, nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten, vor der Zubereitung von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang, vor und nach dem Kontakt mit Erkrankten, vor dem Anlegen und nach dem Ablegen einer Mund-Nasen-Bedeckung.
Und wie wäscht man sich richtig die Hände? Am besten erst einmal die Hände nass machen, dann erst die Seife nehmen und die Hände rundum einseifen. Wichtig ist es, hier nicht nur die Handinnenfläche zu bearbeiten, sondern auch den Handrücken, die Fingerspitzen und die Fingerzwischenräume. Wie oben schon gesagt, kann es helfen hier »Happy Birthday« zu singen, um auf die erforderlichen 20 bis 30 Sekunden zu kommen. Dann die Hände sorgfältig abspülen und mit einem sauberen Handtuch gründlich abtrocknen.
Natürlich ist das Händewaschen auch ein Thema in der kommenden Dauerausstellung Gesundheit, die Ende 2021 eröffnen wird. Schließlich gehört das einfache Händewaschen zu den ersten und auch wichtigsten Hygienemaßnahmen im Kampf gegen die Übertragung von Infektionskrankheiten. Das eindrucksvollste Exponat zu diesem Thema ist eine große Petrischale mit über 20 Zentimeter Durchmesser. Auf dem Nährboden ist grob die Form einer rechten Hand zu erkennen – in Form von weißen und gelben Bakterienkolonien, klein und glänzend, teilweise aber auch größer und seltsam gemustert. Deutlich sind außerdem hellbraune Schimmelpilze auf der Platte zu erkennen. In der Ausstellung ist eine täuschend echte Replik dieser Petrischale (nachgebildet in der Bildhauerwerkstatt des Deutschen Museums) zu sehen, die Vorlage entstand jedoch in einem echten Versuch, den wir hier im Museum durchführten. Eine Kollegin durfte sich dafür etwa eine Stunde lang nicht ihre Hände waschen, bevor sie dann mit ihrer Hand sanft den Nährboden der Petrischale berührte. Schon nach 12 Stunden zeigten sich erste Punkte auf der Platte, nach etwa 48 Stunden im Brutschrank bei 37 °C war der abgebildete Zustand erreicht.
Die wissenschaftliche Aussage hinter diesem Exponat ist die Sichtbarmachung der zahllosen Keime, die wir mit unseren Händen übertragen können.
Denn etwa 150 unterschiedliche Arten Bakterien leben jederzeit auf unserer Hand. Auch viele andere Mikroben wie Viren und Pilze sind dort zuhause. Die meisten sind für den Menschen völlig harmlos, viele sogar nützlich. Bei jeder Berührung tauschen wir Keime mit der Umwelt aus. Kritisch wird es, wenn wir Krankheitserreger mit den Händen aufnehmen und dann unachtsam sind – zum Beispiel mit der Hand etwas greifen und essen – und so die Erreger über die Mundschleimhaut ihren Weg in den Körper finden.
Eine einfache Waschschüssel mit Seifenablage und ein Stück Kernseife erinnern an die Tatsache, dass vor nicht allzu langer Zeit fließendes Wasser im Haushalt keine Selbstverständlichkeit war, man aber trotzdem Mittel und Wege fand sich zu waschen.
Denn spätestens seit Robert Kochs (1843-1910) bakteriologischen Forschungen ist es allgemein bekannt, dass Mikroben schuld an Infektionskrankheiten sind und Hygiene den besten Schutz darstellt. Zwar forschte Koch damals an Bakterien, aber auch Corona-Viren vertragen Seife überhaupt nicht! Und darum gilt auch weiterhin: Nach dem Klo und vor dem Essen – Hände waschen nicht vergessen!
Dr. Florian Breitsameter hat Chemie studiert und ist Kurator für Pharmazie und Medizintechnik am Deutschen Museum. Er entwickelt derzeit das Konzept für eine neue Ausstellung mit dem Planungstitel »Gesundheit«, außerdem forscht er zur Geschichte der Meisterpräparate in der Sammlung Pharmazie.

Autor/in

Florian Breitsameter