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Von Tabitha Eickel
Das Betreuungspersonal berichtet aus dem Alltag im VRlab Das Mondauto steht in Parkposition, das Museum ist noch ganz leer und still. Die vielbeschworene Ruhe vor dem Sturm. Wir fahren die Rechner hoch, schließen die Brillen an und testen die Flächen, damit gleich alles reibungslos läuft.  Es ist eine halbe Stunde vor Öffnung des VRlabs und wie an vielen Tagen stehen die Besucher*innen schon jetzt Schlange um freie Plätze zu ergattern. Manchmal spielt uns so kurz vorher auch noch die Technik einen Streich und wir kommen etwas ins Schwitzen, bis der Fehler gefunden und behoben ist. Aber wir haben schon Erfahrungen gesammelt und dann läuft alles. Es kann losgehen.
Einige BesucherInnen kommen gezielt, um unsere neue virtuelle Ausstellungs
fläche zu erkunden,
andere entdecken das VRlab zufällig während ihres Besuchs im Museum und sind oft erstaunt darüber, wie gut sich diese Technologie ins Museum einfügt. Bei uns erleben sie dann zwei VR-Flächen, auf denen sie vier unserer Objekte in virtuellen Umgebungen erkunden können, darunter z.B. der erste Flug von Otto Lilienthal (1848-1896). Und dann können sie auf dem Fahrsimulator noch den Lunar Rover über die Mondoberfläche steuern. Sobald die Brillen aufgesetzt sind faszinieren uns immer wieder die vielen, unterschiedlichen Reaktionen der Menschen. Es ist für ganz viele Besucher*innen doch eine ungewöhnliche und vollkommen neue Erfahrung. Viele reagieren beinahe verzückt oder mit schüchternem Erstaunen. Andere rufen ihre Freude ganz frei heraus. Jeden Tag zu solchen Gefühlen beitragen zu dürfen, ist für uns ein wunderbares Erlebnis.
Besonders ältere BesucherInnen zeigen sehr intensive und spannende Reaktionen. Eine Dame kam zu ihrem 60sten Geburtstag zu uns, um sich den Lebenstraum zu erfüllen, einmal auf dem Mond gewesen zu sein. Sie genoss dieses Erlebnis in vollen Zügen und verließ uns vollends dankbar, glücklich und zufrieden. Aber auch BesucherInnen mit Angstzuständen, wie zum Beispiel Höhenangst, konnten bei uns schon überwältigende Erfahrungen machen, und vielleicht konnte die Erfahrung im VRlab sogar ein bisschen dazu beitragen diese Ängste zu überwinden.
Egal wer uns besucht, sie alle teilen die Erfahrung, Objekte im Museum nochmal ganz anders und neu zu erleben. Ein Ausstellungsstück zuerst direkt im Museum und dann im virtuellen Raum in Aktion zu erleben, führt immer wieder zu Aha-Momenten. Wer aber jetzt denkt, dass es im VRlab nur um das Erlebnis des Einzelnen geht, während andere gelangweilt warten müssen, liegt falsch. Immer wieder beobachten wir unterhaltsame Situationen, in denen Familien, Schulklassen oder Ausflugsgruppen das gerade Erlebte teilen, sich gegenseitig anfeuern, beraten oder sich erbitterte Golf-Wettstreits auf dem Mond liefern.

Dabei stellen sich alle den gleichen Herausforderungen.
Der Umgang mit der Technik ist nicht immer einfach und oft braucht es unsere Erklärung, um die Controller bedienen zu können. Und auch wenn die BesucherInnen schon die Brille auf dem Kopf haben, bleiben wir in der Nähe, helfen bei Problemen oder wenn man so überwältigt ist von der Erfahrung, dass man vergessen hat mit welchem Knopf man sich teleportieren kann. Gleichzeitig achten wir darauf, dass niemand mit Schwindel oder Übelkeit reagiert oder unterbrechen die Simulation falls es doch mal passiert. Vor allem für Menschen, denen auch beim Autofahren schlecht wird, kann der Fahrsimulator eine Herausforderung sein. Das liegt übrigens daran, dass unsere Sinne verwirrt sind – die Augen melden dem Gehirn, dass wir uns bewegen, während das Gleichgewichtsorgan im Ohr das Gegenteil meldet.  Hat man sich aber mal an die Situation gewöhnt, bereitet die Fahrt über den Mond großes Vergnügen.
Wir freuen uns auch in Zukunft auf spannende, lustige und ergreifende Erlebnisse mit unseren BesucherInnen, auf die Interaktion, die gemeinsame Erfahrung und gute Zusammenarbeit unter uns KollegInnen.

Weiterlesen

  • Weitere Informationen über das VRlab
  • Das VRlab wird am Deutschen Museum im Teilprojekt "3D- Visualisierung: Perspektiven in der musealen Vermittlung" im Rahmen von museum4punkt0 entwickelt. Mehr zu diesem Forschungsprojekt.
  • Blogbeiträge:
    "In 10 Minuten auf den Mond und wieder zurück"
    "Museum am Computer"
Tabitha Eickel ist Augenoptikerin und schon immer begeistert von neuen technischen Errungenschaften. Sie ist daher mit Freude Teil des Teams im  VRLab.

Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum
ist ein Ausflug in die Flugwerft Schleißheim. Umgeben von wundervoller Natur gibt es dort sehr viel spannendes rund ums Fliegen hautnah zu erleben und zu entdecken.

Autor/in

Gastblogger

Immer wieder schreiben Gäste im Blog - Informationen zu diesen Autorinnen und Autoren finden sich im jeweiligen Beitrag. Als Gastblogger schrieben in letzter Zeit: <link 12873 - internal-link-new-window "Opens internal link in new window">Jutta Schlögl</link> war als Physik-Ingenieurin im Bereich Technische Entwicklung tätig und ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Museums. Sie leitet das Projekt Experimentier-Werkstatt.Dorothea Föcking ist Hamburger Abiturientin und macht ein zweimonatiges Praktikum im Vorbereitungsteam der Sonderausstellung "Anthropozän". Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Bei einem Museumsbesuch sollte man unbedingt Halt in der <link 81 - more>Pharmazie-Ausstellung</link> machen, um in das Innere der riesigen, gemütlichen Zellnachbildung zu schauen.