Roche unterstützt DNA-Besucherlabor


Seit der Gründung des Deutschen Museums gibt es eine bedeutende Lücke in seiner Infrastruktur. Jetzt wird sie geschlossen. Der Bau des neuen Zentraldepots beginnt noch dieses Jahr. Auf einem "ungewöhnlichen Finanzierungsweg" schafft das Museum so einen neuen Raum für Objekte und Mitarbeitende. Henrik Häcker, der Kaufmännische Direktor des Deutschen Museums, beantwortet uns einige Fragen dazu.
Das Museumsdepot. Unter kontrollierten Bedingungen lagert hier eine Vielzahl an Objekten. Im Normalfall der Öffentlichkeit unzugänglich warten sie darauf, ausgestellt, restauriert oder erforscht zu werden. Als Institutionen des kulturellen Erbes gehört es zum Auftrag von Museen, Objekte zu sammeln und zu bewahren. Dass dann nicht jedes Objekt ausgestellt wird, ist bei der schieren Menge nicht verwunderlich. Die Sammlung des Deutschen Museums umfasst derzeit 125.000 Objekte, “nur” etwa 10% davon findet man in den Ausstellungen.
Ebenso unbemerkt wie die Objekte, die dort lagern, ist meist das Museumsdepot selbst. Momentan ist das jedoch anders: Die Planung zum neuen - und ersten - Zentraldepot des Deutschen Museums sorgt medial für Aufmerksamkeit. Seit September 2014 besitzt das Museum ein Grundstück im Erdinger Stadtteil Aufhausen, auf dem Ende dieses Jahres der Bau beginnen wird. Fragen zum ungewöhnlichen Finanzierungsmodell beantwortet uns hierzu der kaufmännische Leiter des Deutschen Museums, Henrik Häcker. Aber ein Blick auf die Arbeit im Depot, auf das Sammlungsmanagement und die Forschung, lohnt sich darüber hinaus: Ganz so ruhig, wie es den Anschein hat, geht es im Museumsdepot doch nicht zu.
Von der Objektannahme über die Restaurierung bis zur Digitalisierung und Forschung: Das Depot ist ein lebendiger Ort. Objekte werden neu aufgenommen, bekommen einen Platz zugewiesen, werden dorthin transportiert oder von dort abgeholt; sie werden gepflegt, entstaubt oder auf Gefahrenstoffe untersucht. Fotografen erstellen Bilder und Scans der Objekte und das Museum stellt sie samt Informationen auf Deutsches Museum Digital zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung.
Für Forschende reichen die Bilder und die vom Museum gesammelten Information oft nicht aus. Zur Beantwortung ihrer Fragen benötigen sie Zugang zum Objekt, das im Depot lagert. Die Forschenden müssen Details studieren und in Zusammenhang setzen. Auch die Auswahl von Exponaten für Ausstellungen kann nicht unbedingt anhand von Fotografien getroffen werden: Wie wirken mehrere Objekte im Konvolut? Bedarf es einer eingehenden Prüfung der Materialität oder besondere Schutzmaßnahmen im Ausstellungsraum? Oder ist das Objekt aufgrund von Schadstoffbelastung gar nicht ausstellbar? Solche Fragen lassen sich nur an den gelagerten Objekten selbst beantworten.
Verschiedene Personengruppen beschäftigen sich so mit den Gegenständen in den Depots, bearbeiten, erforschen und kontextualisieren sie. Ein Depot kann also weit mehr als bloße Lagerstätte sein.
Derzeit lagert das Deutschen Museum seine Objekte an acht verschiedenen Standorten. Arbeitsflächen stehen dort nur begrenzt zur Verfügung. Das soll sich nun mit dem neuen Zentraldepot ändern. Im hochmodernen Gebäude, das den hohen Ansprüchen der verschiedenen Objektgruppen entsprechen wird, sind auch rund 3000 m2 Funktionsflächen für Exponatanlieferung, Digitalisierung, Konservierung und Restaurierung angedacht. Rund 15 Mitarbeitende sollen hier zukünfitg arbeiten.
Die Lagerflächen selbst sollen nach Ende des ersten Bauabschnitts rund 14 000 m2 umfassen. Eine modulare Bauweise ermöglicht es, die gesamte Nutzungsfläche auf rund 45 000 m2 zu erweitern. Damit reicht der Platz für die umfangreiche Sammlung des Deutschen Museums aus. Der logistische Aufwand der acht Standorte wird durch die Zentralisierung reduziert und Raum für die Aufnahme, die Pflege und die Erforschung der Objekte geschaffen. Der Plan eines Schaudepots, das der Öffentlichkeit zugänglich wäre, konnte leider nicht realisiert werden. Die Hoffnung, kleine Gruppe in regelmäßigen Abständen durch das Depot zu führen, besteht aber nach wie vor.
14.000 m²Lagerfläche, mehrstufig auf 45.000 m² erweiterbar
September 2026Baubeginn
Ende 2028Geplante Fertigstellung
Logistisch hat das geplante Zentraldepot also wichtige Vorteile im Vergleich zur bisherigen Lösung. Auch finanziell hat das Projekt einen ernomen Nutzen. Bisher fielen für die Depots Mietkosten von mehreren Millionen Euro an - und das jedes Jahr. Auch wenn Bau und Betrieb des Zentraldepots über die nächsten 25 Jahre rund 100 Millionen Euro beanspruchen, rechnet sich das für das Museum. Und das, obwohl es selbst diese Geldsumme nicht aufbringen konnte.
Stattdessen wird die Georg Reisch GmbH & Co. KG als Investor das Zentraldepot planen, bauen, finanzieren und betreiben. Realisiert wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro LRO GmbH & Co. KG aus Stuttgart. Die Kosten zahlt das Deutsche Museum über die nächsten 25 Jahre ab, das Depot gehört dem Museum allerdings schon in der Bauphase. Für das Projekt werden damit keine weiteren öffentliche Mittel benötigt, es kann aus dem regulären Haushalt gestemmt werden.
Beim Pressetermin in Erding nannte Henrik Häcker diesen Finanzierungsweg selbst “ungewöhnlich”. Im Kurzinterview erklärt er uns, warum dieses Modell gewählt wurde und welche Herausforderungen bei der Planung entstanden.
Warum wurde dieser ungewöhnliche Finanzierungsweg mit einem Investor eingeschlagen?
Henrik Häcker: Wir haben uns für diesen Weg entschieden, weil es für das Museum einfach keine andere Möglichkeit gab. Die öffentlichen Gelder waren knapp und wir konnten weder das Schaudepot noch ein einfaches Lager mit den vorhandenen Mitteln bauen. Auch Kredite waren keine Option, weil uns dafür Sicherheiten gefehlt haben. Deshalb mussten wir nach einer neuen Lösung suchen und sind schließlich bei einem Modell gelandet, das mit einem Investor zusammen funktioniert. Das hat uns erlaubt, das Projekt endlich umzusetzen, nachdem wir jahrelang auf der Stelle getreten sind.
Was war die größte Herausforderung bei der Planung?
Henrik Häcker: Die größte Schwierigkeit war wirklich, überhaupt eine Finanzierung zu finden – und das ohne irgendwelche Sicherheiten. Erst, als wir das geschafft hatten, konnten wir mit der Planung richtig loslegen. Dann mussten wir abschätzen, wie viel das Ganze kostet, und gleichzeitig festlegen, was mindestens nötig ist, damit das Depot seinen Zweck erfüllt. Dabei mussten wir das Grundstück optimal nutzen und die Bauvorschriften beachten, ohne das Budget zu sprengen. Es war wichtig, von Anfang an auch die spätere Erweiterung im Blick zu behalten und zu überlegen, wie wir die alten Lager nach und nach auflösen können. Das Ganze war ziemlich komplex, weil Fehler beim Bauen später kaum noch zu korrigieren sind – vor allem, wenn das Geld knapp ist. Deshalb mussten wir alles sehr sorgfältig durchdenken, bis hin zum späteren Betrieb.
Ganz persönlich, welches Objekt unserer Sammlung wüssten Sie gerne als Erstes sicher im neuen Depot untergebracht?
Henrik Häcker: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil wir über 120.000 Exponate haben und ich nicht von allen einen Überblick habe. Die großen Stücke springen natürlich sofort ins Auge, aber sie sind nicht unbedingt meine Favoriten. Zur Weitergabe an andere Museen oder Sammlungen eignen sich vielleicht der „Würzburger Riese“, der Mühltalsperren-Schieber, die Blasenkammer oder das Japanhaus. Besonders freue ich mich darauf, dass die historischen Fahrräder, Motorräder und Fahrzeuge endlich besser untergebracht werden, denn momentan stehen sie im Untergeschoss der Flugwerft und brauchen dort riesige Entfeuchtungsanlagen, damit sie keinen Schaden nehmen. Es wird eine echte Verbesserung sein, wenn sie im neuen Depot sicher lagern können.
Welches Objekt es dann im Frühjahr 2029 zuerst in das erste Zentraldepot des Deutschen Museums schafft, wird sich zeigen. Klar ist, dass mit der kreativen Finanzierungslösung der Weg für einen langgehegten Wunsch geebnet wurde und die Sammlung des Museums zukünftig unter den besten Bedingungen gelagert wird.