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Das Hobby zum Beruf machen

Nach 40 Jahren im Dienst des Deutschen Museums geht Gerhard Filchner in den Ruhestand. Seine Liebe zu Flugzeugen besteht weiterhin - auch wenn der Leiter der Flugwerft beschlossen hat, nicht mehr zu fliegen. Wenn man sein Arbeitszimmer betritt, merkt man, dass hier ein Luftfahrtbegeisterter arbeitet. Im Regal stehen bestimmt ein Dutzend Flugzeugmodelle – von einem kleinen Flyer der Gebrüder Wright bis hin zu einfachen Holzmodellen von Hubschraubern, die einst für die Konzeption von Ausstellungen im Deutschen Museum gedient haben. Gerhard Filchner war bereits beim Aufbau der großen Luftfahrtausstellung des Deutschen Museums auf der Museumsinsel dabei, und hat dann seit ihrer Eröffnung die Flugwerft Schleißheim geleitet. Demnächst hat der 65-Jährige seinen letzten Arbeitstag. Und er hat viel zu erzählen.

„Die Flugwerft Schleißheim ist ein ideales Museum"

sagt Gerhard Filchner - denn sie ist selbst Teil der Luftfahrt-Geschichte. Seit 1912 war dort die königlich-bayerische Fliegertruppe stationiert, direkt neben dem Schleißheimer Schloss. Die damals errichtete Rüsthalle und die Kommandantur stehen heute noch. Eine Ausstellung im Durchgang zu großen Ausstellungshalle dokumentiert die Entwicklung. Im Ersten Weltkrieg wird der Flugplatz erweitert, dann die Werfthalle gebaut. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird der Platz zum Fliegerhorst der Luftwaffe ausgebaut. Nach Kriegsende übernimmt die US-Armee das Gelände, später die Bundeswehr. 1981 endet der militärische Flugbetrieb.

Nicht nur ein Verein machte dann sich sehr für den Erhalt der historischen Flugwerft stark - auch Franz Josef Strauß, Ministerpräsident und passionierter Flieger. Das Deutsche Museum übernahm das Projekt, aus der historischen Flugwerft ein Museum zu machen.

Die Eröffnung der Flugwerft 1992 wurde ein rauschendes Fest. „Mein Ziel war immer schon, ein lebendiges Museum zu schaffen – ein Museum, das in Bewegung ist“, sagt Filchner. In seiner Zeit hat es 50 Sonderausstellungen in der Flugwerft gegeben, viele Kooperationen, Partnerschaften und Vorträge. „Und wir haben viel Wert darauf gelegt, dass hier immer auch ein Flugbetrieb stattfindet – mit Piloten, die mit ihren Oldtimern hier einfliegen. Wie zum Beispiel die Klemm 25 von 1927, das ältesten in Deutschland noch zugelassenen Flugzeug. Das sind einfach Schmankerl, die die Ausstellung bereichern.“

Augen auf bei der Berufswahl!

Gerard Filchner stammt aus der Oberpfalz und hat sich schon als Kind für Flugzeugmodelle begeistert. Wäre er dortgeblieben, wäre sein Berufsleben ganz anders verlaufen. „Da gab’s beim Arbeitsplatz die Wahl zwischen Zoll und Finanzamt.“ An der Fachhochschule München studierte er Flugzeugtechnik. Als er ein Querruder nach dem Vorbild des Starfighters entwickeln sollte, ging er ins Deutsche Museum, um sich das am Original anzuschauen – Die Studienarbeit wurde ein Erfolg. Und wie es der Zufall wollte, suchte das Museum dann Verstärkung für die neu geplante große Luftfahrtausstellung auf der Museumsinsel. Filchner bewarb sich und wurde genommen.

Filchner ist jedenfalls überzeugt, bei seiner Berufswahl alles richtig gemacht zu haben. „Das war immer total vielseitig: Von Restaurierungen und Exponat-Einwerbungen bis hin zu Sonderausstellungen und der Organisation von Veranstaltungen – langweilig ist es nie gewesen. Für mich war das ein absoluter Glücksfall – sonst wäre ich auch nie so lange geblieben. Wäre ich dagegen in der Luftfahrtindustrie gelandet, hätte ich vielleicht am Ende irgendwelche Türscharniere entwickelt – und das wäre auf die Dauer doch etwas fad geworden.

Und jetzt?

Gerhard Filchner will es jetzt entspannt angehen lassen. Keine große Weltreise, sondern Radfahren – und den Jakobsweg weiterwandern. Mit seiner Frau ist er schon in den vergangenen drei Jahren in Etappen von München ins französische Le Puy gewandert – und will dann jetzt im Ruhestand die 2500 Kilometer vollmachen, statt täglich ins Museum zu pilgern.

Sein Tipp für einen Besuch in der Flugwerft Schleißheim:

Die Flugwerft ist eingebettet in eine Museumslandschaft. Besuchen Sie auch die Schlösser und den Hofgarten in unmittelbarer Nähe zur Flugwerft und machen Sie einen Tagesausflug - nicht nur für Luftfahrtbegeisterte. Und von München aus kann man die Flugwerft auch auf schönen Radwegen (ca 16 km) erreichen. (Zum Fahrrad-Routenplaner)

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Autor/in

Gerrit Faust

Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Nach seinem Journalistmus-Studium hat er bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet. Zuletzt war er Chef vom Dienst bei der Abendzeitung.

Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im neuen Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.

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