Giuseppe Tartini – der große Lehrmeister
„Hätte ich in meiner Jugend von Tartini, und du vom Porpora gelehrnet, wären wir beede andre Leüte word[en]“, so der aus Salzburg stammende Violinist Franz Pirker in einem Brief an seine Frau Marianne Pirker vom 13. Juni 1749. Das Paar befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer sehr prekären Lage: Franz saß mit hohen Schulden in London fest, während seine Frau, die Sängerin Marianne Pirker, als Mitglied der Operntruppe von Pietro Mingotti versuchte, Geld zu verdienen, und sich um eine Anstellung am Württembergischen Hof in Stuttgart bemühte. Pirkers explizite Referenz auf den Violinvirtuosen und Lehrer Tartini zeigt, wie zentral der musikalische Stallgeruch für die Karrieren von Violinisten bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts war. Bei Tartini gelernt zu haben, wäre wohl – wie Pirker es mit schmerzlichem Unterton anklingen lässt – auch für ihn ein ideales Karrieresprungbrett gewesen.
Kein Wunder also, dass es zahlreiche angehende Violinvirtuosen, aber auch Violinvirtuosinnen nach Padua zog, um bei dem großen Lehrmeister die hochentwickelte italienische Violintechnik, Bogenführung und auch Komposition zu studieren. Möglich war dies, weil Tartini um 1728 eine Violin- und Kompositionsschule in Padua gründete. Schon zu Lebzeiten Tartinis war sie als „Scuola delle nazioni“ (Schule der Nationen) bekannt und dieser Name war Programm: Bis dato können rund 120 Schüler:innen nachgewiesen werden, die in großen Teilen aus Italien, aber auch aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Spanien, Portugal und sogar aus dem heutigen Indonesien stammten.