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Das Buch Jikji (ausgesprochen: „Tschiktschi“) entstand 1377 in Korea und ist das älteste erhaltene Buch, das mit beweglichen Metalltypen gedruckt wurde und zwar lange bevor Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts in Mainz seine berühmten Bibeldrucke herstellte. Seit 2001 ist Jikji in die UNESCO-­Liste des zu bewahrenden Welterbes eingetragen, was die einzigartige historische Bedeutung des Buchs würdigt.

Eine Sonderschau zum Jikji

Das Early Printing Museum Cheongju (Korea) präsentiert im Klingspor Museum in Offenbach eine Sonderschau zum Jikji. Und auch das Deutsche Museum München ist in Kooperation mit den Museumskollegen und -kolleginnen aus Cheongju und Offenbach mit von der Partie: 

In einer Pop-up-Ausstellung vom 28. April bis 30. Juni 2024 zeigen wir mitten in der Dauerausstellung Bild Schrift Codes alles Wissenswerte rund um die neuesten Forschungsergebnisse und die Herstellung der Jikji-Faksimiles. 

Ein Meilenstein der Druckgeschichte

Das Jikji umfasst 39 Blatt und ist Teil einer zweibändigen Textausgabe: Der erste Band ist offenbar verschollen, denn im erhaltenen Buch Jikji ist vermerkt, dass es sich um Band zwei der Anthologie der Lehren großer Buddhistischer Zen Meister handelt („Baegun hwasang chorok buljo jikji simche yojeol“, allgemein bekannt als „Jikji“). Und, dass es 1377 während der Goryeo­-Dynastie geschaffen wurde, gedruckt von beweglichen Schriftzeichen aus Metall. Auch der Ort ist genannt: der Heungdeoksa Tempel in Cheongju (130 km von Seoul entfernt). Vermerkt sind außerdem die Namen Seokchan und Daljam, Schüler des Baegun, und die Herausgeber des Buchs; schließlich der Name Myodeok, hinter dem sich eine buddhistische Nonne verbirgt. Sie war die Stifterin des Buchs und ermöglichte seine Finanzierung.

Das einzige erhaltene Expemplar ist in Paris

Nur ein einziges Exemplar des Jikji ist erhalten. Mit 24,6 × 17 cm (Höhe x Breite) ist es nicht besonders groß. Es befindet sich heute in der Abteilung für Orientalische Manuskripte der Bibliothèque nationale de France in Paris. Es gehörte zu jener Sammlung alter koreanischer Bücher, die der stellvertretende französische Botschafter Victor Collin de Plancy (1853–1924) in Korea erworben und nach Paris gebracht hatte. Zeitweise im Besitz des Antiquars Henri Vever (1854–1942), entsprachen dessen Erben seinem Wunsch und übergaben Jikji 1952 der Pariser Nationalbibliothek. Erst 1972 wurde jedoch die außergewöhnliche drucktechnische Bedeutung des Buchs von der koreanischen Historikerin und Bibliothekarin Dr. Park Byeongseon (1927–2011) entdeckt.

In der Folge entwickelte sich Jikji nicht nur zu einem Fixpunkt im kulturhistorischen Bewusstseins Koreas, sondern auch zum Politikum. Bestrebungen, das Buch aus Frankreich nach Korea zurückzuführen, hatten keinen Erfolg. Doch durch Vereinbarungen zwischen dem Cheongju Early Printing Museum und der Bibliothèque nationale in Paris, intensivierte sich die Forschung zum längst nicht gelösten Rätsel Jikji. Neueste Erkenntnisse in Sachen Druckverfahren, Drucktinte, Materialität führten zu der Herstellung zweier Faksimiles, die jeweils einen unterschiedlichen historischen Stand des Buches illustrieren.

Die Idee, einerseits den heutigen, andererseits den ursprünglichen Zustand durch je einen Band abzubilden, entspringt nicht nur dem Interesse am wissenschaftlichen Befund, sondern signalisiert das Selbstverständnis der koreanischen Verantwortlichen, die Geschichte und Bedeutung Jikjis weltweit publik zu machen.

Die Besonderheiten der koreanischen Buchkultur: Sprache und Schrift

Jikji ist ein koreanisches Buch, in koreanischer Sprache – und doch in chinesischer Schrift abgefasst. Denn die heute in Korea gebräuchliche Hangul­-Schrift (auch „Hangeul“) löste das Chinesische erst seit ihrer Entstehung im 15. Jahrhundert ab. König Sejong, der vierte König der Joseon­-Dynastie, gab seinerzeit den Anstoß zur Entwicklung der neuen Schrift. Das moderne koreanische Alphabet basiert auf 14 Zeichen für Konsonanten und 10 Zeichen für Vokale. Die koreanische Schrift ist also wie die deutsche eine Buchstabenschrift. Die einzelnen koreanischen Buchstaben werden jeweils silbenweise zusammengefasst, so dass jede Silbe in ein imaginäres Quadrat passt. So unterscheidet sich Hangul vollkommen von den Zeichen und der Struktur der chinesischen Han­-Schrift. Bei ihr steht jedes einzelne Zeichen für je einen Begriff. Mehrere zehntausend Zeichen sind bei der Han-Schrift notwendig, um die Vielfalt der Worte und Wortbedeutungen abbilden zu können. Bis in die jüngste Vergangenheit galt Chinesisch in Korea als Ausweis eines hohen Bildungsgrads.

Hanji, das Papier, auf dem Jikji gedruckt ist

Auch das Papier Hanji („Hanschi“), auf dem Jikji gedruckt wurde, ist eine koreanische Besonderheit und stellt durch seine spezifischen Eigenheiten die Voraussetzung für den erstaunlich guten Erhaltungszustands des Buchs bei.

Hanji wird aus dem Inneren der Maulbeerbaumrinde gewonnen. Verschiedene Maulbeerbaumsorten sind in Korea seit jeher heimisch. Die Fasern der Rinde werden gekocht. Mit Hilfe von Bambusstäben werden die Fasern so lange geschlagen, bis das Wasser ausgeschieden ist. Dabei bleiben die Fasern unbeschädigt und geben so dem Papier seine Haltbarkeit. Das Papier atmet und neutralisiert Luftfeuchtigkeit. Hanji erfreut sich dank seiner weißen Farbe und seiner ebenen Struktur auch heute großer Beliebtheit bei der Fertigung von künstlerischer Grafik. Hanji ist Bestandteil des koreanischen Kulturerbes und kommt auch für verschiedene Bereiche der angewandten Kunst, für Behältnisse aller Art, selbst für Kleidung und auch bei Mobiliar zum Einsatz.

Schriftgießen in Korea

Eine Erfindung aus der Zeit des Goryeo-­Reichs ist die eigentümliche Technik des Gießens von Schriftzeichen in Metall. Dazu kamen drei Verfahren zum Einsatz: das Bienenwachsguss-­, das Sandguss-­ und das Tonguss­-Verfahren. So wurden nicht nur Drucktypen, sondern häufig auch metallene Alltagsgegenstände hergestellt. Das Buch Jikji beruht auf dem Bienenwachsverfahren, welches die technisch besten Drucktypen ergibt und eine hohe handwerkliche Kunst erfordert. Die Jikji-Drucktypen werden aus Wachs vorgebildet, an einem baumähnlichen Konstrukt in eine Gießform eingestellt, welche mit Ton aufgefüllt wird. Nach dem Trocknen des Tons wird das Wachs geschmolzen und heißes Metall in die Form gegossen. So werden die einzelnen Schriftzeichen mit Metall ausgeformt.

Das Cheongju Early Printing Museum in Korea

Das Cheongju Early Printing Museum (Cheongju Goins­wae Bangmulgwan) ist ein Museum in der Stadt Cheongju in der Republik Korea (Südkorea), in unmittelbarer Nähe zum Heungdeoksa Tempel, wo das Buch Jikji 1377 gedruckt wurde. Das Museum wurde zwischen 1986 und 1992 gebaut, 2012 erweitert um das Forschungszentrum für die Überlieferung des Druckens von beweglichen Metall­typen. 2014 wurde die „Ausstellungshalle für modernen und zeitgenössischen Druck“ mit Schwerpunkt auf dem modernen Bleisatzdruck eröffnet. Das Museum spezialisiert sich immer mehr auf den Buchdruck der Anfangszeit, wobei es die Druckkultur von der Vergangenheit bis zur Gegenwart und Zukunft einschließt. Das Gelände rund um das Museum wurde erstmalig 2003 als Terrain zur Austragung des Jikji-­Festivals (alle zwei Jahre) eingerichtet. Es hält die Bevölkerung von Cheongju mit ihrem Erbe in Kontakt, wird aber auch von zahlreichen internationalen Gästen besucht. In diesem Zusammenhang wurde auch der Austausch mit internationalen Druckmuseen intensiviert, in Deutschland vor allem mit dem Gutenberg Museum in Mainz. Aber auch das Klingspor Museum ist zu nennen, das zu den Gründungsmitgliedern des Weltverbands der Druckmuseen (IAPM) gehört, den das Cheongju Early Printing Museum 2017 ins Leben rief.

https://www.globaljikji.org

Das Klingspor Museum in Offenbach

Das Klingspor Museum in Offenbach am Main ist ein Sammlungs- und Ausstellungsort der internationalen Buch- und Schriftkunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Museum hat seinen Ursprung in der privaten Sammlung des Schriftgießereibetreibers Karl Klingspor (1868–1950). Klingspor war der erste Inhaber einer Schriftgießerei, der besonders Künstler zum Entwerfen von Druckschriften heranzog. Die systematisch aufgebaute Sammlung, die bei seinem Tode 1950 über 3000 Druckwerke umfasste, wurde von den Erben Karl Klingspors der Stadt Offenbach geschenkt und bildet den Grundstock des Museums, welches 1953 gegründet wurde. Aufbauend auf dieser Sammlung, sammelt das Klingspor Museum Kalligrafie, Schriftproben, Illustrationen, Bilderbücher, Bucheinbände, Künstlerbücher, Grafikdesign und Plakate von 1900 bis zur Gegenwart. In wechselnden Ausstellungen wird die Lebendigkeit des Schriftlichen und Schrift-Bildlichen sichtbar gemacht. Die öffentlich zugängliche Bibliothek des Hauses dient als Lese- und Studienort.

Pop up Ausstellung zum Jikji im Deutschen Museum:

Bild Schrift Codes

Autor/in

Stefan Soltek

Der promovierte Kunsthistoriker ist leidenschaftlicher Museumsmensch und war bis zu seinem „Ruhestand“ langjähriger Direktor des Klingspor Museums. Zahlreiche einzigartige Ausstellungen – angesiedelt zwischen Kunst und (Buch-)Druck – hat er bislang kuratiert und ist als Vorsitzender der AEPM (Association of European Printing Museums) am internationalen Puls der Druckkunst.

Sonja Neumann

Die Kuratorin für Druck-, Papier- und Fototechnik liebt besonders die kulturwissenschaftlichen Themen, die in den Sammlungen und Ausstellungen des Deutschen Museums stecken. Vor allem die Ausstellung Bild Schrift Codes bietet eine Fülle unterschiedlicher Perspektiven.

Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Versäumen Sie nicht die Vorführung der schönen Planeta-Druckmaschine in der Ausstellung Bild Schrift Codes! Die Schnellpresse ist zwar schon über 100 Jahre alt, läuft aber immer noch geschmeidig und rund…

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