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Nostalgische Momente beim Auspacken. Wie ein portabler Heimcomputer Kindheitserinnerungen wachruft.

Vermutlich das Beste an den Weihnachtsfesten meiner frühen Kindheit waren die Pakete meiner allerliebsten Oma (1910-2008). Sie war 1945 kriegsbedingt aus der Ostzone nach Bayreuth geflohen. Von dort betreute sie über Jahrzehnte ihre Eltern und schickte regelmäßig Pakete aus dem Westen in die alte Heimat Senftenberg. Damit die guten Sachen halbwegs sicher über die Grenze kamen, hatte sie in der Nachkriegszeit eine ausgefuchste Methode entwickelt, um Pakete zu verpacken. Diese Methode behielt sie ihr Leben lang bei.

Jahrzehnte später sendete sie Weihnachtspakete aus Bayreuth zu uns Enkeln nach München und diese Pakete sahen so aus:
Zunächst wurde jedes Geschenk in Seidenpapier gewickelt. Diese kamen in einen großen Karton. Der Karton wurde mit Klebeband quasi luftdicht verschlossen. Darum herum wurde mit Paketschnur eine Art Brüsseler Spitze geknüpft, durch die selbst der gewiefteste oder neugierigste Grenzbeamte absolut abgeschreckt werden sollte, falls er die äußeren Schichten entfernen würde. Sodann kam das ganze Konstrukt in einen zweiten Karton, der ebenfalls mindestens mit 2 Rollen Klebeband fest umschlossen wurde, selbstverständlich ebenfalls mit Paketschnur umwickelt. Dann kam das Packpapier außenherum mit weiteren, gut verknoteten Metern Paketschnur. Uns Kindern war damals nicht bewusst, wieso die Pakete so aufwändig und umständlich verpackt waren, aber können Sie sich unsere Freude und den Spaß unter dem Weihnachtsbaum vorstellen, als wir mit Scheren bewaffnet versuchten, an Omas Geschenke heranzukommen?

Vor zwei Wochen kam ein vielversprechendes Paket bei uns auf dem Kuratorengang für die Abteilung Informatik an. Ein Stifter hatte zuvor per E-Mail einen frühen portablen Heimcomputer der 1980er Jahre angeboten und da es ihm nicht möglich war, persönlich zu uns ins Deutsche Museum zu kommen, hatten wir vereinbart, dass er das Objekt per Post sendet. Zwar fehlte die Paketschnur, aber sonst war alles wie früher: Als geübter Paketeöffner dauerte es höchstens 15 Minuten, bis ich das Packpapier, die doppelte Kartonsicherung und die Klebebänder durchsäbelt hatte. Die Sammlung Informatik ist nun um ein Modell 100 der TRS 80-Serie von Radio Shack reicher, und ich hatte wunderbare nostalgische Minuten in Erinnerung an meine Oma passend zum anstehenden Weihnachtsfest.

Fröhliche Feiertage und einen Guten Rutsch wünscht Ihnen und Euch
Carola Dahlke

Mehr Unboxing – Momente aus dem Deutschen Museum

Wenn Sie so viel Spaß haben wie wir beim Auspacken und Entdecken, dann freuen Sie sich mit uns auf unsere neue Podcast-Serie. Ab Mai 2024 laden wir Sie ein, unserer Host Lisa-Sophie Scheurell und Gästen dabei zuzuhören, wie ausgewählte Exponate „ausgepackt“ und dabei ihre spannende Geschichte erzählt werden.

Autor/in

Carola Dahlke.

Carola Dahlke

Carola Dahlke ist Kuratorin für Informatik und betreut die große Chiffriermaschinen-Sammlung des Deutschen Museums. Sie hat die Ausstellung zur Kryptologie kuratiert, die als Teil von "Bild Schrift Codes" auf der Museumsinsel gezeigt wird. Zuvor war die promovierte Geowissenschaftlerin viele Jahre in der Umwelt- und Klimaforschung tätig. 


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