Direkt zum Seiteninhalt springen

von

2. Teil des Blogbeitrags über das Online-Seminar „Kann Wissenschaft witzig? Komik und Kabarett in der Wissenschaftskommunikation“ des Lehrstuhls für Wissenschaftskommunikation der TU München.

Von PD Dr. Marc-Denis Weitze

Der 2. Teil des online-Seminars „Komik und Kabarett in der Wissenschaftskommunikation“ (vgl. Blogbeitrag "Wissenschaft kann witzig!") von Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl und PD Dr. Marc-Denis Weitze vertiefte folgende Fragen:

  • Lässt sich das Kabarett, wie wir es aus der Politik kennen, überhaupt auf Forschung und Technologie anwenden?
  • Was nützen Hofnarren der Wissenschaft?
  • Welches sind die Ziele solcher Ansätze?
  • Wie sieht Best Practice dazu aus?
  • Wohin geht die Entwicklung – ließe sich mit Humor eine neue Bühne der Wissenschaftskommunikation bespielen und sie in die Gesellschaft tragen?

Einige der Beitragsautoren des Bandes „Kann Wissenschaft witzig?“ traten online auf und brachten die Studierenden mit Übungen der sensiblen Thematik näher. Prof. Dr. Michael Suda (TUM-Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik) erläuterte die Bedeutung von Humor in der Hochschullehre – und forderte die Teilnehmenden zum Aufwärmen auf, ihre online-Nachbarn zu portraitieren und sich anschließend ein Wort-Duell zu liefern: Einer beginnt mit einem Wort, dann das nächste Wort von der Nachbar:in usw. Idee für die nächste Vorstellungsrunde?

Dr. Jaromir Konecny, Naturwissenschaftler, Slammer und Autor, brachte mit „Google goes Goethe“ ein eigenes Beispiel von Wissenschaftskabarett, mittlerweile ein Klassiker des Genres. Er zeigte zudem anhand Stefan Merkles „Untergang der Titanic“, dass auch Geisteswissenschaftler Kabarett können. Einen Dialog mit dem Publikum führen, dieses mitdenken lassen, dann die Erwartungen des Publikums mit einer Satzwende brechen – das sind einige der Erfolgsrezepte ...

Wenn der US-amerikanische Physiker John Archibald Wheeler sein Fach als „Magic without Magic“ beschrieb, so täuscht Thomas Fraps – von Haus aus Physiker, nun professioneller Zauberer – sein Publikum mit Ansage. Auch bei den Studierenden im Seminar erregte er Riesenstaunen, brachte Ratio und Emotion zusammen, als er scheinbar durch spukhafte Fernwirkungen von München aus Buchseiten in die Hände einer Teilnehmerin in Nürnberg zauberte. „Wie funktioniert das?“, fragen sich seine Zuschauer nicht nur hier, werden damit hineingezogen, mit Aha-Effekten, in seine Illusionsshow. Wenn das nicht „komisch“ ist!

Prof. Dr. Jürgen Teichmann, seit den 1970er Jahren am Deutschen Museums als Leiter der Bildungsabteilung, Ausstellungsmacher, permanenter Ideengeber und Buchautor, schaute ab und zu im Zoom-Raum vorbei, gab Bonmots von Georg Christoph Lichtenberg zum Besten – 200 Jahre alt, aber immer noch so frisch, witzig, voller Esprit, wie seither von wenigen, vielleicht nur Einstein überboten.

Die Studierenden selbst suchten sich für die Sitzungen jeweils ein Kapitel aus, stellten es der Runde vor, gaben ihre Einschätzungen dazu – und befragten Herausgeber und Autoren zu weiteren Hintergründen. Sie präsentierten auch Anregungen für eine mögliche 2. Auflage des Werkes: u.a. eine stärkere Berücksichtigung aktueller Formen heiterer Wissenschaftskommunikation, die junge Menschen erreichen, beispielsweise Kurzvideos auf TikTok und die Witzmethodik dahinter.

Das Thema des Seminars im kommenden Wintersemester steht bereits fest: Wie lässt sich KI, also Künstliche Intelligenz, kommunizieren? Sicherlich auch nicht ganz ohne Humor (Roboterhumor?!) – und hoffentlich findet das Seminar dann zumindest teilweise in Präsenz statt, um im Deutschen Museum wieder auf Spurensuche zu gehen... eine Spurensuche, die schon dem Projekt  „Kann Wissenschaft witzig?“ wichtige Impulse geben konnte.

Kann Wissenschaft witzig? Wissenschaftskommunikation zwischen Kritik und Kabarett.
Weitze, Marc-Denis, Goede, Wolfgang Chr., Heckl, Wolfgang M. (Hg.):
Berlin, Heidelberg: Springer 2021
https://www.springer.com/de/book/9783662615812

Autor/in

Gastblogger

Immer wieder schreiben Gäste im Blog - Informationen zu diesen Autorinnen und Autoren finden sich im jeweiligen Beitrag. Als Gastblogger schrieben in letzter Zeit: <link 12873 - internal-link-new-window "Opens internal link in new window">Jutta Schlögl</link> war als Physik-Ingenieurin im Bereich Technische Entwicklung tätig und ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Museums. Sie leitet das Projekt Experimentier-Werkstatt.Dorothea Föcking ist Hamburger Abiturientin und macht ein zweimonatiges Praktikum im Vorbereitungsteam der Sonderausstellung "Anthropozän". Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Bei einem Museumsbesuch sollte man unbedingt Halt in der <link 81 - more>Pharmazie-Ausstellung</link> machen, um in das Innere der riesigen, gemütlichen Zellnachbildung zu schauen.