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Von Kristina Hoheneder

Das Mars-Diorama ist das erste Diorama aus den Werkstätten des Deutschen Museums, das nicht für die Münchner Museumsinsel bestimmt ist – sondern für das Zukunftsmuseum.

Das Deutsche Museum ist für seine Dioramen berühmt. Eigens für das Zweigmuseum in Nürnberg entsteht derzeit in den Werkstätten des Münchner Haupthauses ein Diorama, das gleich in mehrerlei Hinsicht einzigartig ist. Von den 80 Dioramen in der Sammlung des Deutschen Museums ist das Mars-Diorama nicht nur das jüngste Meisterwerk, sondern auch das erste, das bald in einem Zweigmuseum außerhalb der Münchner Museumsinsel zu sehen ist. Etwas ganz Besonderes ist das Diorama in Nürnberg auch deshalb, weil es einen Blick in die mögliche Zukunft gewährt – so wie es der Name „Zukunftsmuseum“ verspricht. Anders als die bisherigen Dioramen, die meist historische Szenen zeigen, vermittelt es den Betrachtern eine Vision von der künftigen Besiedelung des Mars durch den Menschen.

„Natürlich hatten wir beim Entwerfen dieses Dioramas ein wenig mehr Gestaltungsspielraum als sonst, weil es ausmalt, was irgendwann einmal sein könnte. Die dargestellte Szenerie ist aber keinesfalls reine Science-Fiction“, sagt Werkstattleiter und Modellbauer Franz Huber, der seit 40 Jahren im Deutschen Museum arbeitet und an vielen Dioramen mitgewirkt hat. Für eine möglichst detailgetreue Fertigung des Dioramas sorgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Fachwerkstätten auf der Museumsinsel. Huber betont dabei einen großen Vorteil: „Wir haben das große Glück, dass hier verschiedene Fachbereiche im wahrsten Sinne des Wortes unter einem Dach zusammenarbeiten. Die kurzen Wege erleichtern den Entstehungsprozess enorm, der direkte Austausch bringt immer wieder kreative Lösungen hervor.“ Und genau diese braucht es beim Bau eines Dioramas jedes Mal aufs Neue.

Zunächst werden Ideen skizziert, dann kommt die eigentliche Herausforderung: Alles soll so realistisch wie möglich wirken. Eine entscheidende Rolle spielt dabei ein gelungener Übergang zwischen der dreidimensionalen Darstellung im Vordergrund und dem zweidimensionalen, gemalten Hintergrund: „Wir müssen hier etwas tricksen, um beim Betrachter die perfekte Illusion einer eigenen kleinen Welt zu erzeugen“, sagt Bildhauerin Elisabeth Straßer, während sie mit einem Spatel das Marsgebirge aus Draht und Gips bearbeitet, das zusammen mit der gemalten Schlucht auf der kuppelförmigen Rückwand den Eindruck von räumlicher Tiefe schafft. „Weil wir uns natürlich in erster Linie an Fakten orientieren, haben wir viel Fachliteratur gelesen und uns Rat bei einem Planetengeologen geholt. Obwohl der Mars ‚roter Planet‘ genannt wird, bewegen sich seine Farben auf der Oberfläche im gelben bis bräunlichen Bereich – rot ist er nur von weitem betrachtet. Das haben wir bei der Farbgestaltung der Landschaft und Lichtatmosphäre berücksichtigt.“

Anders als bei der Gestaltung der Landschaft kommt bei den Fahrzeugen, die auf der Marsoberfläche herumfahren, modernste Technik zum Einsatz: Die „Mars-Rover“ stammen aus dem 3D-Drucker. „Diese Technik ist zweifellos faszinierend. Die Mars-Rover sind allerdings nicht am Stück im 3D-Drucker gefertigt worden. Sie würden sonst nicht realistisch genug wirken“, erklärt Franz Huber. Stattdessen wurden die Teile der Rover einzeln gedruckt und dann per Hand zusammengesetzt. Zudem sind die Rover im Vordergrund des Dioramas deutlich größer als diejenigen, die in der Hintergrundlandschaft platziert werden – ein Diorama ist immer ein geschicktes Spiel mit der Perspektive. Besonders deutlich wird das bei der Kuppel für die Pflanzen: Nur, wenn man sie aus dem Diorama herausnimmt, sieht man, dass sie in Wirklichkeit keineswegs rund ist – sondern perspektivisch verzerrt.

Derzeit bekommt das Mars-Diorama noch den letzten Schliff – doch bald wird es aus den Werkstätten der Museumsinsel an seinen neuen Standort im Deutschen Museum Nürnberg umziehen. Wer sich auf eine Reise in künftige Welten mitnehmen lassen möchte, muss sich also nicht mehr lange gedulden. Als Teil der Ausstellung zum Thema „Raum & Zeit“ wird das Mars-Diorama neben einer Raumkapsel zu sehen sein, die bereits im Weltall war. Und wer weiß: Vielleicht holt ja die Zukunft irgendwann dieses Diorama ein – und man kann dann die heutige Vision der Marsbesiedlung an der künftigen Realität messen.

Autor/in

Gastblogger