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Von Sophie Wolf und Monika Florczyk
Die Ausstellung "Geschwärzt – Verboten – Verbrannt. Fälle aus 200 Jahren Zensur" erzählt anhand von zensierten Büchern Geschichten von Unterdrückung und Rebellion, von Verboten und kreativen Wegen, diese zu umgehen. Außerdem zeigen die Exponate, wie Menschen Kunst- und Meinungsfreiheit, Moral, Persönlichkeitsrechte und Jugendschutz bis heute unterschiedlich bewerten.  So entsteht ein Eindruck, welche Bedeutung und Auswirkungen Zensur in verschiedenen Zeiten, Kulturen und Regionen hat und wie sie schriftstellerische Entwicklungen beeinflussen kann. Die Zensurgeschichten bieten auch eine Preview auf ein wichtiges Thema in der neu konzipierten Dauerausstellung Bild – Schrift – Codes des Deutschen Museums, die 2020 eröffnen wird.

Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Deutschen Museum und dem Zentrum für Buchwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität haben wir Masterstudierende spannende Bücher aus der Zensurgeschichte der vergangenen 200 Jahre ausgewählt. Während des Sommersemesters bot sich uns im Rahmen eines Blockseminars (Dozentin: Laura Mokrohs) die Möglichkeit, Einblick in die Konzeption und Realisation einer Ausstellung zu bekommen.  Beraten wurden wir dabei auch von Dr. Sonja Neumann und Franca Langenwalder, Kuratorinnen von  „Bild – Schrift – Codes“ - ab 2020 wird Zensur und ihre Geschichte(n) auch in der neuen Dauerausstellung präsentiert. Eine Entdeckungsreise durch die Bibliothek des Deutschen Museums führte uns die reichhaltigen Bestände der auf Technik und Technikgeschichte spezialisierten Bibliothek vor Augen. Die stellvertretende Direktorin, Frau Eva Bunge, präsentierte uns dabei etliche historische Bücher, die seinerzeit scharfe Kontroversen ausgelöst hatten und teilweise auch der Zensur zum Opfer fielen. Davon betroffen war u.a. auch Galileo Galilei: Sein berühmter „Dialogo“ (1632) hätte den Autor beinahe auf Betreiben der Inquisition auf den Scheiterhaufen gebracht. Dr. Stephanie Jacobs (Direktorin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums Leipzig) führte uns anhand der von ihr konzipierten Dauerausstellung „Schriften – Bücher – Netze: Medien prägen Kultur“ an das Thema „Ausstellbarkeit von Zensur“ heran. Die Ausstellung kann in Leipzig besucht, aber auch im Internet besichtigt werden. Frau Dr. Jacobs ermutigte uns zu einem offenen Zugang zum Thema: Verschiedene Arten der Zensur, wie beispielsweise die Selbstzensur oder Vorzensur, sind ebenso vertreten wie die unterschiedlichsten Genre. 

Im Folgenden seien vier Zensurgeschichten aus verschiedenen Jahrhunderten genannt: 

Der Priester John Augustine Zahm verfasste 1896 das Werk „Evolution und Dogma“. Darin verband er den katholischen Glauben mit Darwins Evolutionstheorie. Der Vatikan missbilligte allerdings seine Ansichten, was dazu führte, dass Zahm es fortan unterließ, weiter über das Thema zu schreiben. Somit stellt dieses Beispiel eine Form der Selbstzensur dar. 

Ebenfalls ein Beispiel für Selbstzensur ist der Roman „Native Son“ des afroamerikanischen Autors Richard Wright. Dieser zensierte sein eigenes Werk, um es für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Trotz allem wurde er aufgrund seiner Abstammung vom amerikanischen FBI überwacht und sein Buch aufgrund der enthaltenen Gewalt, Erotik sowie der „vulgären Sprache“, aber auch, weil es eine Beziehung zwischen einer weißen Frau und einem schwarzen Mann darstellt, in mehreren amerikanischen Bibliotheken verboten.

Die politischen Überzeugungen des chilenischen Dichters und Schriftsteller Pablo Neruda führten in den 1970er Jahren zum Verbot seines Werkes „20 Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung“ durch die Militärdiktaturen Chiles und Argentiniens. 

Und schließlich wurde sogar eine der meistverkauften Buchreihen überhaupt, J.K. Rowlings „Harry Potter“, an vielen US-amerikanischen Schulen und in Bibliotheken verboten. Blasphemie, schwarze Magie, Okkultismus, Gewalt, Tod, Rassismus und „Anti-Familiarität“ waren nur einige der zahlreichen Gründe hierfür.

Viele der zensierten Klassiker werden den BesucherInnen bekannt vorkommen, wie zum Beispiel „Die Weber“ von Gerhart Hauptmann, Heines „Wintermärchen“ oder „Mephisto“ von Klaus Mann. Zudem werden auch aktuelle skandalträchtige Beispiele unter die Lupe genommen, beispielsweise „Esra“ von Maxim Biller oder der Böhmermann-Skandal. 

Die kleine Sonderausstellung "Geschwärzt – Verboten – Verbrannt. Fälle aus 200 Jahren Zensur" ist noch bis 15. März 2019 im Foyer der Bibliothek zu sehen. Der Eintritt ist frei. In der Ausstellung steht ein Reader mit den Zensurgeschichten der ausgestellten Werke zur Verfügung.

Sophie Wolf und Monika Florczyk studieren Buchwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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Internetredaktion