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Ein Meisterwerk im Deutschen Museum sind die Arbeitsgeräte, die bei der ersten vom Menschen durchgeführten Kernspaltung benutzt wurden. Der Tisch, auf dem diese Geräte im Museum präsentiert werden, ist seit den 1950er Jahren ausgestellt und musste gestern umgezogen werden. Museumsexperten von der Restauratorin über das Sammlungsmanagement bis zum Strahlenschutzbeauftragten waren im Einsatz. 5 Fragen an Dr. Susanne Rehn, die verantwortliche Kuratorin. Was ist der „Otto-Hahn-Tisch“?
Auf dem Otto-Hahn-Tisch sind die originalen Geräte ausgestellt, die Otto Hahn und Kollegen 1938 bei ihren Versuchen mit Atomkernen benutzten. Dabei sollten durch Beschuss von Urankernen mit Neutronen eigentlich Atomkerne entstehen, die schwerer sind als Uran. Nach dem Versuch konnte Hahn die Ergebnisse zunächst nicht deuten. Erst eine Weile später und durch Zusammenarbeit mit Lise Meitner und Otto Frisch erkannte man, was eigentlich passiert war: die Atomkerne waren zerplatzt, sie waren vom Menschen gespalten worden. Dabei wird Energie frei, was wir heute als Atomkraft bezeichnen. Was passiert bei dem Umzug mit dem Exponat und warum? Das Exponat, das thematisch in viele Ausstellungen passt, muss aus der Atom-, Kern- und Teilchenphysik ausziehen, da dieser Bereich geschlossen wird. Dabei nehmen wir die Gelegenheit wahr, die Objekte zu reinigen. In Zukunft wird der Tisch in der  Museumsgeschichte zu sehen sein, bis er dann in die neue Dauerausstellung Chemie umzieht. Übrigens haben wir bei der Gelegenheit wieder einmal überprüfen können, dass der Tisch und die Geräte heute nicht mehr radioaktiv strahlen.
Was bedeutet das Exponat für das Museum? Was das Objekt so interessant macht, ist die Form, in der es uns heute begegnet. Die Geräte waren, als sie noch benutzt wurden, in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Sie illustrieren einzelne Arbeitsschritte der komplizierten Versuche. Bei dem Arrangement auf dem Tisch handelt es sich um eine museale Anordnung für das Deutsche Museum, die geradezu die Anmutung einer Kunstinstallation hat. Otto Hahn hat diesen Aufbau persönlich für das Deutsche Museum kommentiert:
Übrigens gibt es noch einen Doppelgänger, einen Nachbau des Tisches, der im Forschungszentrum Karlsruhe ausgestellt ist und oftmals für große Ausstellungen ausgeliehen wird. Das Original werden wir nicht mehr verleihen.
Was ist ein „Meisterwerk“?
Die Reihe „Meisterwerke“ würdigt Objekte, die für die Technikgeschichte herausragende Bedeutung haben. Dies ist bei der Entdeckung der Kernspaltung sicherlich der Fall. Unmittelbar nach Veröffentlichung der Ergebnisse begannen überall auf der Welt Arbeitsgruppen die Versuche nachzuvollziehen. Dabei taten sich sehr schnell die Nutzungsmöglichkeiten der Atomkraft auf, sowohl die zivilen als auch die militärischen. Otto Hahn übrigens stand der militärischen Nutzung der Atomkraft zeitlebens sehr kritisch gegenüber.
Welche persönlichen Schicksale sind denn mit dem Exponat verknüpft?
Lise Meitner, die in den 1930er Jahren sehr erfolgreich mit Otto Hahn zusammen gearbeitet und dabei auch den Grundstein für die entscheidenden Versuche mit gelegt hatte, musste vor der Durchführung des Experimentes vor den Nationalsozialisten nach Schweden fliehen. Die beiden blieben zeit ihres Lebens in regem wissenschaftlichen und sehr freundschaftlichem Kontakt. Dass Otto Hahn als einziger den Nobelpreis bekommen hat, wurde ihm von späteren Biographen so ausgelegt, dass er quasi den ganzen Ruhm allein an sich gerissen hat. Dies ist sicherlich nicht korrekt.
Dann ist natürlich immer die Frage, welche beteiligten Personen im Museum wie erwähnt werden. Fritz Straßmann, der an den Versuchen beteiligt war, soll natürlich nicht unerwähnt bleiben. Auf der anderen Seite wird Otto Frisch, der Neffe von Lise Meitner, gar nicht gewürdigt. Frisch war Physiker und leistete einen entscheidenden Beitrag zu korrekten Interpretation der Spaltversuche.
So lässt sich das Meisterwerk Otto-Hahn-Tisch immer wieder aus neuen Perspektiven betrachten. Vielen Dank, Frau Rehn! Die Fragen stellte Annette Lein von der Internetredaktion.
Mehr zum Arbeitstisch:
  • Sammlungen: Meisterwerke
weiterführende Literatur:
  • Lise Meitner: Erinnerungen an Otto Hahn. Stuttgart 2005 (in der Bibliothek des Deutschen Museum zu finden. Link zum Opac)

Autor/in

Gastblogger

Immer wieder schreiben Gäste im Blog - Informationen zu diesen Autorinnen und Autoren finden sich im jeweiligen Beitrag. Als Gastblogger schrieben in letzter Zeit: <link 12873 - internal-link-new-window "Opens internal link in new window">Jutta Schlögl</link> war als Physik-Ingenieurin im Bereich Technische Entwicklung tätig und ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Museums. Sie leitet das Projekt Experimentier-Werkstatt.Dorothea Föcking ist Hamburger Abiturientin und macht ein zweimonatiges Praktikum im Vorbereitungsteam der Sonderausstellung "Anthropozän". Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Bei einem Museumsbesuch sollte man unbedingt Halt in der <link 81 - more>Pharmazie-Ausstellung</link> machen, um in das Innere der riesigen, gemütlichen Zellnachbildung zu schauen.