Direkt zum Seiteninhalt springen

von

Von Johannes-Geert Hagmann undSusanne Rehn Am 10. Dezember 1911 wurde Physikerin und Chemikerin Marie Skłodowska-Curie in Stockholm mit dem Nobelpreis für Chemie „in Anerkennung Ihrer Leistungen zum Fortschritt in der Chemie mit der Entdeckung der Elemente Radium und Polonium, mit der Isolierung von Radium und das Studium der Eigenschaften und der Verbindungen dieses außergewöhnlichen Elements“ ausgezeichnet. Es war für Marie Curie, nach dem 1903 zusammen mit Ihrem Mann Pierre Curie und Henri Becquerel erhaltenen Nobelpreis in Physik, bereits die zweite Auszeichnung ihrer Arbeit durch die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften. Marie Curie entwickelte, nachdem 1896 Antoine Henri Becquerel eine neue Form von Strahlung entdeckt hatte, gemeinsam mit ihrem Mann Pierre eine Methode, um diese neuartige Strahlung zu messen. Die im Deutschen Museum ausgestellte Apparatur zur Messung der Radioaktivität nach Curie kam bereits im Januar 1907 in das wenige Jahre zuvor gegründete Museum. Der Museumsgründer, Oskar von Miller, hatte sich im Jahr 1906 vergeblich darum bemüht, die Originalapparatur zu erhalten. Auf seine höfliche Anfrage antwortete Marie Curie in einem Brief an von Miller: „Ich bedaure es sehr, Ihnen für Ihre Ausstellung die für unsere Arbeit verwandten Instrumente oder Proben der erhaltenen Präparate nicht senden zu können. […] Eine ähnliche Anfrage erhielten Herr Curie und ich bereits vor einiger Zeit von einem amerikanischen Museum, und wir konnten dem Gesuch nicht entsprechen.“
Stattdessen konnte das Museum einen exakten Nachbau der Apparatur durch die „Société Centrale des Produits Chimiques“ in Paris nach Unterlagen Marie Curies veranlassen und diesen für die Ausstellung zum damaligen Preis von etwa 600 Francs erwerben. Die Apparatur ist heute in der Ausstellung Atomphysik des Deutschen Museums zu sehen. Mit den in ihrem Labor neu entwickelten Verfahren konnte Curie feststellen, dass die natürliche Strahlung des Minerals Pechblende weitaus höher war, als sein Urananteil vermuten ließ. Pechblende besteht – nach damaligem Kenntnisstand - aus Uran und Sauerstoff und ist eine natürliche Quelle für Radioaktivität. Marie Curie untersuchte und zerlegte die Pechblende chemisch und konnte auf diese Weise zeigen, dass sie zwei weitere, bis dahin unbekannte chemische Elemente enthielt. Diese Elemente zeigten deutlich höhere Strahlung als Uran. Das erste taufte sie nach ihrer Heimat Polen Polonium, das zweite Radium. In einer Publikation über diese Entdeckungen benutzte Marie Curie erstmals den Begriff „radioaktiv“, um die neue Strahlung zu beschreiben. Zur Anreicherung des neuen Elements Radium zerlegte Marie Curie eine Tonne Pechblende-Abfälle aus Jáchymov (früher Joachimsthal) im heutigen Tschechien. Diese jahrelange, äußerst mühevolle Arbeit, mit der Marie Curie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzte, wurde im Dezember 1911 mit der Verleihung des Nobelpreises für Chemie belohnt. Marie Curie war damit die erste Person – und ist bis heute die einzige Frau-, der zwei Nobelpreise verleihen wurden. Zum Weiterlesen:
  • Gerhardt Hartl: <media 33218 _blank pdf>Dem Radium auf der Spur</media> in: Kultur und Technik 4, 1979, S.42-46
  • Webseite des Musée Curie in Paris
Johannes-Geert Hagmann ist Kurator für Physik, Geophysik und Geodäsie. Er hat mit den Open Science Resources derzeit ein Projekt laufen, in dem Science Center und Museen in ganz Europa sich in einem Portal vernetzen, um digitalisierte Objekte Besuchern einfach zugänglich zu machen.Susanne Rehn ist Kuratorin für Chemie und derzeit damit befasst, eine neue Chemie-Ausstellung im Deutschen Museum zu planen. Einen Vorgeschmack darauf gibt die Sonderausstellung: Chemie in Freizeit und Sport.

Autor/in

Johannes-Geert Hagmann

ist Kurator für Physik, Geophysik und Geodäsie. Als Referent für Museumkooperationen koordiniert der promovierte Physiker die nationale und internationale Vernetzung des Deutschen Museums mit anderen Einrichtungen. Zur Zeit arbeitet er unter anderem an einem neuen Konzept für die Physik-Ausstellungen und leitet ein DFG-Projekt zur Digitalisierung der Gründungssammlung des Deutschen Museums. Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Das erste Objekt (Inv.Nr. 1) in den Sammlungen des Deutschen Museums in der Abteilung Museumsgeschichte entdecken!