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Auf Initiative von Prof. Wolfgang M. Heckl, dem damaligen Generaldirektor des Deutschen Museums hatte das Team des Rundfunkmuseums Cham dem Deutschen Museum einen selbstgebauten Mittelwellensender gestiftet und installiert. Nach nahezu 70.000 Betriebsstunden hatten sich sporadische Fehler eingeschlichen, die nach einem gewaltigen Blitzeinschlag in die Antenne verstärkt zu Tage getreten sind.

Der Museumsturm bietet auf Grund seiner Höhe von gut 60 Metern einen hervorragenden Standort für die Sendeantenne von Radio Eule. In gleichem Maße jedoch ist die Antenne dadurch anfällig für Blitzschläge. Das Zerstörungspotential eines gewaltigen Einschlags haben wir im Sommer 2026 erfahren müssen.

Antennenschäden repariert

Gemäß den Vorschriften ist eine eine Blitzschutzpatrone in der Antennenzuleitung angebracht, die den Eintritt von zerstörerischen Überspannungen/-strömen ins Gebäude verhindern soll. Ein innenliegender sogenannter Gasableiter wird im Überspannungsfall schlagartig leitend und leitet den extrem hohen Strom sicher zur Erde ab.

Der Einsatz wird dabei nicht zwangsläufig zerstört, doch hatte dieser Blitz offenbar eine so enorme Energie, dass auch der Gasableiter beschädigt wurde. Obendrein ist durch die Hochspannung des Blitzeinschlag der Rohrkondensator in der Antennenzuleitung geborsten.

Gemeinsam im Team sind Fehlersuche und Reparatur samt Austausch der defekten Komponenten vor Ort in luftiger Höhe gelungen.

Die Detektive des Chamer Rundfunkmuseums

Für die Spurensuche nach sporadischen Fehlern in der Elektronik des Senders waren allerdings obendrein echte Experten gefragt. Das Team des Chamer Rundfunkmuseums hat sich ohne Zögern bereit erklärt, den Sender im Dauertest im Labor zu inspizieren und auf Fehlersuche zu gehen. Wie so oft hatte auch hier ein einfacher Defekt weitreichende Wirkung. Indem ein banaler IC-Sockel sporadisch Unterbrechungen verursachte, funktionierte der Modulator, der das Sound-Signal auf die hochfrequente Trägerwelle aufmoduliert, nicht korrekt. Die findigen Kollegen aus Cham haben diesen Fehler ergründet und beheben können.

Frequenzwechsel

Zudem wurde ein weiteres Anliegen vom Chamer Team gelöst. Selbst wenn in Deutschland seit 2015 keine öffentlich-rechtlichen Aussendungen mehr auf Mittelwelle erfolgen, ist die europäische Frequenz-Rasterung des Mittelwellenbandes noch etabliert. In 9 kHz-Schritten wurden auf diesem Band die Sende- und folglich auch die Empfangskanäle festgelegt. Radio Eule sendete bislang auf 1500 kHz und lag damit zwischen den benachbarten, determinierten Rasterfrequenzen 1494 kHz und 1503 kHz. Einerseits hatte das zur Folge, dass ein leistungsstarker Sender (im Kilowattbereich) aus Trento/Italien auf der Frequenz 1503 kHz - abhängig von den Ausbreitungsbedingungen und vorwiegend nachts - Radio Eule überdecken und damit den Empfang stören konnte.

Andererseits ist in “modernen” Radioempfängern der 9 kHz Kanalabstand fest eingestellt. Da die Frequenz 1500 kHz nicht in das Frequenzraster passte, konnte Radio Eule von vielen Autoradios gar nicht empfangen werden.

Deswegen haben wir uns für die Änderung der Sendefrequenz auf mittelwellenkonforme 1494 kHz entschieden. Jedoch war die Abstimmung auf die neue Sendefrequenz nicht mit den herkömmlichen Elektronik-Bordmitteln erzielbar. Denn im Sender bestimmt nicht ein einfach austauschbarer Schwingquarz, sondern ein programmierbarer Oszillator die Sendefrequenz. Aber auch dafür konnte das Chamer Team eine Lösung herbeiführen. Sowohl den passenden Oszillator-Chip als auch das zugehörige Programmiertool konnten die Kollegen organisieren. Im September 2026 konnte dann in Cham der generalüberholte und neu abgestimmte Sender in Empfang genommen werden.

Seither ist Radio Eule auf der neuen Frequenz von 1494 kHz rund um die Uhr zu hören. Vor allem aber gebührt dem Team des Rundfunkmuseums Cham ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön für die unkomplizierte und bereitwillige Expertenunterstützung!

Auf zahlreiche Hörer freut sich

Luise Allendorf-Hoefer, vy 73 de DL4LA

Autor/in

Porträt einer erwachsenen Person mit graubraunem, zurückgebundenem Haar, goldenen Ohrsteckern und feinem Goldketten‑Halsband, getragenes dunkelblaues Oberteil mit dekorativen Stoffblüten; Gesicht unkenntlich gemacht.

Luise Allendorf-Hoefer

Luise Allendorf-Hoefer ist Kuratorin für Nachrichtentechnik und Elektronik. Nach dem Elektrotechnikstudium hat sie sich beim Bayerischen Rundfunk um die Audio- und Systemtechnik der Fernsehstudios in München gekümmert um dann nach Abstechern über Kindererziehung, Maschinenbauindustrie und ganz unterschiedlichen Aufgaben im Deutschen Museum ihre Fachgebiete und die Ausstellung Elektronik zu betreuen. Besonders liegt ihr die Funktechnologie am Herzen, für die sie dank ihrer Zuständigkeit für die Amateurfunk Klubstation DLØDM und für Radio Eule im Wortsinn „breitbandiges“ Betätigungsfeld gefunden hat.

 

Ihr Tipp für den Besuch des Deutschen Museums: Die Vorführung des Siplace Bestückautomaten in der Ausstellung Elektronik: State of the Art-Ingenieurskunst in der Anwendung.

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