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Wer in den Bergen zu Hause ist, der lebt glücklich - oder ist das nur Wunschdenken? In einer neuen Fotoausstellung erzählen Bergbauernfamilien, wie ihre Welt wirklich aussieht.

Grüne Wiesen, klarer Himmel, herzige Tiere – die Arbeit von Bergbauern und -bäuerinnen wird oft idyllisch präsentiert. Urlaub auf dem Bauernhof hat ja nicht ohne Grund seinen Reiz. Und das Leben in den Bergen stellt man sich gerne mal so malerisch vor wie in Johanna Spyris Klassiker „Heidi“. Doch zwischen einem Bilderbuch-Bergbauernhof und der Wirklichkeit der Menschen, die in den Bergen leben und arbeiten, liegen Welten.

Davon kann man sich aktuell in der Ausstellung „Landwirtschaft und Ernährung" ein Bild machen: Dort wird gerade die Fotoausstellung „Bergbauern erleben“ von Klaus Einwanger gezeigt. Direkt um die Almhütte herum sieht man Bilder: von den Menschen, den Tieren, dem vermeintlichen Idyll. „Eine Ausstellung in der Ausstellung zeigt man als Kuratorin nur sehr ungerne, weil es meist beiden Ausstellungen nicht gut tut, ineinander verschachtelt zu werden. Diese Fotoausstellung passt aber so gut in die Dauerausstellung, dass wir es gewagt haben“, sagt Kuratorin Sabine Gerber-Hirt, „Unsere Ausstellung zeigt die Arbeit in der Landwirtschaft eher mit Blick von außen, hier wird sie jetzt um die Sicht der Bauern und Bäuerinnen selbst ergänzt.“ Und diese Sicht macht deutlich, dass das alles gar nicht so einfach ist.

Neben den Fotos kann man auch Geschichten von acht Bergbauernfamilien aus dem bayerischen Voralpenland entdecken. Sie erzählen vom Glück, das diese Arbeit mit sich bringt, aber auch von den Sorgen, die sie haben. Und die sind vielfältig: Familie Seebacher betreibt hohen Aufwand für Nebenerwerbe wie Tourismus und einen eigenen Hofladen. Für Familie Jackl bedeutet die zunehmende Bürokratie viel Stress. Und die Mayrs kämpfen mit dem Generationenthema – werden die Kinder den Hof übernehmen, der seit 1543 in Familienbesitz ist? Oder müssen sie den Betrieb aufgeben, wie so viele Landwirte und Landwirtinnen in ihrer Gegend?

„Das sind zu einem großen Teil Probleme, die man auch von Landwirten und Landwirtinnen im Umkreis von München hört.“
Sabine Gerber-Hirt (Kuratorin)

Die Ausstellung „Landwirtschaft und Ernährung” hat oft einen starken Bayern-Bezug. Das Lokale und Nahbare, das sei wichtig, um das Thema zu vermitteln - dann aber geht der Blick auch in andere Teile der Welt, wo man Dinge anders macht als bei uns, aber genauso gut. „Wenn man sich die Interviews und die Fotos ansieht, dann stellt man sich schon die Frage ‘Wäre das etwas für mich?’”, sagt Gerber-Hirt. Die Probleme mit der Nachfolge und die sinkende Zahl an Betrieben lassen es erahnen: Bei den meisten Menschen lautet die Antwort auf diese Frage „nein”. Doch der Einblick in die Landwirtschaft kann helfen, mehr Verständnis für die Bauern und Bäuerinnen zu schaffen. „Wir versuchen immer wieder nach draußen zu schauen und andere Bauernhöfe zu zeigen. Deshalb kommen uns diese Porträts über das Leben von Bergbauern sehr gelegen”, so die Kuratorin.

Denn aus den Geschichten gehen auch die Unterschiede zwischen Tal- und Bergbauernhöfen hervor. Wer „hier oben zu Haus” ist, dem stellen sich eine Reihe von Herausforderungen. Etwa, dass wegen des unzugänglichen Terrains Spezialmaschinen für die Mäharbeiten benötigt werden und kranke Kühe oft erstmal selbst versorgt werden müssen, weil keine Tierärzte und -ärztinnen in der Nähe sind. 

Die Fotoausstellung offenbart zwischen den Zeilen also auch die Schattenseiten des Bergbauern-Daseins. Pessimistisch muss man aber nicht sein; in den Geschichten wird klar, dass die Bergbauern und -bäuerinnen, trotz aller Schwierigkeiten, lieben, was sie tun. Ihren Hof, ihre Arbeit, ihre Heimat. Und die Bilder selbst lassen den Glauben an die Idylle ebenfalls aufleben. Klarer Himmel, herzige Tiere - alles dabei. Und auch wenn man sich dieses Leben selbst nicht vorstellen kann; am Ende versteht man, warum keine der Familien ihre Welt in den Bergen gegen eine andere tauschen wollen würde. Dunkle Tannen und grüne Wiesen im Sonnenschein helfen eben schon beim Glücklichsein.

Die Fotoausstellung „Bergbauern erleben” ist eine Initiative von Klaus Einwanger und Bergader, die vom bayerischen Cluster Ernährung gefördert wird. Sie ist vom 30. April bis zum 31. Juli in der Ausstellung „Landwirtschaft und Ernährung” auf Ebene 3 zu sehen.

Landwirtschaft und Ernährung

Autor/in

Bianca Klein

Bianca Klein absolviert ein Praktikum in der Abteilung Presse- & Öffentlichkeitsarbeit im Deutschen Museum. Dabei lebt und studiert sie eigentlich in Graz.

Ihr Lieblingsort im Deutschen Museum ist die Ausstellung “Bild Schrift Codes” – vor allem wegen der Schreibmaschinen und der Kalligrafie-Station. Hier könnte sie Stunden verbringen. Praktisch also, dass ihre anderen Museums-Highlights direkt nebenan liegen: Die Ausstellung “Foto und Film” und die “Raumfahrt”.

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