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In der Nacht zu Donnerstag sind vier Menschen mit der Artemis-II-Mission ins All gestartet, um den Mond zu umrunden. Das geht nur dank jahrelanger wissenschaftlicher Vorarbeit. Ein Teil dieser Vorarbeit ist jetzt im Deutschen Museum zu bestaunen.

Zohar und Helga heißen die beiden Astronautinnen, die mit der Artemis-I-Mission Ende 2022 im All waren. Ihr Job: Sie sollten herausfinden, wie hoch die Strahlenbelastung im All ist, wenn man Atmosphäre und Magnetfeld der Erde erst einmal hinter sich lässt. Zohar und Helga sind allerdings keine Astronautinnen aus Fleisch und Blut, sondern Puppen – mit einem hochkomplexen Innenleben mit passiven und aktiven Sensoren. Denn eine der größten Gesundheitsgefahren für Weltraumreisende ist die Strahlung, die auf dem Mond und auf dem Weg dorthin lauert. Das komplexe Forschungsprojekt lässt sich jetzt in einer Vitrine in der Elektronik-Ausstellung des Deutschen Museums nachvollziehen – mit Apparaturen, die schon mal im All waren und einen ganz besonderen Rekord halten.

„Ich freue mich sehr, dass wir die Vitrine noch vor dem Start der Artemis-II-Mission fertiggestellt haben. Es ist immer großartig, wenn man ein so bedeutendes aktuelles Ereignis mit passenden Exponaten erläutern kann.“
Luise Allendorf-Hoefer, Elektronik-Kuratorin des Deutschen Museums

Luise Allendorf-Hoefer hatte sich seit mehr als einem Jahr beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt um die Exponate bemüht. Mit Erfolg: Ein Nachbau von Zohar ist in der Vitrine ebenso zu sehen wie ihre Strahlenschutzweste. Mit den Puppen Helga und Zohar, die dem weiblichen Körper nachempfunden sind, wurde bei dem Artemis-1-Flug die Strahlendosis in den besonders strahlungsempfindlichen Organen wie Lunge, Magen, Gebärmutter und Knochenmark gemessen. Helga trug anders als Zohar keine Schutzweste. “Damit konnte erstmals mit einer großen Genauigkeit bestimmt werden, welche Strahlenbelastung bei einem bemannten Flug zum Mond entsteht“, sagt Allendorf-Hoefer. “Und man kann auch durch einen Vergleich der Messwerte bestimmen, wie gut die Weste vor der Strahlung schützt.”

Die Strahlenschutzweste, Zohars Sitz und die beiden M-42-Strahlungsdetektoren, die in den Lungenflügeln von Helga verbaut waren, wurden vom Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR Köln ans Deutsche Museum gespendet. Die Objekte, die tatsächlich im All waren, halten übrigens einen neuen Rekord im Deutschen Museum: Sie sind die menschengemachten Dinge in der Sammlung, die am weitesten von der Erde weg waren. “Bei der Mondumrundung waren sie 432.210 Kilometer von der Erde entfernt”, sagt Allendorf-Hoefer – das ist weiter weg als bei allen Apollo-Missionen.

Thomas Berger, Projektleiter beim DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, erklärt die Bedeutung des sogenannten MARE-Experiments: “Das Strahlenfeld im Weltraum ist so komplex von der Zusammensetzung her, dass wir das auf der Erde nicht simulieren können.” Und die Strahlenbelastung ist immens, rechnet er vor: Wenn wir auf der Erde eine Strahlenexposition von 1 haben, ist sie schon in einem Flugzeug um den Faktor 40 erhöht – wegen der dünneren Atmosphäre. Auf der Raumstation ist es schon ein Faktor 250. Und wenn es dann zum Mond geht, fällt noch zusätzlich der Schutz des Erdmagnetfeldes weg: Dann steigt der Wert auf einen Faktor von 700 im Vergleich zur Erdoberfläche. Und, sagt Berger: “Der weibliche Körper ist in manchen Bereichen strahlenempfindlicher, und wir haben immer mehr Astronautinnen.” Deshalb sind die Experimente so wichtig. 

Einblick in das MARE-Experiment der DLR

Wenn jetzt eine Astronautin und drei Astronauten auf die Reise rund um den Mond gehen, sind auch die Strahlungsmessgeräte M-42 wieder dabei – in der Nachfolgeversion M-42 EX. Die Erkenntnisse des ersten MARE-Experiments, die mit den Sensoren in der Ausstellung Elektronik gewonnen wurden, fließen bei dieser Mondumrundung ein – und werden auch die Grundlage für die kommenden Artemis-Missionen sein. Auch für den Moment, wenn Menschen zum ersten Mal seit 1972 wieder auf dem Mond stehen.

Autor/in

Schwarz-weißes, stilisiertes Porträt eines Mannes im Kreisrahmen; Gesicht ist durch einen grauen Unschärferechteck verdeckt, sichtbar sind Kurzhaarfrisur, Hemd mit Krawatte und Sakko.

Gerrit Faust

Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Als gelernter Journalist hat er von vielem ein bisschen, aber von nichts so richtig Ahnung.

Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Unbedingt in die Raumfahrt – schließlich träumt er immer noch von einer Astronautenkarriere. Anschließend einen Einkehrschwung in die „Frau im Mond“. Und dann noch in zwei großartig gestaltete Ausstellungen – die „Musikinstrumente“ und die „Gesundheit“.

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