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Am 8. Mai 1945 wurde die bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen ratifiziert. Damit endete der Zweite Weltkrieg in Europa, der Millionen Menschen das Leben gekostet hatte. Auch das Deutsche Museum war von den Kriegshandlungen schwer betroffen.

Mit den im Museum gezeigten NS-Propaganda-Ausstellungen „Der Bolschewismus“ (1936) und „Der Ewige Jude“ (1937) war das Haus im In- und Ausland geradezu als Symbol nationalsozialistischer Ideologie bekannt geworden, wenngleich diese nicht vom Deutschen Museum konzipiert worden waren, sondern der Bibliotheksbau lediglich als Veranstaltungsort diente. Auch die Tatsache, dass die „Organisation Todt“, die für die bauliche Umsetzung von Schutz- und Rüstungsprojekten (Westwall, Atlantikwall, Luftschutzanlagen, Untertageverlagerung von Industriebetrieben etc.) zuständig war, im Bibliotheksgebäude untergebracht war, dürfte für gezielte Luftangriffe auf die Museumsinsel verantwortlich gewesen sein.

Die Bombenangriffe auf München trafen demnach die Museumsinsel mit Wucht. War man bis Mitte 1944 noch weitgehend von Bomben verschont geblieben, brachten die Fliegerangriffe am 12., 16. und 21. Juli 1944 sowie weitere Bomben im Dezember 1944 und Januar 1945 enorme Beschädigungen der Gebäudesubstanz mit sich. Eine Grafik, die der damalige Museumsvorstand Jonathan Zenneck in seinem Jahresbericht 1946 präsentierte, zeigt die massiven Treffer der gesamten Insel. 80 Prozent der Ausstellungen waren zerstört. Einen Eindruck vom Ausmaß der Schäden vermittelt die Bildergalerie am Ende dieses Beitrags.

Es wäre jedoch falsch, das Ende des Zweiten Weltkriegs auf die Schäden an den Gebäuden, an Objekten, am Buch- und Archivbestand zu reduzieren.
Mit Kriegsbeginn war rund die Hälfte der Mitarbeiter zum Militärdienst eingezogen worden, ab September 1944 waren – bis auf einen geringen Rest von 20 Personen – alle anderen zum totalen Kriegseinsatz verpflichtet worden. Viele Mitarbeiter erlitten schwere Verwundungen oder überlebten den Krieg nicht. Schon vor Kriegsausbruch waren mehrere Mitarbeiter, die Gewerkschaften, kommunistischen Organisationen oder sogar dem Widerstand gegen Hitler angehörten, verfolgt, gefoltert und umgebracht worden. Der engste Mitarbeiter Oskar von Millers, Arthur Schönberg, der auf einer Tafel vor dem Ehrensaal als erster Mitarbeiter des Deutschen Museums genannt ist, kam im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Wie stark auch das Museumspersonal in das NS-System involviert war, verdeutlicht die Tatsache, dass nach Kriegsende 19 Mitarbeiter des Hauses aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen NS-Organisationen – zumindest zeitweise – ihre Anstellung im Deutschen Museum verloren haben; betroffen waren einfache Offizianten bis hin zu Abteilungsleitern.
Das Deutsche Museum hatte lange mit den Kriegsfolgen zu kämpfen. Der Wiederaufbau war erst 20 Jahre später abgeschlossen, als erstmals wieder ein vollständiger Rundgang durch das Haus möglich war.
 

Autor/in

Wilhelm Füßl

Dr. Wilhelm Füßl ist Historiker und leitete bis Mai 2021 das Archiv des Deutschen Museums. Sein Forschungsinteresse gilt der Geschichte technischer Sammlungen und den Wechselwirkungen von Biografie und Technikgeschichte. Er publizierte u.a. die Biografie „Oskar von Miller 1855–1934“ 

Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Besuchen Sie die Ausstellung Geschichte des Deutschen Museums. Dort sehen Sie einen nachgebildeten Pfahl, auf denen das Museum steht, entdecken Sie, was die magischen Gläser verbergen und hören Sie Oskar von Miller bei seiner Einwerbeaktionen zu.