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Von Irina Fritz
„Baue ein Fahrzeug, das von einer vorgegebenen Rampe so weit wie möglich fährt“ und „Baue ein Boot, das mit einem Wasserstrahlantrieb so weit wie möglich fährt“ – diese beiden Herausforderungen luden Kindern in den Osterferien zum Konstruieren, Tüfteln und Experimentieren ein. Ihre Ergebnisse sollten sie als Bilder und Filme an uns schicken. Die für den Wettbewerb eingereichten Fahrzeuge und Boote sind beeindruckende Tüftelarbeiten von Kindern und ganzen Familien.
Die entstandenen Fahrzeuge sind sehr unterschiedlich, je nach den Materialien, die zuhause vorhanden waren – und belegen eine große Kreativität!
Der Konstruktionspreis ging an Jonah (8 Jahre). Sein Fahrzeug besteht aus so vielfältigen Materialien wie Nägeln, mehreren Essstäbchen, zwei großen alten Garnrollen aus Holz, einem Brett und einem Segel aus Papier. Bei starkem Wind fährt es auch ohne Rampe.
Den Preis für das dekorativste Fahrzeug erhielt Moritz (7 Jahre) mit seiner „Osterhasenrakete“. Moritz fand es schwierig, die Reifen aus Holz rund zu bekommen. Das Anmalen und Dekorieren des Autos war für ihn am einfachsten. Er war verblüfft, wie lange er dann doch bauen musste, um sein Fahrzeug fertig zu bekommen.
Den „So-weit-wie-möglich-Preis“ erhielten Rosi und Heidi. Sie bauten ihr „Hottehüh-Glitzerfuß-Autochen“ aus Deckeln von Eisschachteln, einer Gemüse-Schale, Schaschlikstäben und Weinkorken. Die beiden experimentierten mit dem Einfluss von Gewicht auf die Reichweite, ein paar Kartoffeln als Last brachten den Erfolg. Dafür musste aber die Achsen-Fixierung mit dickem Papier und viel Klebeband stabilisiert werden. Die Federn, mit denen sie das Fahrzeug anfangs verziert hatten, mussten wieder weichen – sie bremsten zu sehr. Dieses Fahrzeug fuhr mit knapp 9 Metern am weitesten.
Den Zusatzpreis bekam Rafael (12 Jahre), der zuerst alleine ein Fahrzeug aus Pappe baute und dann als Familienaktion noch ein zweites mit seinem Vater aus Holz. Danke an alle, die an der ersten Runde teilgenommen haben!
Die nächste Herausforderung ging nun ins Wasser. Diesmal sollte ein Boot gebaut werden, das mit einem Wasserstrahlantrieb vorwärtsfährt. Für die Bootskörper erfanden die TüftlerInnen überraschende Lösungen. Einige, die an der ersten Runde teilgenommen hatten, waren auch in der zweiten dabei. Wieder gab es drei Preise.
Der Erfinderpreis ging an Rosi und Heidi für ihr Boot "Hottehüh-Segelchen". Auch die Boot-Challenge hat den beiden viel Spaß gemacht. Die Aufgabe war aber, wie sie meinten, knifflig und die gesamte Familie war oft auf dem falschen Weg. Sie mussten umbauen, abbauen, neu bauen und viel ausprobieren. Der erste Bootsentwurf hatte noch eine Art Propeller, den wollten sie unbedingt dran haben. Der Wasserstrahl hat aber das Wasserrad nie optimal getroffen und der Wasserwiderstand für das Rad war zu groß. Das Rad musste also wieder weg, die Korken-Konstruktion von oberhalb nach unten, die Position und Anzahl der Wasserrohre musste korrigiert werden und zusätzlich noch Styropor eingebaut werden, damit das Boot nicht unterging. Es war ein langer Prozess mit vielen Tests und Ideen. Ein paar Tage gab es eine Motivationsflaute: Das Boot lag wunderbar im Wasser, bewegte sich aber keinen Millimeter vorwärts. Am Schluss hat's dann doch geklappt: Nach endlos vielen Versuchen war die weiteste zurück gelegte Strecke dann 1,30 Meter. Kompliment an alle für die enorme Ausdauer!
Für sein Schiff „Die Unsinkbare“ hat Morten (8 Jahre) den Kreativpreis bekommen. Morten kämpfte vor allem mit zwei Problemen: Wie konnte er es schaffen, dass einmal kein Wasser ins Schiff lief? Besonders die Verbindung zwischen Wassertank und Auslauf für den Antrieb war schwer abzudichten. Außerdem kippte das Schiff leicht um, wenn er es ins Wasser setzte. Aber zu Mortens großer Verblüffung funktionierte ein Antrieb mit Wasser – und es bewegte sich vorwärts! Juhu!
Den „So-weit-wie-möglich-Preis“ erhielten die Brüder Sören (10 Jahre) und Jarik (8 Jahre). Als Schwimmkörper nutzten sie ein paar aufblasbare Klatscher von der letzten Fußball-WM. Darauf montierten sie ein Brett und darauf wiederum eine 5-Liter-Wasserflasche. In diese bohrten sie ein Loch, durch das sie einen Strohhalm führten und mit Kaugummi abdichteten. Zum Testen setzten Sören und Jarik das Boot auf einen Teich in Biberach. Es bewegte sich sehr langsam, aber es hat funktioniert – und fuhr am weitesten!
Auch hier gab es den Zusatzpreis für einen weiteren tollen Bootserfinder: Jonah, der auch in der ersten Runde dabei war, tüftelte wieder mit und schuf das tolle Recycling-Boot.
Danke an alle, die in der zweiten Runde die Köpfe rauchen ließen und getüftelt haben! Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, die tollen Erfindungen anzusehen. Ich freu mich schon auf eine weitere Challenge in den nächsten Ferien.

Wer beim Lesen Lust bekommen hat, selbst zu bauen: Hier findet ihr die Bauanleitungen.
Irina Fritz ist Biologin und Umwelttechnikerin. Sie arbeitet als Museumspädagogin im Deutschen Museum und wirkt an verschiedenen Projekten für Kinder und Erwachsene mit. Sie ist Spezialistin für Tinkering-Projekte und tüftelt selbst gerne mit ihren Kindern zuhause. Außerdem entwickelt und testet sie naturwissenschaftlich-technische Programme für Kindergartengruppen und Schulklassen.

Autor/in

Gastblogger

Immer wieder schreiben Gäste im Blog - Informationen zu diesen Autorinnen und Autoren finden sich im jeweiligen Beitrag. Als Gastblogger schrieben in letzter Zeit: <link 12873 - internal-link-new-window "Opens internal link in new window">Jutta Schlögl</link> war als Physik-Ingenieurin im Bereich Technische Entwicklung tätig und ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Museums. Sie leitet das Projekt Experimentier-Werkstatt.Dorothea Föcking ist Hamburger Abiturientin und macht ein zweimonatiges Praktikum im Vorbereitungsteam der Sonderausstellung "Anthropozän". Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Bei einem Museumsbesuch sollte man unbedingt Halt in der <link 81 - more>Pharmazie-Ausstellung</link> machen, um in das Innere der riesigen, gemütlichen Zellnachbildung zu schauen.