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Von Sabine Pelgjer
Der Kaffee ist fertig! Nach zwei Jahren Vorbereitungsarbeit ist es soweit: Unsere Sonderausstellung "Kosmos Kaffee" wurde eröffnet. Im Sonderausstellungsraum auf Ebene 1 zeigen wir noch bis Mai 2020 auf 800qm Wissenschaft, Technik, Kult und Kultur rund ums Thema Kaffee. Im Interview verraten die beiden Kuratorinnen die Highlights der Ausstellung und mehr.   Sabine Pelgjer:Eine Kaffee-Ausstellung in einem Technikmuseum – wie passt das zusammen? Sara Marquart: „Kaffee ist ja das Lieblingsgetränk der Deutschen. Man übersieht aber oft, dass Kaffee ein hochtechnisiertes Produkt ist. Vom Anbau bis in die Tasse braucht es viel technisches Gerät und technisches Know-how, um so ein wunderbares Getränk zu zaubern.“ 
SP: Warum heißt die Ausstellung „Kosmos Kaffee“? 
Melanie Jahreis: „Weil Kaffee in ganz große, vielfältige Welten eingebettet ist, in die Biologie, Chemie, Technik, die Ökonomie, aber auch in die Kultur. In der Ausstellung sieht man sehr schön, wie sich diese unterschiedlichen Welten in einem Getränk vereinen.“ 
SP: Wie viele Tassen Kaffee trinken Sie selbst täglich? 
Melanie Jahreis: „Ziemlich viel – meistens so um die sechs Tassen, schwarz und Filterkaffee.“ 
Sara Marquart: „Bei mir auch Filterkaffee und sechs bis zehn Tassen pro Tag. Kommt immer ganz drauf an, was am Tag ansteht und wie viel Zeit für einen Kaffee bleibt. Aber eigentlich bleibt immer Zeit für Kaffee - muss sein!“ 
Welcher Aspekt war für Sie persönlich am interessantesten? 
Melanie Jahreis: „Ich persönlich finde den Aspekt des Klimawandels sehr, sehr wichtig. Wir zeigen in unserem Klimaregal, wie sich die Kaffee-Anbaugebiete in den nächsten Jahren durch die Erhöhung der Temperatur auf unserer Erde verschieben werden und welche Auswirkungen das auf Kaffee hat. Welche Schädlinge den Kaffee bedrohen aufgrund des Klimawandels. Aber auch zum Beispiel, wie Kaffeerost ausschaut und wie Kaffeekirschenbohrer ausschauen. Wenn man die Verschiebung der Anbaugebiete betrachtet, dann wird gleich deutlich, dass Kaffee nicht mehr überall angebaut werden kann, dass viele Gebiete schrumpfen, zumindest für den Arabica, den wir ja am liebsten trinken. Und das heißt: Wir müssen umdenken auf lange Sicht, wenn wir noch Kaffee trinken wollen.“ 
Sara Marquart: „Und für mich als Chemikerin ist es ganz schön, dass man in der Ausstellung selbst forschen kann. Dass man in die Haut eines Chemikers schlüpfen kann und Kaffee in die einzelnen Aromen zerlegen kann. Dass man da nachfühlen und nachspüren kann, wie Kaffee riecht und wie komplex und spannend das Aroma vom Kaffee ist.“ 
SP: Was hat Sie bei den Recherchen am meisten überrascht? 
Melanie Jahreis: „Mich hat überrascht, welche Relevanz Kaffee in der Politik hat oder wie Kaffee unsere Gesellschaft beeinflusst. Kaffee hat früher die Industrialisierung beschleunigt. Kaffee hat eine ganz wichtige Rolle bei der Französischen Revolution gespielt. In Kaffeehäusern sind politische Bewegungen entstanden. Das war mir vorher nicht so bewusst.“ 
Sara Marquart: „Was für mich überraschend war, ist, dass die Kaffeebauern und Kaffeebäuerinnen im globalen Süden so wenig Geld bekommen für dieses Produkt. Die haben so viel Mühe, so viel finanzielles Risiko. Und wir kaufen den Kaffee hier im Supermarkt für so ein kleines Geld. Ich fand es wirklich schockierend, wie wenig Geld wirklich ankommt bei den Menschen, die den Kaffee tagtäglich in mühevoller Arbeit anbauen.“ 
SP: Hat die Arbeit an der Ausstellung Ihre Beziehung zum Getränk verändert? 
Melanie Jahreis: „Ich habe mir früher keine Gedanken gemacht, welchen Kaffee ich kaufe oder trinke. Ich habe den Kaffee immer mit Milch und Zucker getrunken. Seitdem Sara Marquart bei uns im Team ist und uns erst mal gezeigt hat, wie richtiger Kaffee schmeckt und vor allem, welchen Kaffee man kaufen kann, kaufe ich jetzt auch nur noch guten Qualitätskaffee aus dem Direkthandel und trinke den ohne Milch und Zucker - weil er einfach so gut schmeckt.“ 
Sara Marquart: „Ich bin ja schon seit ein paar Jahren mit Kaffee zugange und ich finde es eigentlich noch ein wesentlich schöneres Getränk, als ich davor gedacht habe. Ich komme von der forschenden Perspektive und habe jetzt einen Einblick bekommen in die sozialen und kulturellen Aspekte von Kaffee. Und das zeigt einfach, wie toll und vielfältig dieses Getränk ist - und wie spannend. Also ich mag es jetzt noch lieber.“ 
SP: Ihr Tipp für die Besucher: Was darf man im „Kosmos Kaffee“ keinesfalls versäumen? 
Melanie Jahreis: „Den Kaffeewald. Hier sieht man, wie Kaffee angebaut wird auf Sonnenplantagen, auf Schattenplantagen. Oder wie Kaffee im äthiopischen Kaffeewald, dem Ursprung des Kaffees, wächst.“ 
Sara Marquart: „In meinen Augen das Kaffeemaschinenregal: Wir zeigen 40 Exponate, Meilensteine der Kaffeezubereitungstechnik - von der teuersten Kaffeemaschine bis hin zur kleinsten, von der ältesten Bialetti-Herdkanne bis zu ausgefallenen Kaffeemaschinen, wie ein V12-Ferrari-Motorblock, der zur Kaffeemaschine umgebaut wurde. Für unsere Technikfans ein besonders schönes Exponat.“ 

Kosmos Kaffee

Sonderausstellung Sonderausstellungsraum, Ebene 1 bis 31. Mai 2020 Eine Entdeckungsreise durch Biologie, Chemie, Technik und Ökonomie des Kaffees bis hin zu Kult und Kultur rund um die Bohne. Vom Anbau in der Kaffeeplantage bis zur Live-Röstung - die Ausstellung spricht alle Sinne an. 
  • Highlight-Führung und Live-Rösten: regelmäßig um 11.30 und 14 Uhr
  • Science Café: internationale Kaffeespezialitäten in der Sonderausstellung - täglich 9 bis 16 Uhr
  • "Kosmos Kaffee": Augmented Reality App - im App Store und bei Google Play
  • Katalog in der Ausstellung erhältlich
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Die Kuratorinnen im Interview

Melanie Jahreis ist Biologin mit dem Schwerpunkt Molekularbiologie. Sie befasst sich vor allem mit den ökologischen und biologischen Herausforderungen rund um den Kaffee
Sara Marquart ist Lebensmittelchemikerin und forschte für ihre Doktorarbeit an der Technischen Universität München über die Chemie von Kaffee und die Entstehung von Bitterstoffen während des Röstvorgangs.Sabine Pelgjer arbeitet im Bereich Kommunikation und ist mit für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Deutschen Museum verantwortlich.Alle Bilder in diesem Beitrag: Deutsches Museum / Christian Illing

Autor/in

Sabine Pelgjer

Hat nach dem Studium der Kunstgeschichte bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet, zuletzt als Chefin vom Dienst bei der Münchner tz. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Zeit mitbringen – und sich unbedingt die Ausstellung Zeitmessung in Ebene 3 ansehen. Zwischen Präzisionspendel- und  Schwarzwalduhren, Kalendervariationen und Oszillograf kann man tief in die vierte Dimension eintauchen. Und wenn das Wetter mitspielt unbedingt im Sonnenuhrengarten auf der Terrasse im sechsten Stock vorbeischauen, dann ist auch Zeit für einen traumhaften Blick über die Stadt.