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Von Annette Lein
Seit zwanzig Jahren öffnen engagierte Amateurastronomen regelmäßig abends das Fenster ins Universum – kostenlos und für jedermann. Zwei Mal pro Woche bei klarem Himmel geht es 35 Höhenmeter, 4 Stockwerke und 210 Treppenstufen nach oben in unsere Ost-Sternwarte. Deren Kuppel wird mit einem Spaltschieber geöffnet und gibt den Blick in den Nachthimmel frei.  Mit einem Blick durch das Goerz- Teleskop, an dem 1914 vermutlich auch Albert Einstein stand, kann sich jeder Interessierte von dem Verein Beobachtergruppe Sternwarte München fachkundig den Sternenhimmel erklären lassen.
Ohne die engagierten und begeisterten Hobby-Astronomen könnte das Museum diese Nachtöffnung nicht anbieten. Denn das Museum ist tagsüber geöffnet - die Sternwarte funktioniert aber bevorzugt in der Nacht.
„Der Beobachtergruppe kann man zum 20-jährigen Bestehen nicht gratulieren. Man muss ihr danken, dass sie sich über einen so langen Zeitraum nicht nur gehalten, sondern sich so vital weiterentwickelt hat. Der Dank kommt vom Deutschen Museum, das durch die Aktivitäten der Beobachtergruppe einen wesentlichen Attraktivitätspunkt in seinem Besucherangebot erfahren hat. Danken kann man vor allem den Mitgliedern, die im Dienste der Astronomiebildung ihre nächtliche Freizeit opfern, am Teleskop immer wieder die Sterne erklären und dabei die organisatorischen und klimatischen Widrigkeiten in Kauf nehmen. Gratulieren aber kann man dem Deutschen Museum, dass es eine so engagierte Gruppe an ehrenamtlichen Mitarbeitern hat!“, sagt Gerhard Hartl, der ehemalige Kurator für Astronomie, der 1998 bei der Vereinsgründung einen Vorsitz als Vertreter des Museums übernahm.
Der Saturn war’s! Seit Marco Sproviero den Ringplaneten als Kind durch ein Fernrohr gesehen hat, hat er „alles, was mit Astronomie zu tun hat, aufgesaugt“. Der Münchner ist seit 2015 erster Vorstand. Mit 14 weiteren aktiven Vereinskollegen sorgt er dafür, dass die regelmäßigen Abendöffnungen stattfinden können. Begeisterung teilen: Die Mitglieder der Beobachtergruppe eint in erster Linie die Faszination für die Schönheit des Nachthimmels. Oder wie es Marco Sproviero beschreibt: „Man schaut rauf und kommt runter!“ Und es macht den Lehrern, Ingenieuren, Studenten, Ruheständlern, Naturwissenschaftlern oder „nur“ Amateurastronomen einfach Spaß, diese Erfahrung an andere weiterzugeben.„Dass wir das hier im Deutschen Museum mit dieser Ausstattung tun können, ist ein großes Privileg“, sagt Sproviero. Und Gerhard Hartl bestätigt: „Es erfordert großes Vertrauen, Mitgliedern eines externen Vereins nachts Zugang in das geschlossene Museum zu gewähren.“
Im Gegenzug haben die Hobby-Astronomen einige Herausforderungen zu meistern: Das beginnt ganz banal mit den baulichen Gegebenheiten: „Wir müssen unsere Besucher über das Osttreppenhaus in die Sternwarte bringen - vier Stockwerke, ohne Lift, dafür über etwa 210 Stufen“, sagt Sproviero. Außerdem funktioniert die Beobachtung nur, wenn der Spalt der Kuppel geöffnet ist und das Teleskop direkt zum Himmel blicken kann. „Man kann aber nicht heizen, weil dadurch Turbulenzen in der Luft entstehen, die die Aussicht stören. Entsprechend ungemütlich ist es vor allem im Winter!“
Abendbeobachtungen in der Oststernwarte finden immer dienstags und freitags bei klarem Himmel statt. Beginn im Januar, Februar, März, Oktober, November und Dezember jeweils um 20 Uhr, im April, Mai, August und September um 21 Uhr. Zusätzlich gibt es zweimal im Monat Vorträge in der Sternwarte – bei jedem Wetter. Infos und Termine unter www.beobachtergruppe.de  

Das Jubiläum wird ausnahmsweise bei Tageslicht gefeiert - mit einem Sonderastronomietag am 17. November 2018. Los geht es ab 12 Uhr mit Vorträgen, Führungen und Planetariumsshow.

Das Programm für den 17.11.2018 finden Sie in unserem Kalender
Himmelsbeobachtung mit der Beobachtergruppe
Weitere Informationen:

Zum Artikel Das Fenster zum Universum in der Süddeutschen Zeitung
Annette Lein leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Museum zu einem besonderen Ort machen.
Ihr Tipp für einen Museumsbesuch:
In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckt - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!

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Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!