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Normalerweise findet die Arbeit von Sammlungsmanagement und Konservierungswissenschaftlern im Verborgenen statt – bei den Aktionswochen im Deutschen Museum ändert sich das.

Der beste Platz für ein Exponat ist nicht etwa eine Ausstellung, sondern ein dunkler, kühler Ort ohne Besucher. Licht kann ein Objekt ebenso schädigen wie die falsche Luftfeuchtigkeit oder ein Schädlingsbefall. Mit Argusaugen wachen die Mitarbeiter des Sammlungsmanagements des Deutschen Museums deshalb über ihre Depots – dort werden einmalige Schätze unter kontrollierten Bedingungen aufbewahrt. Die Restauratoren schützen historisch unwiederbringliche Objekte vor dem Verfall. Beides geschieht normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Für eine gemeinsame Aktion der Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft lassen sich Sammlungsmanagement und Konservierungswissenschaftler des Deutschen Museums jetzt bei der Arbeit über die Schulter schauen und beantworten die Fragen der Besucher. Die Aktion im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahrs läuft vom 4. Juni bis zum 20 Oktober.

Den Anfang macht das Sammlungsmanagement: Ab 4. Juni montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und montags bis donnerstags zusätzlich zwischen 13 und 15 Uhr sind in der Ausstellung Metalle Arbeitsplätze des Sammlungsmanagements aufgebaut. Dort werden Objekte aus den Depots des Museums begutachtet, fotografiert, inventarisiert und eingeordnet. Objekte, die der Besucher unter normalen Umständen nicht zu sehen bekäme – es sei denn, sie seien für die Ausstellung bestimmt. Allerdings sind von den mehr als 125 000 Exponaten des Deutschen Museums derzeit rund 14 000 ausgestellt. Der Rest ist im Depot – und etwa 1300 Objekte kommen pro Jahr dazu. „Bei all diesen Objekten ermitteln wir Material, Gewicht und Maße und untersuchen ihren Zustand. Für alle müssen wir optimale Lagerungsbedingungen finden und sie so einlagern, dass sie jederzeit auffindbar sind. Alle Objekte werden fotografiert, und alle Daten werden in einer Datenbank zusammengetragen“, sagt Tatjana Kessler vom Sammlungsmanagement des Deutschen Museums.

Durch die Modernisierung des Museums bekamen die Sammlungsmanager noch einmal erheblich mehr zu tun. Rund 10 000 Objekte haben sie vor den Bauarbeiten aus dem Ausstellungsgebäude gebracht, inventarisiert und fotografiert. Und viele davon bedurften nach Jahren in der Ausstellung einer Konservierung und werden derzeit in den Restaurierungswerkstätten behandelt. Um die wertvollen Objekte besser schützen zu können, wird ständig an neuen Methoden geforscht. Hier beginnt die Arbeit der Restaurierungsforschung, einem weiteren Arbeitsfeld des Museums, das die Besucher normalerweise ebenfalls nicht zu sehen bekommen.

Dabei gibt es Faszinierendes zu entdecken: Wie kann ein zerbrechliche Kleid aus Glasfasern konserviert werden? Wie viele Farbschichten hat das Flugzeug Messerschmitt Bf 109 und was war die ursprüngliche Lackierung? Was verrät die Computertomografie über einmalige Exponate wie den Lilienthal-Gleiter und das BMW-Wendler-Stromliniencoupé?

Im Zentrum Neue Technologien besetzen die Konservierungswissenschaftler des Museums von 3. Juli bis 20. Oktober dienstags und donnerstags von 14.30 – 16 Uhr das Gläserne Forscherlabor, untersuchen dort Exponate und erklären allen Interessierten, was sie tun. Mit einem großen Vortragsprogramm werden den Besuchern verschiedene Forschungsprojekte und Analysemethoden vorgestellt, um den immensen Aufwand zu illustrieren, der hinter den Museumskulissen für den Erhalt der Exponate betrieben wird. Denn schließlich gilt es, einmalige historische Schätze für die Nachwelt zu bewahren. Sei es nun im Dunkeln des Depots oder im Licht der Ausstellung.

Das komplette Programm der Aktionswochen zum Europäischen Kulturerbejahr:

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Von Gerrit Faust
Der beste Platz für ein Exponat ist nicht etwa eine Ausstellung, sondern ein dunkler, kühler Ort ohne Besucher. Licht kann ein Objekt ebenso schädigen wie die falsche Luftfeuchtigkeit oder ein Schädlingsbefall. Mit Argusaugen wachen die Mitarbeiter unseres Sammlungsmanagements deshalb über ihre Depots – dort werden einmalige Schätze unter kontrollierten Bedingungen aufbewahrt.
Die Restauratoren schützen historisch unwiederbringliche Objekte vor dem Verfall. Beides geschieht normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Für eine gemeinsame Aktion der Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft lassen sich Sammlungsmanagement und Konservierungswissenschaftler des Deutschen Museums jetzt bei der Arbeit über die Schulter schauen und beantworten die Fragen der Besucher.

Den Anfang macht das Sammlungsmanagement: Noch bis 27. Juli 2018 sind in der Ausstellung Metalle Arbeitsplätze des Sammlungsmanagements aufgebaut. Dort werden Objekte aus den Depots des Museums begutachtet, fotografiert, inventarisiert und eingeordnet. Objekte, die der Besucher unter normalen Umständen nicht zu sehen bekäme – es sei denn, sie seien für die Ausstellung bestimmt. Allerdings sind von den mehr als 125 000 Exponaten des Deutschen Museums derzeit rund 14 000 ausgestellt. Der Rest ist im Depot – und etwa 1300 Objekte kommen pro Jahr dazu.
Kommen Sie vorbei und lassen Sie sich von unseren Experten erklären, wie das Material ermittelt wird und wie man Schadstoffe in Objekten findet. In einer Vitrine ein Föhn oder ein Leuchtraketensatz ausgestellt. Sie enthalten besonders gefährliche Stoffe und müssen besonders gelagert werden. Es wird erklärt und vorgeführt, wie Objekte in die Datenbank aufgenommen werden - allein für das Material sind hunderte Begriffe angelegt - eine Legierung muss im Datensatz zusätzlich ausgewählt werden. Mit zwei Klicks klassifiziert die Restauratorin einen kleinen Hammer aus der Medizintechnik. Gelernt ist gelernt! Der Kollege aus der technischen Abteilung erläutert das Verpacken und Labeln der kostbaren Gegenstände. Hier ist Sorgfalt und Expertise gefragt, um später auf rund 45.000 qm Depotfläche diesen kleinen Hammer wiederzufinden - verpackt in säurefreiem Karton, gelagert auf einer Naturholzkiste, verstaut auf Paletten, abgestellt in einem Planquadrat  …
Durch die Modernisierung des Museums bekamen die Sammlungsmanager noch einmal erheblich mehr zu tun. Rund 10 000 Objekte haben sie vor den Bauarbeiten aus dem Ausstellungsgebäude gebracht, inventarisiert und fotografiert. Und viele davon bedurften nach Jahren in der Ausstellung einer Konservierung und werden derzeit in den Restaurierungswerkstätten behandelt. Um die wertvollen Objekte besser schützen zu können, wird ständig an neuen Methoden geforscht.
Hier beginnt die Arbeit der Restaurierungsforschung, einem weiteren Arbeitsfeld des Museums, das die Besucher normalerweise ebenfalls nicht zu sehen bekommen. Dabei gibt es Faszinierendes zu entdecken: Wie kann ein zerbrechliche Kleid aus Glasfasern konserviert werden? Wie viele Farbschichten hat das Flugzeug Messerschmitt Bf 109 und was war die ursprüngliche Lackierung? Was verrät die Computertomografie über einmalige Exponate wie den Lilienthal-Gleiter und das BMW-Wendler-Stromliniencoupé?

Nicht verpassen: Noch bis 27. Juli 2018 montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr,  montags bis donnerstags zusätzlich zwischen 13 und 15 Uhr arbeiten die Kollegen vom Sammlungsmanagement im Mobilen Labor (Eingangsbereich in der Ausstellung Metalle, Ebene 0).  Die Aktionen im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahrs laufen noch bis 20. Oktober 2018. Das komplette Programm finden Sie auf der Seite Kulturerbejahr.
Weiterlesen: Zehntausende Objekte aus den Depots auf der Museumsinsel wurden in den letzten Jahren umgelagert. Dabei wurden sie von allen Seiten fotografiert. Aus den Dokumentationsfotos haben wir auf unseren Sammlungsseiten ein 'digitales Daumenkino' montiert.
Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Nach seinem Journalistmus-Studium hat er bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet. Zuletzt war er Chef vom Dienst bei der Abendzeitung.

Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.

Autor/in

Gerrit Faust

Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Nach seinem Journalistmus-Studium hat er bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet. Zuletzt war er Chef vom Dienst bei der Abendzeitung. Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im neuen Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.