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Von Helmut Hilz
Hinter jedem Buch steht auch ein Mensch. Diesmal führt uns der Weg nach Querfurt in Thüringen, wo vor 300 Jahren am 30.5.1718 Jacob Christian Schäffer geboren wurde. Der Vater starb bereits 1728 und hinterließ sechs Kinder, eine mittellose Witwe und eine schöne Bibliothek. Man kann ihn als Erfinder der Waschmaschine bezeichnen.
Mit 18 Jahren ging Schäffer zum Studium nach Halle. Dort studierte und hungerte er zwei Jahre. Oft war für einen Pfennig Brot oder Obst seine ganze Nahrung. Trotz einiger Schicksalsschläge (1747 Tod der ersten, 1759 Tod der zweiten Gattin) kam er beruflich voran, wurde 1763 von der Universität Tübingen promoviert und 1779 zum Superintendenten der evangelischen Gemeinde von Regensburg ernannt.
Zeitgenossen lobten an Schäffer "treue Erfüllung seiner Hauptpflichten und zweckmäßige Anwendung der Nebenstunden auf allgemein nützliche Beschäftigungen". Er war ein geschickter Mann, verstand sich darauf, optische Gläser zu schleifen, zu drechseln, Intarsien zu machen, besaß überdies vielfältige Interessen. Aber auch technische Aufgaben reizten ihn. Der durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) verursachte Mangel an Lumpen (Verbände für Lazarette!) veranlassten ihn, Wege zu finden, um Papier aus Ersatzstoffen, ohne Hadern, herzustellen: Aus Sägespänen, Baumblättern, Kohlstrünken usw. (siehe den Artikel hierzu)
Im Jahre 1766 las unser findiger Mann im Berlinischen Magazin einen Bericht über eine in England erfundene Wasch-maschine, die ein Herr Stender in Kopenhagen nachgebaut habe. Schäffer, der gerade auf der Suche nach einem Holländer (eine Maschine zur Produktion eines Faserbreis) für seine Papierversuche war und diese Waschmaschine für seine Zwecke geeignet hielt, vertiefte sich in die Materie und entwickelte eine verbesserte Version der englischen Erfindung. Schon 1767 veröffentlichte er seine Schrift: "Die bequeme und höchstvortheilhafte Wasch-maschine". Als guter Propagandist in eigener Sache schob er fiktive "Briefe eines Frauenzimmers an ihre Freundin in St** die Waschmaschine betreffend" nach und noch im gleichen Jahr "Gesammlete gute und böse Nachrichten von der Regensburgischen Waschmaschine".
Schäffers Erfindung war großer Erfolg beschieden. Unter seiner Aufsicht wurden allein 60 Maschinen gefertigt. Was uns heutige aber mehr erstaunen muss, die wir einen raschen technologischen Wandel gewohnt sind, ist der Umstand, dass uns die Schäffersche Waschmaschine 1840 in der Schrift "Wohlfeiler Waschapparat für sparsame Hausfrauen" und gar noch 1862 in "Die besten Wäschmangen, Rollmangen ... sowie ... hauswirthschaftlichen Waschmaschinen" kaum verändert wiederbegegnet. Eine Erfindung also, die nahezu ein Jahrhundert aktuell blieb.
Übrigens: Auch damals kannte man die Technikfolgenabschätzung. Schäffer ging ausführlich auf den Vorwurf ein, seine Erfindung würde die Waschfrauen arbeitslos machen. Er entgegnete, mit seiner Waschmaschine könnten diese mehr Aufträge annehmen und seien gesundheitlich weniger gefährdet als vordem.
Die Geschichte sei kurz zu Ende erzählt: 1906 baute Alva Fisher aus Chicago die erste elektrisch betriebene Waschmaschine. 1951 stellte eine Düsseldorfer Maschinenfabrik auf der Bauausstellung "Constructa" in Hannover die erste vollautomatische Waschmaschine vor. Die Fertigungszahlen beliefen sich anfangs gerade mal auf 300 Stück im Jahr. Noch Anfang der 60er Jahre lag der Preis bei stolzen 2.300.- DM. Heute will kein Haushalt mehr diesen unentbehrlichen Helfer missen.

Weiterlesen:

Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine

Frankfurt 1767

von Jacob Christian Schäffer (1718-1790)

Das Buch können Sie in unserem Portal Deutsches-Museum.Digital lesen.

Autor/in

Gastblogger

Immer wieder schreiben Gäste im Blog - Informationen zu diesen Autorinnen und Autoren finden sich im jeweiligen Beitrag. Als Gastblogger schrieben in letzter Zeit: <link 12873 - internal-link-new-window "Opens internal link in new window">Jutta Schlögl</link> war als Physik-Ingenieurin im Bereich Technische Entwicklung tätig und ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Museums. Sie leitet das Projekt Experimentier-Werkstatt.Dorothea Föcking ist Hamburger Abiturientin und macht ein zweimonatiges Praktikum im Vorbereitungsteam der Sonderausstellung "Anthropozän". Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Bei einem Museumsbesuch sollte man unbedingt Halt in der <link 81 - more>Pharmazie-Ausstellung</link> machen, um in das Innere der riesigen, gemütlichen Zellnachbildung zu schauen.