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Von Ronald Göbel
Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Was wir als schön empfinden, unterliegt einer sich wandelnden Mode. Dabei mischt die Werbung kräftig mit. Der Markt für Kosmetik ist äußerst lukrativ.  Aber Achtung: Nicht alle kosmetischen Produkte tun unserem Körper auch gut. Manchmal liegt tiefe Wahrheit in dem Ausspruch: Wer schön sein will muss leiden. In der neuen Dauerausstellung Chemie (Eröffnung 2020) zeigen wir in einer Kosmetik-Vitrine mit Produkten der 1970er und 1980er Jahre, wie Chemie in Kosmetik wirkt - oder eben nicht. Einen Vorgeschmack gibt der Beitrag.
Erinnern Sie sich noch an Produkte wie Apfel-Seife oder Timotei Shampoo, scheinbar direkt „aus der Natur“ gewonnen? Damals war stark gebräunte Haut ein Must-Have, beworben an ölig glänzenden und durchtrainierten Körpern. Auch wenn die Verpackungen heute anders aussehen, an den Versprechungen und den enthaltenen chemischen Wirkstoffen hat sich nicht so viel geändert.
Nehmen wir Sonnenschutz und Selbstbräuner genauer unter die Lupe:In den 1920er Jahren kommen freizügige Bademode und ausgedehnte Sonnenbäder in Mode; und mit ihr die Gefahr vom Sonnenbrand. Die I.G. Farben reagiert und meldet 1933 ein Patent für verschieden Lichtschutzmittel an. Unter ihnen, die chemische Verbindung Ensulizol. Diese Substanz absorbiert die UV-B Strahlung der Sonne und damit genau den Teil des Lichts, der für den Sonnenbrand verantwortlich ist. Ein knappes Jahr später kommt die erste Sonnenschutzcreme unter dem Markennamen Delial auf den Markt. Für Delial wird kräftig die Werbetrommel gerührt. Sonnengebräunte Haut wird zum Schönheitsideal und zum Statussymbol.
Doch wie wirkt chemischer Sonnenschutz?
Jede chemische Verbindung nimmt Strahlung in bestimmten Energie-Bereichen auf und wandelt sie in Wärme um. Lichtschützende Substanzen müssen also Energie im ultravioletten Bereich des Lichts aufnehmen. Genau diese Eigenschaft hat Ensulizol. Es filtert UV-B Strahlung aus dem Licht.
Soll auch UV-A Strahlung aus dem Sonnenlicht herausgefiltert werden, müssen der Sonnencreme weitere Wirkstoffe zugefügt werden. Obwohl UV-A-Strahlen keinen Sonnenbrand verursachen, sind sie für unsere Haut nicht ungefährlich. UV-A-Strahlen lassen freien Radikale entstehen. Diese aggressiven Moleküle beschleunigen die Alterung der Haut und können Hautkrebs verursachen.
Braune Haut ohne Sonne
Braun werden ohne Sonne? Verlockend, denn ausgedehnte Sonnenbäder kosten Zeit und sind nicht jedermanns Sache. Die Lösung kommt 1971 unter dem Namen maxibraun auf den Markt. Was ist das chemische Geheimnis der selbstbräunenden Creme?

Viele dieser Bräunungscremes enthalten die chemische Verbindung Dihydroxyaceton (DAH). DAH dringt in die oberste Hautschicht ein. Hier reagiert der Wirkstoff mit hauteigenen Eiweißen. Es bilden sich Farbstoffe, die die Haut braun färben. Aber Achtung: die Creme sollte unbedingt gleichmäßig auftragen werden; und fast noch wichtiger, Händewaschen nicht vergessen. Braungefärbte Handflächen und der Streifenhörnchen Look haben schon für viel Schadenfreude gesorgt. Nach einiger Zeit werden die entstandenen Farbstoffe von unserem Körper wieder abgebaut. Die Hautbräune verschwindet. Soll die Haut braun bleiben, ist Nachcremen angesagt.
Pflegecreme für gebräunte Haut

Die Welt der Hautpflege hat für jeden Hauttyp das passende Produkt. Und wenn es keinen Bedarf gibt, kann man diesen durch geschickte Werbung wecken.
Kunden die gar keinen Sonnenschutz benötigen, würden auch Geld für Produkte ausgeben, das wie eine Sonnencreme aufgetragen werden kann. Die Marke Topbraun ist geboren. Die Hautcreme kommt 1973 auf den Markt. Als hautpflegende Inhaltsstoffe enthält das Produkt Palmöl und Kakaobutter. Die Wirkung von Topbraun ist mit einer gewöhnlichen Hautcreme vergleichbar.
Ab 2020 zeigen wir auf 1200 m2 die neue Dauerausstellung Chemie. Informieren Sie sich über die Modernisierung auf unserer Webseite AufZu.deutsches-museum.de
Ronald Göbel ist Chemiker und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neugestaltung der neuen Dauerausstellung Chemie.
Sein Tipp für ein Besuch im Deutschen Museum: Besonders beeindruckend finde ich die Führung durch die Ausstellung Musikautomaten. Die Automatisierung treibt uns schon lange. Der teure Musikus sollte durch selbst spielende Instrumente ersetzt werden. Zu bestaunen ist atemberaubende Mechanik, die auch das Ohr begeistert.


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Internetredaktion