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Von Sabine Pelgjer
Als Karl Freiherr von Drais im Sommer 1817 zum ersten Mal sein berühmtes Laufrad erprobte, trat er eine Bewegung los, die gerade wieder viel Schwung in die Mobilität der modernen Gesellschaft bringt. Das Patent, das sogenannte „badische Privileg“ für sein Ur-Radl erhielt Drais am 12. Januar 1818.
Zu dieser Zeit stand das Patenrecht noch an seinem Anfang. Das Privileg, das Drais vom badischen Hof erhalten hatte, bedeutete, dass niemand seine Laufmaschine ohne seine Erlaubnis nachbauen durfte. Dies galt jedoch nur für zehn Jahre und war auf das Gebiet Baden begrenzt. In Frankreich bekam Drais ebenfalls ein Patent auf das „vélocipède“. Versuche andernorts einen Erfinderschutz zu erwirken scheiterten.
So kam es dazu, dass ein Handwerker, wie der Londoner Kutschenbauer Denis Johnson 1819 Zweiräder als „hobby-horses“ patentieren ließ und verkaufte, ohne Drais an den Gewinnen zu beteiligen. Auch in Amerika wurden Laufmaschinen gebaut und gefahren. Schätzungen zufolge sind weltweit in den Jahren nach der Einführung der Drais’schen Laufmaschine zwischen 5.000 und 10.000 solche Räder gefertigt worden. Dabei gilt in der Wissenschaft als sicher, dass die Laufmaschine von Drais das früheste durch Quellen nachgewiesene fahrtüchtige Zweirad ist.
Mit den Auf- und Abschwüngen des Radfahrens in den folgenden 200 Jahren befasst sich die aktuelle Sonderausstellung „Balanceakte“ im Verkehrszentrum des Deutschen Museums, in der auch eine der ersten Laufmaschinen zu sehen ist, deren Fertigung Drais persönlich beauftragt hatte. Der Stellmacher (Wagner) Johann Frey in Mannheim stellte die von Graf Reuttner von Weyl bei Drais georderte Laufmaschine im Herbst 1817 her. Die Plakette an der Lenkstange weist sie als ein Drais’sches Original aus.
Dieses Original und weitere Exponate aus dem Bereich „Karl Drais und seine Zeit“ bilden den Auftakt zu den „Balanceakten“ in Halle I. Drei Schwerpunkte hat die Sonderausstellung: Technik und Wirtschaft, Kultur und Sport, Mobilität und Verkehr. „Laufmaschine und Fahrrad sind ja ursprünglich nicht als Verkehrsmittel genutzt worden, sondern waren Abenteuermaschinen", sagt Bettina Gundler, Leiterin des Verkehrszentrums und eine der Kuratorinnen der Ausstellung. Sie fasziniert besonders an den „Balanceakten“, welchen gesellschaftlichen Wandel man an der Geschichte des Fahrrads zeigen kann: Von einem Vergnügen für Reiche wurde es in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zum Hauptverkehrsmittel für die Bevölkerung. Dann drängte die Motorisierung das Zweirad ins Abseits. Heute ist es wieder auf der Überholspur - als Alltagsverkehrsmittel und manchmal auch Weltanschauungs-Fortbewegungsmittel. Davon zeugen auch die Exponate: Das ursprüngliche von Drais entwickelte Laufrad war eine Kuriosität - heute werden Lastenräder als stadttaugliche Alternative zum Auto eingesetzt, und wer es sich denn leisten kann und mag, fährt teure Luxusräder. Dabei sind die „Balanceakte“ natürlich nicht nur zum Anschauen: Besucher können vor Ort auch ausprobieren, wie ein Laufrad funktioniert – oder sich im Wettstreit auf den Energierädern auspowern.
Tipp: Immer samstags und sonntags um 15 Uhr gibt es Übersichtsführungen durch die Ausstellung „Balanceakte – 200 Jahre Radfahren“, die noch bis 22. Juli 2018 im Verkehrszentrum gezeigt wird.
Sabine Pelgjer hat nach dem Studium der Kunstgeschichte bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet, zuletzt als Chefin vom Dienst bei der Münchner tz. Jetzt arbeitet sie im Bereich Kommunikation, twittert und postet auf Instagram und facebook Aktuelles aus dem Museum.

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Internetredaktion