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Von Annette Lein
Ein breites Lächeln, ausgebreitete Arme und ein Knopfdruck auf seinen kleinen Stoffbauch bringt Mister Wonderful mit sonorer Stimme zum Sprechen: „Fußball interessiert mich überhaupt nicht. Schatz, entscheide Du, welchen Film wir heute Abend zusammen ansehen“ - oder „Darling, ich kenne mich hier gar nicht aus, warte kurz, ich frage jemandem nach dem Weg“. Ein süßer Gag, aber definitiv nicht der Mann fürs Leben. Nachdem ich sein vier Sätze umfassendes Programm kenne, hat er seinen Reiz verloren, ist aber für die Tonne zu schade.    Hatten Sie auch Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen, die im besten Fall niedlich und in jedem Fall sinnlos sind? Meine Kinder lieben Flying Tiger, ein Laden voll von niedlichen Dingen, die niemand braucht, alle im Taschengeld-Preissegment. Will ich die nörgelnde Spaßverderberin sein, die sagt: Das ist Plastik, das geht nach zweimal benutzen kaputt? Glaubwürdig bin ich dabei sowieso nicht, wo ich mir gerne Klamotten kaufe und ein Made in China Telefon benutze? Da sage einer, das Leben als kritischer Konsument wäre einfach. 
Täglich verführt uns der Markt der Möglichkeiten mit Dingen aus aller Welt, die wir kaufen können. Egal ob Schulkind oder Erwachsener, es ist meist der günstige Preis, der uns zum Kauf anregt, ganz egal ob wir die Dinge am Ende nutzen oder nicht. Dass in all unseren Dingen Energie steckt, vergessen wir beim Einkaufen gerne. Energie wird nicht nur für die Produktion verbraucht, sondern auch für Transport, Gebrauch und Entsorgung.  Seit den 1980er Jahren hat sich das globale Bruttosozialprodukt mehr als versechsfacht. Dennoch ist die Zufriedenheit der Menschen seit dieser Zeit kaum gestiegen. Laut internationalen Meinungsforschungsinstituten steigern Besitz und Geld das Wohlbefinden nur begrenzt. Wesentlich wichtiger sind soziale Beziehungen, Gesundheit, Selbstentfaltung und Mitbestimmung. Aber auch eine intakte Natur, das Miteinander-Teilen und eine nichtmaterialistische Lebenseinstellung sind Bestandteile von dauerhaftem Glück. 
Das liest sich gut, innerlich stimmt man zu, um dann doch das nächste Ding zu kaufen, das man zu seinem Glück zu brauchen glaubt. In unserer Ausstellung energie.wenden steht eine Vitrine mit unsinnigen Objekten. Darin ein jodelnder Flamingo, ein aufwendig aufgemachtes Toilettengästebuch - aber auch eine Jane Austen Gesamtausgabe. Dazu erzählen die ehemaligen Besitzer die persönliche Geschichte hinter dem Erwerb der Gegenstände. In all diesen Dingen steckt Energie, auch in den Unsinnigsten. Um die Energiewende voranzutreiben, müssen wir uns mit unserem Konsumverhalten auseinandersetzen und uns fragen, warum wir diese Dinge kaufen, die wir am Ende nicht gebrauchen.
Das Bewusstmachung ist der erste Schritt, um etwas zu verändern. In diesem Sinne: spenden Sie uns ihre unnützen Weihnachtsgeschenke, erzählen Sie uns ihre Geschichte dazu  - und geben Sie damit Anstoß für eine Veränderung. Zur Aktion Gekauftes Glück
Zur Sonderausstellung energie.wenden

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Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!