Direkt zum Seiteninhalt springen

von

Von Dr. Robert Kluge
Die Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums ist seit dem 22. Juni um ein spannendes Exponat reicher: Das einzige je gebaute Exemplar des einmotorigen Leichtflugzeugs LFU 205 absolvierte nach fast 50 Jahren Einsatz seine letzte Landung auf dem Flugplatz Oberschleißheim.

Der Technologieträger LFU 205 ist der jüngste Zuwachs zur Luftfahrt-Sammlung des Deutschen Museums und ist in der Flugwerft Schleißheim zu besichtigen.
Die Maschine wurde von Stefan Seydel, dem Leiter der Flugversuchsabteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig, überführt. Ihn begleitete Jürgen Fütterer, Einrichtungsleiter Flugexperimente beim DLR, auf der letzten Etappe von Oberpfaffenhofen bis zur Flugwerft.
Die LFU 205 ist das Ergebnis der Kooperation dreier seinerzeit namhafter deutscher Flugzeugbau-Unternehmen: Bölkow, Pützer und Rhein-Flugzeugbau. Ziel der einmaligen und mit Steuermitteln geförderten Zusammenarbeit, an der sich mit der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) auch bereits ein Vorläufer des DLR beteiligte, war die Erprobung innovativer Materialien und Bauweisen im Flugzeugbau. So entstand mit der LFU 205 eines der ersten Motorflugzeuge, bei dem auch tragende Bauteile in Faserverbund-(GFK-)Bauweise hergestellt wurden. Erfahrungen konnten vorher bereits mit dem ersten GFK-Segelflugzeug fs 24 Phönix (ebenfalls im Bestand des Deutschen Museums) und Rotorblättern für Hubschrauber gesammelt werden.
Besonders innovativ war auch die patentierte so genannte „Schlauchbauweise“, bei der ein Glasgewebeschlauch mit eingewebtem Kunststoffschlauch zur Anwendung kam, der in der Form aufgepumpt und so an die vorher eingearbeitete glatte Deckschicht angepresst wurde. So entstand eine leichte, formtreue und langlebige Struktur.
Am 29. März 1968 flog Die LFU 205 zum ersten Mal und erhielt im 16. März 1977 ihre Musterzulassung als Einzelstück. Eine Serienfertigung kam aufgrund anderer Aufträge und vermutlich zu geringer Stückzahl für eine wirtschaftliche Fertigung nicht zustande.
Ab 1984 stand das Flugzeug in Oberpfaffenhofen und Braunschweig dem DLR für umfangreiche Messkampagnen und Forschungseinsätze zur Verfügung. Dabei vermaßen die Wissenschaftler unter anderem die Druckverteilung und den Widerstand an Tragflügelprofilen, die in Form eines „Handschuhs“ auf den eigentlichen Flügel aufgebracht wurden. Hinzu kamen Grenzschichtuntersuchungen der laminaren und turbulenten Strömungen an der Tragfläche, sowie deren Übergänge mit Hilfe von Infrarot-Technik, die weitere Erkenntnisse über den Einfluss der Reibung am Tragflügelprofil zum Ziel hatten. Die speziellen Umbauten am Flugzeug sind auch für Laien gut zu erkennen, entsprechende Forschungsausrüstung hat das DLR mit übergeben. Die Übergabe der LFU 205 erfolgte in Form einer Spende, wobei jedoch die Antriebseinheit aufgrund des wirtschaftlichen Wertes aufgrund geringer Betriebszeiten durch das Deutsche Museum gekauft wurde.
Die letzte Landung auf dem Flugplatz Oberschleißheim
Überführungspilot Stefan Seydel, Segelflieger seit seinem 16. Lebensjahr, arbeitet nach seinem Studium und Erwerb der Berufspilotenlizenz seit 1989 beim DLR; Leiter der Flugversuche in Braunschweig ist er seit 2011. In dieser Position war er auch bereits an der Überführung des zweistrahligen Forschungsflugzeugs VFW 614 ATTAS im Dezember 2012 beteiligt, das eines der größten Exponate des Deutschen Museums darstellt. Auf die Frage, welches Flugzeug aus der großen Flotte des DLR er am liebsten flog, antwortet Seydel: „Das ist schwer zu sagen. Der Reiz liegt eher in der Vielfalt und der Abwechslung. Der ATTAS war natürlich ein ganz besonderes Flugzeug und ragt da vielleicht etwas heraus.“
Dr. Robert Kluge ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter für „Moderne Luftfahrt“
im Deutschen Museum.

Autor/in

Gastblogger