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Von Wilhelm Füßl und Annette Lein
Handschriftliche Werkstattzeichnungen des Flugpioniers Otto Lilienthal oder des Computererfinders Konrad Zuse, Geheimdokumente aus dem Zweiten Weltkrieg, Hunderte von Nachlässen herausragender Wissenschaftler und Ingenieure, Zehntausende an Handschriften und Plänen: Das Archiv des Deutschen Museums verwahrt auf 4,5 Regalkilometern Schätze aus der Geschichte der Naturwissenschaft und der Technik. Es ist eines der bedeutendsten Spezialarchive dieser Art weltweit. Jetzt stellt sich das Archiv mit einem Imagefilm vor. Der flott geschnittene und mit dynamischer Musik unterlegte Film gibt einen Einblick in die reichhaltigen Bestände und zeigt das große Forschungspotenzial für Wissenschaftler und Laien auf. Der Film verdeutlicht aber auch die vielfältigen Aufgaben des Archivs und erlaubt einen Blick hinter die Kulissen. Gefördert wurde der Imagefilm vom Freundes- und Förderkreis Deutsches Museum e.V. Wie kam es zu der Idee mit dem Film und was steckt dahinter? Wir fragen Dr. Wilhelm Füßl, Leiter der Hauptabteilung Archiv seit 1992.
Annette Lein: Wie kamen Sie auf die Idee, die Arbeit des Archivs in einem Film vorzustellen?Wilhelm Füßl: Archive sind das Gedächtnis unseres Wissens und unserer Kultur. Sie bewahren die Dokumente, auf denen unsere Geschichte aufbaut. Archive sind aber keine „Verwahrstationen“, sondern aktiver Teil historischer Forschung, sei es für private, sei es für wissenschaftliche Zwecke. Das Archiv des Deutschen Museums als ein führendes Spezialarchiv will, dass mit seinen Dokumenten gearbeitet wird, dass sie benützt und veröffentlicht werden. Der Film will auf das riesige Potenzial aufmerksam machen, das hier archiviert ist.
Welche Aufgaben hat der Leiter des Archivs des Deutschen Museums? Das Archiv des Deutschen Museums ist ein sammelndes Archiv und ein Forschungsarchiv. Meine Aufgabe ist es, wichtige Bestände – Unterlagen von Nobelpreisträgern, innovativen Erfindern, national bedeutsamen Unternehmen – aufzuspüren und ins Archiv zu bringen. Die Unterlagen sollen dann rasch erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit die Unterlagen nicht in den Magazinen schlummern, sondern aktiv in neue Forschungsergebnisse einfließen. Welche Rolle spielt das Archiv im Museumskonzept? Die Gründer des Deutschen Museums hatten ein außergewöhnliches Museumskonzept. Sie wollten nicht nur Ausstellungen zeigen, sondern den Besuchern die Möglichkeit geben, Vorträge zu hören, in der Bibliothek ihr Wissen zu verbreitern und im Archiv Originalpläne, technische Zeichnungen und Handschriften einzusehen. Selbst die Forschung als wichtige Aufgabe des Deutschen Museums ist in der ersten Satzung von 1903 bereits festgeschrieben. Es ging also darum, ein Zentrum technisch-wissenschaftlicher Kultur zu etablieren. In diesem Konzept spielt das Archiv eine wichtige Rolle, sammelt es doch herausragende Originaldokumente aus dem deutschsprachigen Raum und bewahrt so wichtiges Kulturgut.
Was ist Ihr persönliches Highlight in den Beständen des Archivs? Wer so viele Schätze archiviert wie wir, kann sich meist nicht auf ein Dokument festlegen. Das wechselt von Tag zu Tag, je nachdem, woran man arbeitet. Ein eigenhändig gezeichneter Plan von Otto Lilienthal von seinen frühen Gleitern beispielsweise, der für den Beginn der menschlichen Luftfahrt steht, ist schon ein fantastisches Objekt. Lilienthal hatte diese Konstruktionszeichnung an die Wand seiner Werkstatt genagelt und darauf zusätzliche Berechnungen eingetragen. Da die Zeichnung von dieser tagtäglichen Arbeit verschmutzt ist und Ölflecken hat, ist sie ein eindrucksvolles, absolut authentisches Zeugnis der Erfindertätigkeit Lilienthals. Wie kann ich als interessierter Besucher das Archiv des Deutschen Museums kennenlernen? Das Archiv ist öffentlich zugänglich. In unserem Lesesaal kann man sich über die Bestände informieren, Unterlagen erforschen, so zum Beispiel zur Luft- und Raumfahrt oder die einzigartige Sammlung an Firmenschriften, aber auch Fotografien ansehen, die Objekte aus der Geschichte der Wissenschaft und Technik zeigen. Wer nicht vor Ort ist, kann auf unserer Webseite in ausgewählten Beständen online recherchieren und sich über unsere aktuellen Projekte informieren: Zur Webseite des Archivs
Wilhelm Füßl ist Historiker und leitet seit 1992 das Archiv des Deutschen Museums. Sein Forschungsinteresse gilt der Geschichte technischer Sammlungen und den Wechselwirkungen von Biografie und Technikgeschichte. Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Besuchen Sie die Ausstellung "Geschichte des Deutschen Museums". Dort sehen Sie einen der nachgebildeten Pfähle, auf denen das Museum erbaut wurde und können dem Museumsgründer Oskar von Miller bei seiner Einwerbeaktionen zuhören.

Autor/in

Wilhelm Füßl

Dr. Wilhelm Füßl ist Historiker und leitet seit 1992 das Archiv des Deutschen Museums . Sein Forschungsinteresse gilt der Geschichte technischer Sammlungen und den Wechselwirkungen von Biografie und Technikgeschichte. Er publizierte 2005 die Biografie „Oskar von Miller 1855–1934“ und ist u a. Herausgeber bzw. Mitherausgeber der Bücher "Konstruierte Wirklichkeit. Philipp Lenard 1862-1947. Biografie - Physik - Ideologie" (2012), 100 Jahre Konrad Zuse – Einblicke in den Nachlass" (2010), „Geschichte des Deutschen Museums. Akteure, Artefakte, Ausstellungen“ (2003) und „Biographie und Technikgeschichte“ (1998). Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Besuchen Sie die Ausstellung "Geschichte des Deutschen Museums". Dort sehen Sie einen nachgebildeten Pfahl, auf denen das Museum steht, entdecken Sie, was die magischen Gläser verbergen und hören Sie Oskar von Miller bei seiner Einwerbeaktionen zu.