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Von Annette Lein
Zurücklehnen, Beine hochlegen - und dabei durchs Deutsche Museum schlendern oder an einer Führung teilnehmen. Seit kurzem lassen sich große Teile der Ausstellungen auf der Museumsinsel virtuell erkunden. Dazu müssen Sie nur deutsches-museum.de/rundgang auf Ihrem Rechner, Smartphone oder Tablet öffnen. Jetzt können Sie zwischen drei Führungen oder dem gezielten Besuch einzelner Ausstellung wählen. Klick auf Raumfahrt. Wir landen direkt am Eingang der Ausstellung im zweiten Obergeschoss, dann geht’s los: Von den frühen Weltbildern der Antike über die Mondlandung bis zu Satelliten und Sonden werden wir vor die Vitrinen und zu den Objekten geführt. Dazu laufen Audiodateien - unter anderem sind auch die ersten Worte von Neil Armstrong auf dem Mond zu hören. Die visuelle Perspektive passt sich dabei automatisch dem gesprochenen Text an. Wir streifen von der Entdeckung der Jupitermonde durch Galilei zur Mercury Kapsel. Klingt ganz einfach - und ist es auch – zumindest in der Anwendung. Dahinter steckt eine spannende Technologie und eine interessante Partnerschaft. Der Rundgang ist das Ergebnis eine Kooperation des Deutschen Museums mit dem Münchner High-tech Unternehmen NavVis und der Digitalagentur Baro&Pfannenstein. NavVis entwickelt Produkte und Anwendungen zur zentimetergenauen Kartierung und Navigation in Innenräumen. Das Unternehmen entstand am Lehrstuhl für Medientechnik der Technischen Universität München (TUM) und hat einen mit Lasern und Kameras ausgestatteten fahrbaren Scanner selbst entwickelt und zum Patent angemeldet. Damit wurden die Ausstellungsräume des Museums aufgenom
Der Trolley verfügt über drei Laser Scanner und sechs digitale Systemkameras mit jeweils 16 Megapixeln Auflösung, die auch unter schwierigen Lichtverhältnissen hoch qualitative Bilder erzeugen. Die Bilder werden mittels der Trolley-Software zu 720-Grad-Panorama-Aufnahmen (also "Rundumblick" nach allen Seiten, sowohl horizontal als auch vertikal) zusammengesetzt ("stiched"). Die Scanning-Reichweite des Trolleys beträgt 30 Meter und er arbeitet mit einer Genauigkeit von 20 mm. Beim Scannen erzeugt der Trolley 3D-Punktwolken, so dass durch diese einmalige Kombination aus Fotos und Punktwolken ein sehr realistischer Eindruck des gescannten Innenraums entsteht. Zusätzliche Sensoren am Trolley erkennen WiFi, Bluetooth und Magnetfelder. Beim mobilen Scannen lassen sich pro Tag bis zu 50.000m2 mappen. Die Ausstellung Musikinstrumente im 1. Obergeschoss wurde in nur 15 Minuten gescannt!
Dem Deutschen Museum ermöglicht diese Partnerschaft, seine Digitalisierungsprojekte massiv voranzutreiben. Ausstellungen, Objektsammlung, die Bestände von Archiv und Bibliothek sollen weltweit zugänglich gemacht werden. Zudem beginnt  am 18. Oktober 2015 die heiße Phase der Modernisierung des Museums. Einige Ausstellungen, darunter die Neue Luft- und Raumfahrthalle, werden bis 2019 nicht mehr zugänglich sein. Generaldirektor Wolfgang Heck meint dazu: „Sie können zwar die Tante Ju oder das Mondauto bis 2019 nicht mehr hier auf der Museumsinsel besuchen, dafür aber auf der ganzen Erde – und dazu brauchen Sie nur einen Computer. Wir sorgen mit dem Digitalisierungsprojekt dafür, dass diese Ausstellungen sichtbar und erlebbar bleiben – und öffnen sie gleichzeitig für Besucher aus vielen Ländern, denen eine Reise nach München nicht möglich ist. Für uns ist das ein ganz wichtiger Schritt.“ Wichtig ist es auch, dass die Datenhoheit bei der NavVis Kooperation dabei beim Deutschen Museum bleibt. Das ist ein großer Unterschied zu einem Unternehmen wie Google, mit dem das Deutsche Museum im Rahmen der Digitalisierung auch kooperiert, beipielsweise mit Google Indoor oder dem Google Cultural Institute.
Es sind aber nicht die Menge und die Qualität der Daten, die den Erfolg eines digitalen Projektes ausmachen. Digitale Anwendungen müssen einfach zu bedienen sein und einen klaren Nutzen bieten, im besten Fall noch Spaß machen. Hier kam die Digitalagentur Baro & Pfannenstein ins Spiel, die die 3D-Ansichten von NavVis und die Inhalte des Deutschen Museums kombiniert hat und den Viewer, also die Navigation durch die vielen Daten neu aufgesetzt hat. Sie haben die Audiodateien mit den Objekten kombiniert und so den Audioguide des Museums in interaktive Touren gewandelt. Wir sind gespannt, wie Ihnen unser neues Angebot gefällt. Gleich ausprobieren? deutsches-museum.de/rundgang Und wenn Sie die Luft- und Raumfahrt und alle anderen Modernisierungsbereiche vor der Neueröffnung 2019 sehen wollen, ganz in echt, dann kommen Sie spätestens zur Langen Nacht der Museen am 17. Oktober 2015. Da gibt es Deutsches Museum satt - von 19 bis 2 Uhr, mit Sonderprogrammen, Führungen, Vorführungen, Live-Musik und mehr...

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Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!