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Von Matthias Knopp
Im August 1995 startete das Deutsche Museum mit einer eigenen Website. Zusammen mit dem Deutschen Historischen Museum waren das die ersten Museums-Informationsdienste dieser Art in Deutschland. Heute ist es kaum vorstellbar, dass das WWW (World Wide Web) zu dieser Zeit fast völlig unbekannt war. Im April 1993 wurde im CERN die erste Website in Betrieb genommen. Die Übermittlung von Text und Bild verbunden mit Links, die man früher Hypertext-Verbindung nannte, war standardisiert und im Vergleich zum Vorgänger Gopher ein deutlicher Quantensprung in Sachen Benutzerfreundlichkeit. Im Deutschen Museum wurde die E-mail-Kommunikation über Internet schon 1993 eingeführt und anfangs von mir als sogenanntem Master-User verwaltet. 1994 entdeckte ich in der Publikation "In 8 Sekunden um die Welt" (1994) von G. Maier und A. Wildberger zum ersten Mal einen konkreten Hinweis und eine Beschreibung eines neuen Informationsdienstes WWW über Internet. Die ersten Browser-Programme für den PC hießen NCSA Mosaic und dann Netscape Navigator.
Am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) unterstützte man die neue Informationstechnik früh. Mir war sofort klar, das könnte auch ein wichtiges neues Informationsmedium für das Deutsche Museum sein. Die technischen Fragen wurden mit dem LRZ, die mit einem eigenen Informationsangebot des Deutschen Museums einverstanden waren, geklärt. Dann stand noch die interne Genehmigung des Generaldirektors aus. Zitat aus dem damaligen Gespräch Dr. Knopp/Prof. Dr. Fehlhammer: "Ich verstehe zwar nicht was Sie da machen wollen. Beantworten Sie mir aber 2 Fragen: Brauchen Sie dafür Geld? Kann es dem Museum schaden"? Meine Antwort war nein, und so durfte ich die erste Website im Sommer 1995 neben meinem eigentlichen Job als Raumfahrt-Kurator zusammenbasteln. Die Basis dafür war der gedruckte Museumsführer des Jahres 1991 und die entsprechende englische Version. Das zerfledderte Original-Exemplar existiert noch. Fotos musste ich mit einem kleinen Logitec Scanman Handscanner mühsam aufnehmen. Digitalkameras gab es im Deutschen Museum damals noch nicht. Sehr hilfreich war auch eine Postkarten-Edition über Dioramen im Deutschen Museum.
Die Datenübermittlung von der Museumsinsel zum LRZ lief über ein Telefonmodem, mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 1200 baud (das sind ca. 1.2 kbit/s). Am 13.08.1995 waren wir zum ersten Mal online mit immerhin 170 Bildschirmseiten in Deutsch und in Englisch. Das Deutsche Museum hatte ab sofort ein weltweit verfügbares aktuelles Sprachrohr.
Meine 1995 getroffene Prognose über den Ausbau des Online-Dienstes mit umfassender Recherche-Möglichkeit in Bibliothek, Archiv und Sammlungen geht heute nach 20 Jahren mit großen Schritten in dem Projekt Deutsches Museum Digital seiner Realisierung entgegen.

Matthias Knopp

ist Leiter der Hauptabteilung Luft-, Raum-, Schifffahrt und Kurator für die Ausstellung Raumfahrt. Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Nachdem man sich bis ins 3.OG hochgearbeitet hat, einen Capuccino im Café neben den Ausstellungen Telekommunikation und Informatik bestellen und die Aussicht in die Alpen genießen.

Autor/in

Matthias Knopp

ist Leiter der Hauptabteilung Luft-, Raum-, Schifffahrt und Kurator für die Ausstellung Raumfahrt. Er hat die nachweislich erste E-Mail aus dem Deutschen Museum verschickt und 1995 das Museum mit einer eigenen Webseite ins Internet gebracht. Digitalisierung und Einsatz von Medien im Museum treiben den promovierten Physiker bis heute um. Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Nachdem man sich bis ins 3.OG hochgearbeitet hat, einen Capuccino im Café neben den Ausstellungen Telekommunikation und Informatik bestellen und die Aussicht in die Alpen genießen.