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Vom Depot-Team
Dieses respektable Tischfeuerzeug mit immerhin 46cm Höhe ist nichts für profane Sofatische. In Form des Monopteros im Englischen Garten gestaltet und aufwändig mit Wurzelfurnier, antikisierenden Motiven in Bronze und einer Haube mit Sternenhimmel dekoriert, wurden diese Tischfeuerzeuge um 1830 bereits fabrikmäßig in kleineren Serien hergestellt. Aber sie waren nur für wirklich Wohlhabende erschwinglich, die sich den Komfort "Feuer zu haben, ohne erst einen Bedienten rufen zu müssen", etwas kosten lassen konnten.  So wurden einige Exemplare von der Königlichen Familie angekauft und in der Münchener Residenz  verwendet.
Im Jahre 1815 baute der Münchner Instrumentenbauer Johann Gerzabeck statt des bisher umständlich aufzuladenden Elektrophors erstmals eine kleine Elektrisiermaschine in ein elektrisches Feuerzeug ein. Diese bestand aus einer runden Glasplatte, die sich zwischen zwei mit Amalgam bestrichenen Lederkissen drehte. Mittels eines Hebels, an unserem Monopteros natürlich aus feinstem Elfenbein, und eines Schnurzuges wird die Reibungselektrisiermaschine im Sockel des Geräts in Bewegung gesetzt. Gleichzeitig wird das Ventil für den zu entzündenden Wasserstoffstrahl geöffnet. Die zur Zündung benötigte elektrische Energie wird über einen durch ein Glasrohr isolierten Kupferdraht durch eine Säule auf eine der Wasserstoffstrahlöffnung benachbarte Spitze übertragen, von wo der Zündfunke überspringt. Die Wasserstofferzeugung erfolgt in einem Vorläufer des Kippschen Apparats. (In unserem Monopteros fehlt der Zinkkolben und die Salzsäure zur Erzeugung des Wasserstoffs.) Leider konnte sich das Format nicht bis zum heutigen Tage durchsetzen, wohl aufgrund von Format, Gewicht und gelegentlicher Salzsäureflecken.
Das Feuerzeug ist Teil der 12000 Objekte, die derzeit aus dem Depot auf der Museumsinsel geholt werden. Sie werden sorgsam dokumentiert, fotografiert und verpackt, um dann in ein Außendepot gebracht zu werden. Die Räumung des Depots wird durch die Sanierungsarbeiten auf der Museumsinsel nötig. Auf diese Weise kommen Schätze aus der Sammlung des Museums ans Tageslicht, die normalerweise kein Besucher zu Gesicht bekommt. Einmal im Monat stellt das Depot-Team einen besonderen Schatz oder etwas Kurioses im Blog vor. Den Anfang machte das Röntgen-Daumenkino. Nachlesen kann man die Serie unter der Kategorie Depotfund des Monats. Mehr über das Team erfahren Sie auf der Autorenseite.

Autor/in

Beräumungsteam

18 Restauratoren, Registrars, Fotografen und Transport-Mitarbeiter des Hauses sind derzeit auf der Museumsinsel im Einsatz, um 20.000 qm Ausstellungsfläche leerzuräumen. Im Herbst 2016 beginnen die Bauarbeiten. Bevor ein Ausstellungsstück sorgfältig und sicher für den Abtransport verpackt wird, muss für die lückenlose Dokumentation sein Zustand untersucht werden. Jedes Exponat wird fotografiert, konserviert, wenn nötig restauriert. In der Reihe "Entfernte Bekannte" stellt das Team im Blog regelmäßig besondere Objekte vor. Vor der Räumung hat ein Team aus dem Sammlungsmanagement unter der Rubrik "Depotfund des Monats" kuriose Objekte vorgestellt, die bei der Räumung der Depots auf der Museumsinsel zu Tage kamen.