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Von Helmut Hilz
Blogs und Wikis sind ein Teil der Medienrevolution der Gegenwart. Sie sind heute aus der Kommunikation weder im Alltag noch in den Wissenschaften wegzudenken. Sie verbinden Menschen über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg und haben neue Formen des Austauschs geschaffen. Doch ist dies weder die erste noch sicherlich die letzte Medienrevolution, begleitet doch die Beschleunigung der Kommunikation den Menschen seit vielen Jahrhunderten, ja Jahrtausenden.
Vor 350 Jahren ereignete sich eine für die Wissenschaften ebenso bedeutende Medienrevolution. Wissenschaftler hatten bis dahin nur mit Briefen miteinander kommunizieren können. Die Briefe, die Galileo Galilei und Johannes Kepler einander schrieben, waren mehrere Wochen zwischen Florenz und Prag unterwegs. Von den Fortschritten, die darin berichtet wurden, erfuhren andere Astronomen oft erst nach Jahren. Meist erst dann, wenn über diese Fortschritte in einem Buch zu lesen war. Abhilfe schaffte nun ein neues, Anfang 1665 erfundenes Medium: Die Zeitschrift als eine Art Zeitung für die Wissenschaft. Im Abstand weniger Monate wurden in Frankreich und England die ersten wissenschaftlichen Zeitschriften gegründet. Von den für Wissenschaftlern interessanten Neuigkeiten wurden von nun an im „Journal des Sçavans“ und den „Philosophical Transactions“ berichtet. Es waren vor allem die Medizin und die Naturwissenschaften mit ihren vielfältigen neuen Erkenntnissen, die nach diesen neuen Kommunikationsmöglichkeiten verlangten.
Der wissenschaftliche Austausch wurde damit über Länder- und Sprachgrenzen hinweg wesentlich beschleunigt: Nicht länger tauschten sich nur Einzelne aus, sondern von nun an konnte die gesamte Wissenschafts-Community in Europa eine Fachdiskussion verfolgen. Man musste jetzt nicht mehr viele Jahre warten, um von den neuesten Entdeckungen eines Newton oder Leibniz zu erfahren. Die Zeitschriften, ob gedruckt oder heute auch in elektronischer Form, sind seitdem ein Spiegelbild des Fortschritts in Technik und Wissenschaft. Wissenschaft und Zeitschrift sind untrennbar miteinander verbunden. Die Begründung einer neuen Fachdisziplin geht bis heute mit der Gründung einer entsprechenden Fachzeitschrift einher.
Die moderne Fächervielfalt führte dazu, dass heute viele Hundertausende wissenschaftlicher Zeitschriften veröffentlicht werden. Sicherlich werden die meisten von ihnen nur von einem kleinen Fachpublikum gelesen. Doch für Forschende ist es entscheidend, in welcher dieser Zeitschriften sie ihre Arbeiten publizieren. Ist doch ihre weitere Karriere, nicht nur in den sogenannten MINT-Fächern, davon abhängig. Auch geht jeder Patentanmeldung eine aufwändige Suche in Fachzeitschriften voraus, um sicherzustellen, dass eine Erfindung wirklich neu ist. Wissenschaftliche Zeitschriften füllen in den großen Bibliotheken Aberhunderte von Regalmetern. Es ist eine Reise in die Geschichte von Technik und Wissenschaft, in ihnen zu blättern und auf oft längst vergessene Erfindungen und Entdeckungen zu stoßen. Gerade auch in der Bibliothek des Deutschen Museums, einer der international größten Sammlungen von Zeitschriften zu Naturwissenschaften und Technik.
Ein ausführlicher Beitrag zur Geschichte der wissenschaftlichen Zeitschrift erscheint in Anfang April 2015 in der  Ausgabe II/2015 von Kultur & Technik. Mehr zur Bibliothek des Deutschen Museums finden Sie auf der Webseite 
Helmut Hilz leitet die Bibliothek des Deutschen Museums. 

Autor/in

Bibliothek

Der Bestand der Bibliothek des Deutschen Museums umfasst heute rund 950.000 Bände. Damit ist sie die größte Museumsbibliothek Deutschlands. Als Spezialbibliothek für Naturwissenschafts- und Technikgeschichte verfügt sie über eine außerordentliche Fülle an Quellenmaterial. 
Doch wendet sich die Bibliothek, wie bei der Museumsgründung vorgesehen, auch an das breite Publikum, das sich über die aktuellen Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik ein Bild machen möchte.