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"Anthropozän: 30 Meilensteine auf dem Web in ein neues Erdzeitalter. Eine Comic-Anthologie" ist neu im Verlag des Deutschen Museums erschienen. 25 junge Zeichnerinnen und Zeichner beschreiben darin in 30 Comic Strips, wie der Mensch und die von ihm entwickelte Technik die Erde verändert haben. Jeder Comic erzählt seine Geschichte ausgehend von einem Museumsobjekt: Dampfmaschine, Dieselmotor oder Telefon. Für das Deutsche Museum ist es ungewöhnlich, Technik- und Wissenschaftsgeschichte von jungen Kreativen erzählen zu lassen. Wir stellen zwei beteiligte Künstlerinnen vor.

5 Fragen an Riikka Laakso und Marina Porras Chassignet

Studentinnen an der Universität der Künste Berlin an der Illustratorenklasse von Henning Wagenbreth. Als Semesterarbeit haben sie ein Comic-Projekt zum Anthropozän erarbeitet, das gerade als Buch im Verlag des Deutschen Museums erschienen ist.

Was macht einen guten Comic aus?

Marina Porras Chassignet (MPC): Einen guten Comic muss man weiterlesen wollen. Er muss nicht unbedingt lustig sein. Kann durch Humor, Ironie oder Sarkasmus erzählt werden. Wichtig ist, dass man die Geschichte versteht und dass man was dabei Neues lernen kann, dass man einen neuen Blickwinkel, eine neue Sicht bekommt die neue Fragen stellt.
Riikka Laakso (RL): Ich denke einen guten Comic kann vieles ausmachen. Angefangen von einer guten und interessanten Geschichte die er erzählt. Hinzu kommt dann noch die Erzählweise. Also mit welchen Mitteln wird die Geschichte erzählt. Etwa mit interessanten Perspektiven oder Erzählverlauf. Damit kann man beim Comic besonders gut spielen. Oder ich finde einen Comic interessant weil der Zeichenstil mich besonders gut anspricht. Oft kann mich ein Comic aber auch nur mit einer tollen Stimmung erreichen, ohne viel Action. Das kann alles sehr unterschiedlich aussehen. 

Wie findet man als Illustrator einen eigenen Stil?

MPC: Stil entwickelt sich immer weiter. Natürlich gibt es eine eigene Sprache die man zum Kommunizieren benutzt. Man hat aber die Freiheit, zu experimentieren und dadurch neue Wege zu entdecken, zum Kommunizieren und zum Erzählen. Wir sind ja nicht die gleichen, wenn wir 10 Jahre oder wenn wir 50 Jahre alt sind, obwohl unsere Füße immer unsere Füße bleiben.
RL: Mit sehr viel Übung und Geduld. Vor allem zu Beginn des Studiums konnte die Suche danach sehr frustrierend sein, weil man sich viele begnadete Illustratoren angeschaut hat und dachte: ja, so will ich auch illustrieren. Aber natürlich werden die meisten nicht damit geboren und so musste man lernen einfach viel dafür zu arbeiten und zu akzeptieren, dass es viel Zeit und Geduld kostet bis man dann irgendwann von einem eigenen Stil sprechen kann. Mein Tipp ist daher: Zeichnen, zeichnen, zeichnen.

Arbeiten Sie mit Papier und Stift? Oder digital? Was sind Ihre "Werkzeuge"?

MPC: Es kommt darauf an, an welchen Projekt ich arbeite. Ich mag unterschiedliche "Werkzeuge" z.B. Papier und bunte Papiere, Stoff, Schere, Bleistift, manchmal Computer und wenn möglich Siebdruck. Was interessant ist, ist neue Medien auszuprobieren. Gerade habe ich Filzstifte entdeckt!
RL: Ja ich arbeite noch sehr viel analog. Hauptsächlich mit Bleistift und Papier. Das ist der erste Schritt, dann geht es doch ins Digitale über. Mir gefällt es an Illustrationen, wenn sie noch einen analogen Charme behalten. Allerdings finde ich es auch toll wie der Computer einem vieles ermöglicht und vereinfacht. Daher koloriere und bearbeite ich die Zeichnungen, mal mehr und mal weniger am Computer nach. Allerdings hat das Digitale in den letzten Jahren zugenommen. Ich versuche gerade eine gute Balance zu finden.

Was war für Sie interessant oder überraschend bei der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum?

MPC: Es war interessant, einen Comic zu gestalten, der geschichtliches Wissen beinhaltet. Die Kombination Wissenschaft /Illustration oder Geschichte / ­Comic macht Information leichter zugänglich und verständlicher. Daran zu arbeiten war eine Herausforderung, durch die ich viel gelernt habe. Außerdem war es sehr aufregend, ein Buch zu gestalten, in der Geschichte im Comic-Format erzählt wird - und dabei die Themen des Anthropozäns vermittelt werden. RL: Es war schon toll und neu, sich mit wissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Auch weil das Museum uns viele Freiheiten gelassen hat und man diese Themen keinesfalls trocken darstellen musste. Die Zeit war sehr intensiv und unsere inhaltlichen und künstlerischen Betreuer Alexandra Hamann und Henning Wagenbreth haben uns super begleitet mit dem gemeinsamen Ziel: 30 gute Comics für das Deutsche Museum.

Was ist ihr nächstes Projekt?

MPC: Ich bin gerade von einer lange Reise zurückgekommen. Mein nächstes Projekt wird sein, Ordnung in meiner neuen Material­- und Ideen­sammlung zu schaffen und weiter mit Drucktechniken zu experimentieren.
RL: In diesem Semester beschäftigen wir uns in der Uni mit Buchillustration. Da gibt es also wieder jede Menge zutun. Nebenher arbeite ich als freiberufliche Illustratorin. Und nächstes Semester fängt mein letztes Semester an der UdK an, indem ich meine Masterarbeit machen werde.
Vielen Dank für dieses Gespräch, Marina und Riikka, und viel Erfolg für die neuen Projekte! Die Fragen stellt Annette Lein von der Internetredaktion. Die Bildausschnitte der Comics und die Illustrationen stammen aus der Comic-Anthologie. Bildklick zeigt weitere Informationen.
Marina Porras Chassignet ist 1985 in Barcelona/Spanien geboren. Mit 22 Jahren kam sie nach Deutschland.  2008 machte sie ihren Bachelor in Psychologie an der Universität Barcelona und seit 2011 studiert sie an der Universität der Künste in der Klasse Illustration. Seitdem lebt und arbeitet sie in Berlin. 2015 wird sie an ihrer Abschlussarbeit arbeiten. Ihre Comics: Mit Feuer Wasser heben: Dampfmaschine Die Geschichte des Loches: Werkzeugmaschinen
Riikka Laakso ist 1987 in Kerava/Finnland geboren. Mit 8 Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. 2012 machte sie ihren Bachelor in Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Mainz. Seitdem lebt und arbeitet sie als freiberufliche Illustratorin in Berlin und hat mit einer Gruppe von Illustratoren das Kollektiv „Parallel Universe“ gegründet. Seit 2013 studiert sie an der Universität der Künste in der Klasse Illustration. 2015 wird sie an ihrer Masterarbeit arbeiten. Ihr Comic: In drei Tagen um die Welt: Airbus A 300

Comic Anthologie

Anthropozän – 30 Meilensteine auf dem Weg in ein neues Erdzeitalter
Alexandra Hamann, Reinhold Leinfelder, Helmuth Trischler und Henning Wagenbreth (Hrsg.)
Der Comic präsentiert dreißig Objekte aus den Abteilungen des Deutschen Museums auf kreativ-künstlerische Weise. Studierende der Universität der Künste Berlin haben Bildergeschichten zu den Objekten entwickelt, die uns diese im Kontext des Anthropozäns auf eine neue Weise lebendig werden lassen. 30 spannende Kurzgeschichten führen uns in jeweils acht Bildern quer durch das Museum.
2014, 82 Seiten, broschiert, 14,95 € Mehr zu diesem Buch- und reinlesen in die Comics
Das Comic-Projekt ist Teil der großen Sonderausstellung "Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde", die am 5.12.2014 eröffnet wird. Mehr zu dieser Ausstellung

Autor/in

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Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!