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Von Annette Lein
Haben wir Lieblingsobjekte im Museum? Und wieso hat uns das noch nie jemand gefragt? Dem geht Hannah Fröhler derzeit nach. Die Abiturientin macht ein Freiwilliges Soziales Jahr der Kultur in der Abteilung Bildung des Deutschen Museums und arbeitet in der Museumspädagogik bei den Programmen für Kinder- und Jugendliche mit. Als es darum ging für die Sonderausstellung "Zukunft leben: Die demographische Chance" ein passendes Programm zu entwickeln, kam die Idee auf, über Ausstellungsstücke Alt und Jung in Kontakt zu bringen. Jetzt hat Hannah neben Kindern eine neue Gruppe im Blick: Senioren.
Letztes Jahr waren alle Mitarbeiter des Deutschen Museums ganz offiziell aufgerufen, ihre "Lieblingsobjekte" zu nennen. Ich wollte mich unbedingt an dem Projekt beteiligen, fand aber dann die Zeit nicht… Gemeldet haben sich jedoch ehrenamtliche Mitarbeiter, Seniorinnen und Senioren, die in ihrer freien Zeit ganz freiwillig im Deutschen Museum arbeiten. Viele haben Spannendes zu den Objekten zu erzählen, biographische Verbindungen, persönliche Geschichten, denen Hannah gerade nachgeht. Daraus werden unter anderem Führungen entwickelt, die diese ehrenamtlichen Mitarbeiter am Familientag am 9. Februar für Kinder anbieten. Ob sich da wohl eine demografische Chance auftut? "Kinder erleben Objekte anders, direkter und unmittelbarer", sagt Hannah. Und um das zu testen, sind am 29. Januar, also nächsten Mittwoch um 15.30 Uhr Kinder aufgerufen, ins Deutsche Museum zu kommen und sich vor, hinter oder unter ihren Lieblingsobjekten fotografieren zu lassen. Dabei kommt  man unweigerlich ins Gespräch, denn: was spricht Dich an?
Das frage ich auch Hannah, und die muss lachen, weil sie noch gar nicht darüber nachgedacht hat, was eigentlich ihr Lieblingsobjekt ist. Und auf der Suche nach dem Lieblingsstück erfahre ich eine ganze Menge über sie. Nach längerem in-sich-Gehen wählt Hannah eine Abteilung aus, in der sie mehrere Lieblingsobjekte hat: die Zeitmessung. "Ich interessiere mich eigentlich gar nicht so für Naturwissenschaft und Technik", sagt sie und lacht wieder, "Aber ich mag das Museum, klar, sonst wäre ich ja gar nicht hier." Besonders gut gefällt ihr die Ausstellung Zeitmessung mit dem heimeligen Holzfußboden, von allen Seiten tönt es Tick-Tack und Klack-Klack. "Die hat eine ganz andere Ästhetik als die anderen Ausstellungen", findet sie. Am besten gefällt ihr eine Vitrine mit vergoldeten Tischuhren aus dem 16. Jahrhundert, die sehr filigran gearbeitet sind, mit vielen Details und großer Handwerkskunst. Das Lieblingsstück ist die Atlas-Uhr. "Es hat mich schon bei meinem ersten Besuch beeindruckt, wie der Atlas unter der Zeitlast gebeugt ist." 
"Es wundert mich eigentlich, dass es die Frage nach den Lieblingsobjekten so noch nicht gab" - sagt Hannah Fröhler auf unserem Rückweg. Es mag damit zu tun haben, dass persönliche Geschichten lange Zeit hinter dem Vermitteln von technischen Daten über Objekte weit zurückstanden, denke ich mir. Die Zeiten ändern sich - und damit auch die Herangehensweise der Museen und die Erwartungshaltung der Besucher. Ein schönes Beispiel dafür sind die #museumselfies, die gerade durchs Netz zirkulieren. Ein selfie ist ein Selbstporträt, üblicherweise mit dem Smartphone in der eigenen Hand auf Armeslänge von sich gestreckt oder vor dem Spiegel aufgenommen, das dann über die sozialen Netzwerke geteilt wird. Und, ja, unsere Besucher lieben es, sich im Museum zu fotografieren! Man kann Teil der Mondlandung werden oder tun als ob man in der Ju-52 fliegt - das ist nichts Neues. Neu ist der selfie-Aspekt, die Selbstinszenierung und das sofortige Einspeisen ins Netz. Museumsleute haben sich einen Spaß daraus gemacht und unter dem Hashtag #museumselfies bei Twitter Nutzer aufgerufen, Selbstporträts im Museum zu teilen. Es lohnt sich, das anzusehen und die Kulturpessimisten zu überhören, die fürchten, dass die Besucher heutzutage, vor allem die Jugendlichen, das Museum nur über ihren Handybildschirm wahrnehmen und lediglich "Ich war auch da" kommunizieren wollen. 
Ich bin jedenfalls gespannt auf die "Selfies", die Hannah Fröhler mit Besucherinnen und Besuchern vor den Lieblingsobjekten in Szene setzt. Wir halten Sie im Blog auf dem Laufenden über das Projekt. Und nicht verpassen:
  • 29. Januar 2014 Fotosession: Du und Dein Lieblingsobjekt für Kinder und Jugendliche von 9 bis 15 Jahren
  • 9. Februar 2014: Familientag mit Führungen und weiteren Fototerminen zu Lieblingsobjekten
Haben Sie ein Lieblingsobjekt? Schreiben Sie uns einen Kommentar!

Autor/in

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Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!