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Von Frank Steinbeck
Das Verkehrszentrum präsentiert mit einer Imperia Rheingold von 1934 seinen Besuchern ein neues Motorrad in Halle I (Stadtverkehr). Besonders erfreulich ist, dass sich die Geschichte dieses Fahrzeugs lückenlos zurückverfolgen lässt. 1935 erstmals zugelassen, blieb die Imperia bis in die 1990er Jahre in Familienbesitz, wodurch auch der Kfz-Brief von 1934 überliefert ist. Da sie seit den 1950er Jahren in einer Scheune stand, sind selbst die Nummernschilder aus den 1930er Jahren erhalten geblieben.
1996 kaufte der Kfz-Meister Helmut Kretzschmar (1934-2009) die Imperia, der das Motorrad anschließend vollständig restauriert hat und zwischen 1998 und 2009 nur rund 1500 Kilometer gefahren ist. Nach seinem Tod 2009 entschloss sich seine Frau Rosemarie Kretzschmar, die Imperia dem Deutschen Museum zu stiften, um sie als Andenken an ihren Mann der Öffentlichkeit in einem Museum zugänglich zu machen.
Die Imperia Rheingold von 1934 gehörte mit einem Neupreis von 1650 Reichsmark zu den teureren Sportmotorrädern der 1930er Jahre. Diese wurden meist von der städtischen Mittelschicht gekauft und in der Freizeit genutzt. Als kleiner Anbieter konnte die Imperia Fahrzeugwerk GmbH aus Bad Godesberg nur wenige Exemplare dieses exklusiven Modells absetzen. Das Motorrad besitzt einen luftgekühlten 2-Zylinder-Viertakt-V-Motor mit 847 cm³, den die in der Schweiz ansässige Firma MAG lieferte. Die Maschine leistete 26 PS und besaß eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 130 km/h. Bildergalerie Imperia:
Die im Motorsport sehr erfolgreiche Marke Imperia baute von 1925 bis 1935 Motorräder und verwendete dabei meist ausländische Motoren. Im Dritten Reich erschwerten höhere Einfuhrzölle sowie die Propaganda für deutsche Erzeugnisse den Import. Bei dem Versuch, einen eigenen Motor zu entwickeln und zudem in die Automobilherstellung einzusteigen, übernahm sich die Firma finanziell und stellte 1935 die Produktion ein.
Frank Steinbeck ist wissenschaftlicher Volontär am Verkehrszentrum.

Autor/in

Frank Steinbeck

seit März 2015 Kurator für Straßenverkehr am Deutschen Museum. Zuvor Volontär am Verkehrszentrum des Deutschen Museums und danach kurzzeitig wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Brücken- und Wasserbau. Er hat an der Technischen Universität Berlin Geschichte, Politikwissenschaft sowie Wissenschafts- und Technikgeschichte studiert. Sein Tipp für einen Besuch im Verkehrszentrum des Deutschen Museums auf der Theresienhöhe: Unser "Barockengel", der BMW 502: Das Fahrzeug diente 1965 bis 1970 als Dienstfahrzeug des damaligen Münchener Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel.