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Das britische Forschungsschiff "Challenger" startete 1872 auf eine mehrjährige Expedition. Bemerkenswert ist es, dass auf dieser Fahrt unter britischer Flagge ein junger deutscher Zoologe aus Schleswig-Holstein, Rudolph von Willemoes-Sohm, im wissenschaftlichen Stab mitreisen durfte. Man sieht ihn rechts im Bild, etwas verdeckt von der Hand über eine Schublade gebeugt. Links im Bild ist Professor Wyville Thomson, der als Direktor die Forschungsaktivitäten auf dem Schiff leitete und dort ein eigenes chemisches Labor hatte. Von der Expedition sind Stiche, Schiffszeichnungen, Beschreibungen, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen erhalten. Wie entsteht aus diesen Quellen ein Diorama, das möglichst detailreich und authentisch sein muss?
Fragt man Franz Huber, den Leiter der Modellbauwerkstatt des Deutschen Museums, so hört man als erstes: Das geht nur in Teamarbeit! Kuratoren schaffen zeitgenössische Pläne und andere Quellen heran. In Zusammenarbeit mit der Malerwerkstatt und den Bildhauern entstehen Schritt für Schritt einzelne Teile: Meeresvögel und die beiden Forscher-Figuren werden modelliert, ein Smith Mikroskop wird als Modell nachgebaut, Bodenplatten werden verleimt und das Hintergrundgemälde angefertigt. Aus vielen, vielen Einzelteilen entsteht ein detailreiches und authentisches zoologisches Labor, an dem man sich, jetzt wo es fast fertig ist, gar nicht sattsehen kann. Der mitreisende Zoologe Willemoes-Sohm beschreibt das zoologische Labor auf der Challenger selbst in einem Brief vom 5. Februar 1873 an Professor Siebold in München, dessen Assistent er an der Münchner Universität war:
"…'Challenger' ist in der Tat mit einer kleinen reisenden Akademie zu vergleichen, deren Laboratorien und Bibliothek aufs beste ausgerüstet sind. (…) Was die Mikroskope anbelangt, so interessiert Sie vielleicht die getroffene Auswahl: Wir haben drei Hartnack, vier Merz, ein Winkel (Göttingen), ein Smith und Beck Binokularinstrument, ein Ross, ein Präpariermikroskop von Zeiss, einfache Mikroskope zum Präparieren und Lupen … Unsere feinen Münchener Pinzetten und Starnadeln habe ich natürlich auch hierher verpflanzt. …" 
Den Reiz des Dioramas machen auch authentisch gearbeitete Details wie die Botanisiertrommeln und ein Set Harpunen aus, oder die Montierlupe nach historischem Vorbild oder die Blumenpresse, die im Diorama funktionstüchtig ist, doch auf der echten Challenger wegen Feuchtigkeitsproblemen nicht benutzt werden konnte. Jedes einzelne Detail wird immer wieder auf seine Wirkung der Echtheit hin überprüft, um am Ende jenen Eindruck von Authentizität zu vermitteln, die den Zauber des Dioramas ausmacht.
Wer nicht mehr warten will, bis das Diorama im derzeit entstehenden Bereich  'Meeresforschung' ausgestellt wird, kann demnächst einen Blick darauf zu werfen: Am 8. Juni 2013 zum Tag der offenen Tür können Sie einen Blick hinter die Museumskulissen werfen. Dann stellen einige unserer 23 Fachwerkstätten ihre Arbeit vor. Die Modellbauwerkstatt wird geöffnet sein, das Challenger-Diorama können Sie dort sehen.  Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig. Mehr zum Tag der offenen Tür

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Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!