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Von Fabienne Huguenin
Eine Porträtsammlung im Deutschen Museum? Für gewöhnlich betrachtet man Porträts in einem Kunstmuseum und erwartet sie nicht unbedingt an einem technisch ausgerichteten Haus. Und doch wird man hier fündig: Im Archiv des Museums lagern Gemälde, Fotografien und Druckgrafiken mit Porträts berühmter Wissenschaftler, Techniker, Ingenieure und Industrieller. Der zeitliche Schwerpunkt liegt im 19. und 20. Jahrhundert, jedoch sind auch einige schöne Blätter früherer Jahrhunderte darunter, wie beispielsweise Kupferstiche der Augsburger Künstlerfamilie Kilian oder des Verlegers und Kupferstechers Theodor de Bry.
Was vielen nicht bekannt ist: Oskar von Miller nannte 1904 als ein Ziel des Deutschen Museums, neben herausragenden Objekten der Technik, Wissenschaft und Industrie auch die bedeutenden Wissenschaftler zu würdigen. Um das „Andenken an die bahnbrechenden Forscher und Techniker“ zu bewahren, erfolgte der Aufbau der Porträtsammlung, die bis zum heutigen Tag ergänzt wird und bereits auf eine stattliche Zahl von über 10.000 Blatt und einigen Gemälden angewachsen ist. Im Museum wurden Porträts früher gemeinsam mit den Objekten ausgestellt, die mit einem Wissenschaftler oder Ingenieur in Verbindung standen, wodurch nicht nur die technische Errungenschaft, sondern die Bedeutung des Individuums betont wurde.
Hans Danner (1508-1573 ?), Mechaniker, Schrauben- und Armbrustmacher aus Nürnberg, fertigte große Schraubenwerke aus Eisen oder Messing an. Das Porträt zeigt ihn mit einem Werkstück in seiner linken Hand, an dem er mit einem langen Schraubenschlüssel dreht. Die Angaben auf dem Blatt liefern Hinweise auf seine Lebensdaten: "Hanns Danner, seines Alters 65 Jarr A.1573". 
Dennoch ist Vorsicht geboten, denn auch der Künstler kann sich geirrt haben. In der Literatur wird als Todesjahr auch 1545 überliefert, und sein jüngerer Bruder soll 1585 mit 88 Jahren verstorben sein. 
In einer kurzen biografischen Beschreibung aus dem Jahr 1840 heißt es zu Hans Danner:
"Vor diesem erfinderischen und kunstreichen Mann ist keiner gefunden worden, der so, wie er, die harten Metalle, als Eisen und Messing, zu zwingen, zu schrauben und zu drechseln verstanden hätte; und er war dermaßen künstlich, daß er unter seinen Händen von dem Eisen und Messing aus dem Gewinde solche Späne trieb, als wär es pures Holz. Er war auch der Erste, welcher starke Maschinen mit Schrauben ohne Ende für das Nürnbergische Zeughaus verfertigte, um großes Geschüz leicht in die Höhe und auf die Laveten zu bringen." (Rudolf Marggraff: Kaiser Maximilian I. und Albrecht Dürer in Nürnberg, Nürnberg 1840, S. 43)
Heute kommen solchen Porträtsammlungen mannigfaltige Funktionen zu. Sie können im einfachsten Fall illustrativen Zwecken dienen, beispielsweise um einen biografischen Text mit Bildmaterial zu schmücken. Manch einer wird bei genealogischen Nachforschungen auf einen berühmten Vorfahren treffen und möglicherweise Angaben zu seinem Ahnen auf dem Blatt finden, die ihm bislang unbekannt waren.
Auch die Forschung profitiert davon, dass seit einigen Jahren verstärkt Digitalisierungsprojekte im Bereich der Gattung „Porträt“ gefördert werden. Bislang waren solche Sammlungen nur schwer zugänglich und die Publikationen veraltet. Die Erschließung und spätere Veröffentlichung der Datensätze bietet nun die Möglichkeit, vielfältigen Fragen nachzugehen, wie beispielsweise der Darstellungstradition von Wissenschaftlern innerhalb der letzten Jahrhunderte oder dem sozialen Rang verschiedener Berufsgruppen. Auch Utensilien, die auf dem Porträt mit abgebildet sind, können dem heutigen Wissenschaftler wichtige Hinweis auf technische Verfahren liefern. 
Gemeinsam mit acht Partnerarchiven stellt das Archiv des Deutschen Museums künftig einen Fundus von rund 33.000 Porträts zur Verfügung. Das Projekt DigiPortA wird im Rahmen des Pakts für Forschung und Innovation von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert.
Was anhand einer solchen Bilddatenbank zukünftig alles erforscht und entdeckt wird, darf mit Spannung erwartet werden. Fest steht bereits, dass auch die Porträtsammlung des Deutschen Museums, die bis 2015 erfasst und online gestellt wird, der Forschung ein hervorragendes Instrumentarium an die Hand gibt, um verschiedensten Themenfeldern anhand dieses Quellenmaterials nachzugehen.  
Matthaeus Fleck (1524-1592), auch: Matthaeus Flaccus (latinisierter Name), geboren in Zwickau, war Pestarzt und Erster Stadtphysicus von Berlin. Ein Stadtphysicus war ein vom Rat der Stadt eingesetzter Arzt, dessen Funktion dem heutigen Gesundheitsamt ähnelt.
In der rechten Hand hält er ein Tellurium, das den Umlauf der Planeten um die Sonne veranschaulicht. Stadtärzte erstellten damals auch Kalender mit astrologischen Wetterprognosen. Unter dem Porträt finden sich im Inschriftenfeld drei lateinische Textzeilen: "Doctor Matthaeus Flaccus Medicus et Physicus Berlinensis Excellentissimus Natus Anno 1524. Obiit. Ao. 1592. Aetat: 67". 
Möchten Sie mehr über das Archiv des Deutschen Museums erfahren?
  • Webseite des Archivs
  • <media 26358 _blank pdf "Download Archiv-Flyer">Flyer als PDF-Download</media>
Fabienne Huguenin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Projekt DigiPortA. Portätmalerei ist einer der Forschungsschwerpunkte der Kunsthistorikerin. Das Thema ihrer Promotion lautet "Hässlichkeit im Portrait – Eine Paradoxie der Renaissancemalerei". 

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Gastblogger

Immer wieder schreiben Gäste im Blog - Informationen zu diesen Autorinnen und Autoren finden sich im jeweiligen Beitrag. Als Gastblogger schrieben in letzter Zeit: <link 12873 - internal-link-new-window "Opens internal link in new window">Jutta Schlögl</link> war als Physik-Ingenieurin im Bereich Technische Entwicklung tätig und ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Museums. Sie leitet das Projekt Experimentier-Werkstatt.Dorothea Föcking ist Hamburger Abiturientin und macht ein zweimonatiges Praktikum im Vorbereitungsteam der Sonderausstellung "Anthropozän". Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Bei einem Museumsbesuch sollte man unbedingt Halt in der <link 81 - more>Pharmazie-Ausstellung</link> machen, um in das Innere der riesigen, gemütlichen Zellnachbildung zu schauen.