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Von Thomas Rebényi Vor 100 Jahren, am 21. Oktober 1912, starb im Alter von 65 Jahren Dr.phil.h.c. Sigmund Riefler. Sigmund Riefler war unter anderem Konstrukteur und Produzent von Sekundenpendeluhren einzigartiger Präzision. Sie gelten als die genauesten mechanischen Uhren. Aus diesem Grund befanden sie sich in Instituten und Sternwarten auf der ganzen Welt. Sie wurden als Zeitzeichengeber für die Schifffahrt und den Rundfunk genutzt. Übertroffen wurden sie erst von den noch genaueren Quarz- und Atomuhren. 
Sigmund Riefler wurde am 9.8.1847 im Allgäu geboren. Sein Vater Clemens Riefler (1820-1876) leitete eine Werkstatt in der Pendeluhren und andere technische Instrumente gefertigt wurden. Er besuchte die Gewerbeschule in Kaufbeuren und erhielt im Betrieb der Eltern eine mechanische Ausbildung. Mit 15 Jahren fertigte er dort seine erste Uhr. An der Technischen Hochschule in München studierte er Maschinenbau, Mathematik und Geodäsie, an der Universität Physik und Astronomie. Der 22 jährige Sigmund fertigte 1869 eine erste Präzisionshemmung für Pendeluhren. 
Nach dem Studium erhielt Sigmund Riefler 1870 bei der Königlich Preußischen Landvermessung in Schleswig eine Anstellung. 1876 kehrte er nach dem Tod des Vaters nach Hause zurück und leitete gemeinsam mit seinen Brüdern die Firma Clemens Riefler in Nesselwang. Während die Brüder Adolf und Theodor um die kaufmännische bzw. die technische Leitung übernahmen, konstruierte Sigmund die Produkte der Firma und entwickelte sie weiter. Um zu den wissenschaftlichen Instituten und vor allem zur Sternwarte eine engere Verbindung pflegen zu können, zog Sigmund Riefler 1878 nach München und eröffnete am Lenbachplatz ein Prüf- und Forschungslabor. Sigmund Riefler erhielt für seine Arbeiten neben vielen anderen Ehrungen und Würdigungen 1897 die Ehrendoktorwürde (Dr. h.c. phil.) sowie den Titel eines Königichen Kommerzienrates. 
Seine Ehe mit Emilie Riefler, geb. Gräfin von Lamberg blieb kinderlos. Sigmund Riefler starb am 21.10.1912 und wurde neben seiner Frau auf dem Alten Nördlichen Friedhof in München beerdigt.   
Sieben der zwischen 1890 und 1965 verkauften 635 Präzisionspendeluhren befinden sich heute im Deutschen Museum. Von diesen sind heute drei in der Abteilung Astronomie und drei in der Abteilung Zeitmessung ausgestellt.
(Gravur auf dem Zifferblatt: S. Riefler  München 1890) 1890 gebaut war sie am 27.7.1891 an die Sternwarte in München/Bogenhausen ausgeliefert worden.  Mahagonigehäuse, mechanischer Aufzug, 8-Tage-Gehwerk mit Freier Federkrafthemmung und Quecksilberkompensationspendel. Seit 1994 befindet sich die Uhr im Deutschen Museum und ist in der Abteilung Astronomie ausgestellt.
Die Freie Federkrafthemmung war bereits am 18.7.1889 patentiert worden als:
DRP N° 50739 Doppelradhemmung für Chronometer mit vollkommen freier
Unruhe und für Pendeluhren mit freiem Pendel.

Weiter Patente folgten:
1891:
DRP N° 60059 Quecksilber-Kompensationspendel.
1897:
DRP N° 100870 Pendel mit Nickelstahlstange und mehreren
zusammenwirkenden Compensationsröhren.
1903:
DRP Nr. 151710 Elektrische Aufziehvorrichtung für Uhren mit einem
treibenden Gewichtshebel und einem Elektromagneten zum Heben desselben.

Erst nach seinem Tod wurde 1913 patentiert:
DRP N° 272119 Schwerkrafthemmung mit zwei Antriebshebeln.
Diese Uhrenanlage kam bereits 1905 persönlich von Sigmund Riefler als
Stiftung zur Einweihung des Deutschen Museums in die Abteilung Zeitmessung:

Rechts: Nr. 98 als Hauptuhr, Freie Federkrafthemmung mit elektrischem
Aufzug im Glastank.

Links: Nr. 139 als Nebenuhr, Freie Federkrafthemmung mit elektrischem
Aufzug.

Die Hauptuhr steuert eine Spule, deren Magnetfeld auf das Pendel der
Nebenuhr wirkt. Diese wird so mit ihr synchron gehalten.



Haben Sie Interesse an den Riefler-PräzisionsPendelUhren gefunden?
Sie finden noch die Nr.38 von 1899 und die Nr.87 von 1910 in der
Abteilung Astronomie 3.Stock, neben der Uhrenanlage in der Zeitmessung
die Nr.270 von 1912.
Bei den Turmuhren in der Zeitmessung können Sie die Freie
Federkrafthemmung noch „freier“ beobachten, als dies bei einer der oben
beschriebenen Uhren im geöffneten Zustand möglich wäre.
Thomas Rebényi ist Uhrmachermeister und leitet die
Restaurierungswerkstatt Wissenschaftliche Instrumente und Uhren am
Deutschen Museum. In seiner Werkstatt hat er derzeit das Pendel der
Riefler Uhr Nr. 1 zur Restaurierung. Ansonsten befinden sich dort gerade
in Arbeit: zwei weitere astronomische Pendeluhren von ca. 1780 und 1810,
eine Mysterieuse Tischuhr von ca.1850 und ein Meridiankreis – ein nur in
der Vertikalen bewegliches Fernrohr zur Himmelsbeobachtung – von ca. 1830.



Literatur:
Dieter Riefler: „Riefler-Präzisionspendeluhren 1890 - 1965",
Callwey-Verlag, München 1981
Hans-Heinrich Schmid: „Dr. phil. h.c. Sigmund Riefler *09.08.1847,
+21.10.1912 zum Hundertsten Todestag“, Gammertingen

Fotos:
Deutsches Museum
Dieter Riefler

Autor/in

Gastblogger

Immer wieder schreiben Gäste im Blog - Informationen zu diesen Autorinnen und Autoren finden sich im jeweiligen Beitrag. Als Gastblogger schrieben in letzter Zeit: <link 12873 - internal-link-new-window "Opens internal link in new window">Jutta Schlögl</link> war als Physik-Ingenieurin im Bereich Technische Entwicklung tätig und ist seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Museums. Sie leitet das Projekt Experimentier-Werkstatt.Dorothea Föcking ist Hamburger Abiturientin und macht ein zweimonatiges Praktikum im Vorbereitungsteam der Sonderausstellung "Anthropozän". Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Bei einem Museumsbesuch sollte man unbedingt Halt in der <link 81 - more>Pharmazie-Ausstellung</link> machen, um in das Innere der riesigen, gemütlichen Zellnachbildung zu schauen.