Direkt zum Seiteninhalt springen

von ,

Von Annette Lein und Rainer Sorgenfrei

Bei den diversen Bauarbeiten, die am Museum stattfinden, könnte man den gelben Hubsteiger fast übersehen. Doch dann machen sich zwei Männer in schwindelnden Höhen am baulichen Wahrzeichen des Museums zu schaffen, mit Bohrern und Schläuchen. Was ist da los? Es geht ein Riss durch unseren Turm. Von der "0" der Windmesseranzeige bis zum Dach des darunterlegenden Ausstellungstrakts zieht er sich ca. 30 m durch den Beton. 4mm breit und ca. 35 cm tief. Risse im Beton gibt es immer wieder, sie haben die unterschiedlichsten Ursachen. Bei unserem Turm haben wir Glück, für sein Alter ist er in relativ gutem Zustand - dabei ist er älter als das Museumsgebäude selbst. 

Museumsgründer Oskar von Miller wollte, dass das Museumsgebäude selbst ein technisches Meisterwerk wird. Zum Einsatz kam daher der damals neue, viel versprechende Baustoff Beton bzw. Stahlbeton. Zeitweise war das Deutsche Museum die größte Stahlbetonbaustelle Deutschlands. Der Museumsturm selbst wurde im so genannten Stampfbeton-Verfahren errichtet. 123 im Untergrund eingelassene Pfähle mit sechs bis neun Metern Länge stützen das eigentliche Fundament, das aus einer 1,5 Meter dicken Stahlbetonplatte besteht. 1911/12 war der Turm im Rohbau fertig gestellt. Die Eröffnung des neuen Museumsgebäudes erfolgte jedoch erst im Jahr 1925, da der 1. Weltkrieg und dessen Nachwirkungen zu erheblichen Verzögerungen geführt hatte.

Und heute? Die Herren auf dem Hubsteiger bohren Löcher im Zickzack am Riss entlang. So ungefähr alle 17 cm wird gebohrt. In die Löcher setzen sie sogenannte Packer. An die wird ein Schlauch angeschlossen und Kunststoff mit einem Druck von 160 bar eingespritzt, um den Riss zu füllen. Nach ein paar Tagen werden die Packer abgeschlagen und die Löcher verspachtelt. Dann sollte für viele Jahre alles dicht sein.

Weil wir aber ganz genau wissen wollen, was Sache ist werden zudem Messpunkte und ein Messgerät angebracht, welches täglich mehrere Messungen vornimmt und speichert. Aus den Ergebnissen lassen sich hoffentlich Rückschlüsse auf die Rissursache schliessen.

An diesem Oktobertag blicken wir hoch auf den Turm, studieren Windmesser, Barometer, Thermometer und den weißblauen Himmel: bestes Wiesnwetter, alles wird gut!

Rainer Sorgenfrei ist Architekt in der Bauabteilung des Museums und betreut diverse Baustellen, der Museumsturm ist eine davon.

Autor/in

Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist.

Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!