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Heute konnte ich wieder einmal eine Reise antreten, ohne das Museum zu verlassen. Ziel war das Raumlabor Columbus, das vor zwei Jahren an die internationale Raumstation ISS angedockt wurde. Zur Geburtstagsfeier luden DLR und ESA alle Besucher zum Space Event ins Deutsche Museum mit einer Live-Videoschaltung ins Raumlabor, das zur Zeit in etwa 350 km Höhe um die Erde kreist. Reinhold Ewald, ehemaliger ESA-Astronaut, einer der Flight Directors aus dem Deutschen Raumfahrt-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen und ein Moderator führten in das Thema ein. Wie wird Wissenschaft im Raumlabor durchgeführt? Was passiert, wenn der Astronaut sein Werkzeug verlegt? Welche besonders brenzligen Situationen gab es in den zwei Jahren Betrieb des Raumlabors? Mich hat vor allem die Koordination durch das Flugkontrollteam am Boden beeindruckt. Im DLR in Oberpfaffenhofen wird die Mission rund um die Uhr von mindestens vier Personen überwacht. An Konsolen sitzt da unter anderem der Eurocomm, der mit den Astronauten direkt sprechen kann, ein anderes Team überwacht alle mechanischen Aktivitäten der Astronauten – die wissen dann im Zweifelsfall auch, wo das verschwundene Werkzeug liegt. Der Flight Director kann sehen, wenn "oben" Gefahr im Verzug ist. Höchstgefahr besteht, wenn Feuer ausbricht. Das ist in den zwei Jahren nie passiert, doch gab es drei Fehlalarme. Außerdem gibt es einen genau festgelegten Zeitplan der Astronauten, in dem vom Schlafen über die Experimente bis zur Shuttle-Ankunft alles durchgeplant ist. Das muss sein, denn Platz und Material sind knapp. Wissenschaftliche Experimente wollen alle machen - allein für das Columbus Labor laufen 45. Sechs Astronauten können sich in der internationalen Raumstation aufhalten, zwei davon sind trainiert, um im Raumlabor Columbus arbeiten können. Dort werden unter anderem Experimente zur medizinischen Forschung durchgeführt, beispielsweise zu gestörtem Blutdruck oder Osteoporose. Dabei ist jeder Astronaut selbst schon Teil eines Experiments, denn die Grundlagenforschung in der Schwerelosigkeit ist für alle anders.
Und was ist auf den Live-Bildern aus dem Raumlabor zu sehen? Erstmal: alles ist vollgestellt und es ist furchtbar eng. Das Raumlabor befindet sich an der Spitze der ISS, wo die Shuttle andocken, die Material und Astronauten transportieren. Ein Shuttle ist gerade oben und alles, was transportiert werden muss, wird in der Nähe der Türe abgestellt. Auch schwebte ein undefinierbares Objekt in Form des blauen Planeten durchs Bild. Unter Astronauten ist es üblich, sich Gastgeschenke mitzubringen - und dieses war von der Shuttlebesatzung mitgebracht worden. Am beeindruckendsten war es, wenn ab und zu ein Astronaut durchs Bild schwebte. In deren Zeitplan war vermerkt, dass es eine Live-Schaltung ins Deutsche Museum gibt mit der Bitte um Winken in die Kamera :-).  Und so schwebt die ISS weiter, umkreist in 24 Stunden etwa 16 Mal unsere Erde. Manchmal kann man sie mit bloßem Auge am Nachthimmel erkennen. Mehr Informationen zum Columbus Raumlabor gibt es heute bis 17 Uhr in der Luftfahrthalle des Deutschen Museum. Und auf den Seiten von DLR und ESA.

Autor/in

Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist.

Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!