Zeitgleich mit dem Deutschen Museum wurde 1903 die Bibliothek der Einrichtung gegründet. Der Öffentlichkeit war sie 1908 das erste Mal zugänglich. Damals umfasste der Bestand noch 22.000 Bände. 123 Jahre später erwirbt die mittlerweile zweitgrößte Museumsbibliothek Europas ihren millionsten Band. Das Lieferwerk “Costumes Français - Civils, Militaires et Religieux” über historische Kostüme, Waffen und Möbel von Charles Auguste Herbé (1801-1884) kann man zukünftig im Sonderlesesaal bei den “Libri rari” lesen - den besonders wertvollen und schützenswerten Büchern.
Das Buch besticht mit seinen aufwendigen, handkolorierten Lithografien der historischen Gewänder und Ausstattung - lebendig dargestellt, von der Römerzeit bis zum Beginn der 1830er Jahre, kurz nach Napoleon. Herbé lieferte nicht nur die Texte, sondern auch die Zeichnungen. Er war Maler, zuerst in Paris und nicht ganz unerfolgreich. Offensichtlich war er auch berufsbedingt an Modegeschichte interessiert. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er aber in Reims, seiner Heimatstadt, wo er 40 Jahre lang als Zeichenlehrer und Maler tätig war.
Auch wenn das Werk, das zwischen 1834 und 1837 in 20 monatlichen Lieferungen erschien, durch die Gestaltung der über 100 detailreichen und lebendigen Lithografien besticht und damit auch einen wertvollen visuellen Eindruck über die Entwicklung der Mode liefert, mag man sich über den Zusammenhang zum Deutschen Museum, also einem Haus für Technikgeschichte, wundern. Im Gespräch ordnet Helmut Hilz, seit 1998 Leiter der Museumsbibliothek, das Werk und seine Anschaffung in den Museums- und Sammlungskontext ein, spricht über die Besonderheiten der Bibliothek des Deutschen Museums und die Herausforderungen der kommenden Jahre.