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Kinder bringen im Trickfilm-Workshop kleine Dioramen groß raus.

Das Deutsche Museum ist einem ständigen Wandel unterworfen. Dies zeigt sich aktuell besonders durch die Zukunftsinitiative, in deren Rahmen das ganze Museum erneuert und modernisiert wird. Um den Museumsbesuch für alle Alters-/Zielgruppen noch ansprechender zu gestalten, werden verschiedene Vermittlungsformate überarbeitet und angepasst. Dabei stehen auch unsere bekannten und beliebten Dioramen – die auch in den neuen Ausstellungen eine wichtige Rolle spielen.

Diese „Schaukästen“ werden im Museum in Handarbeit angefertigt und gewähren einen Einblick in Technik der Vergangenheit und deren Anwendung in der damaligen Gesellschaft. Dioramen ziehen Erwachsene und Kinder in ihren Bann. Denn durch die detaillierte und realistische Inszenierung wird die Fantasie der Betrachtenden angeregt, sodass diese sich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit versetzt fühlen.

Kinder sehen anders

Um noch mehr Wissen zu vermitteln, sollen bei Dioramen des Ausstellungsbereichs „Energie-Dampf“ (Eröffnung 2028) zusätzlich Hörstationen angeboten werden – mit eigenen Kinder-Hörspuren, die historische Szenen verständlich und interessant aufbereiten. Um dafür möglichst gut ihre Interessen einbringen zu können, wurden Kinder selbst zu unseren Dioramen befragt. Denn Kinder sehen die Welt oftmals aus einer fantasievolleren, unvoreingenommeneren Perspektive. Außerdem haben sie durch ihre Größe einen anderen Einblick in Dioramen und können deshalb verschiedene Details anders wahrnehmen. Dabei sollten folgende Fragen im Zentrum stehen:
 

  • Was sehen die Kinder im jeweiligen Diorama?
  • Wie interpretieren sie das Gezeigte?
  • Was interessiert sie daran?
  • Welche Details des jeweiligen Dioramas sprechen junge Menschen besonders an?
  • Welche Fragen stellen sie zu den Dioramen, welche Aspekte sind dabei besonders wichtig?
  • Gibt es Dioramen, die die Kinder besonders oder überhaupt nicht interessant finden?

Kulissenbau und „Casting“

Auf dieser Grundlage haben wir einen Dioramen-Trickfilm-Workshop für Kinder konzipiert. Im Team haben wir vorab vier Dioramen im Kleinformat nachgebaut. „Puddelhütte“, „Erste elektrische Bahnhofsbeleuchtung“, „Hundetretrad in einer Nagelschmiede, um 1850“ und „Dampferzeuger auf einer Schachtanlage“. Diese Kleinmodelle wurden zur Kulisse für die zu drehenden Kurzfilme. Darstellende durften natürlich auch nicht fehlen: In diesem Fall Playmobil-Figuren.

Der Trickfilm-Workshop beginnt

Die Kinder lernten bei einer Führung verschiedene Dioramen in den Ausstellungen kennen. In selbst hergestellten Heften sollten sie dabei ihre Eindrücke festhalten. Dabei waren genaues Hinsehen und Vorstellungskraft gefragt. Beispielsweise gab es Aufforderungen wie „Zeichne oder beschreibe einen Gegenstand der Krach macht/ sich bewegt.  Zeichne oder beschreibe, was dir am besten in Erinnerung geblieben ist.“ Die Antworten und Bewertungen der Aufgaben waren sehr vielfältig und dienten den Kindern anschließend als Inspiration zum Ausdenken themenbezogener Geschichten.

Aufführung

Dann ging es an die Vertonung und den Feinschliff der Videos. Außerdem konnten die Kinder ihre Geschichte mit Bildern in kleinen Büchern festhalten, die sie mit Unterstützung einer Buchbinderin gestalteten. Dann stand auch schon die Aufführung bevor: Die Eltern waren eingeladen und stolz präsentierten die Kinder die fertigen Kurzfilme. Es sind tolle, fantasievolle Videos entstanden, die alle sehr vielfältig sind! Von der Bekanntschaft mit einem wild gewordenen Wildschwein am Lagerfeuer über einen Goldraub, hin zu dem Alltag in der Schmiede und einem verrückten Tag am Bahnhof war alles dabei.

Unsere entstandenen Videos

Das Wildschwein

Der Raub

Der verrückteste Tag am Bahnhof

Die Geschichte der Schmiede

Tiere in Dioramen: von unterschätzer Bedeutung

Die Begeisterung auf beiden Seiten war sehr groß – es hat uns bestärkt hat, in den Faschingsferien 2022 einen weiteren Dioramen-Trickfilm-Workshop anzubieten, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit einem Kinder-Radiosender.

Neben den kreativen Ideen der Kinder ist in diesem Workshop vor allem aufgefallen, dass Tiere in den Dioramen ein erhöhtes Interesse auslösten und öfters Details als relevant betrachtet wurden, die normalerweise als eher unauffällig galten. Spannend bleibt, ob der nächste Workshop diese Eindrücke bestätigen wird, welche neuen Ideen sich dabei ergeben werden und wie diese schlussendlich in der Ausstellung umgesetzt werden können.

Vielen Dank an alle Beteiligten.

Unsere großen Aufgaben

Strichzeichnung des Museumsgebäudes auf der Museumsinsel.
Schriftzug Deutsches Museum

Autor/in

Laura Lesjak

Laura Lesjak

Laura Lesjak macht nach ihrem Schulabschluss ein Freiwilliges Kulturelles Jahr im Bereich Bildung am Deutschen Museum. Tipp für Besuch: Im Deutschen Museum gibt es so viele interessante Dinge zu sehen, dass es mir schwerfällt, mich auf einen Bereich festzulegen. Mein Tipp: öfter ins Museums gehen und selbst den Lieblingsplatz zu finden.

Bei wenig Zeit – und da diese Bereiche wegen Umbau bald geschlossen werden – schlage ich vor, das Bergwerk zu besichtigen, sich die Hochspannungsvorführung anzusehen und danach im Sonnenuhrengarten den Ausblick über die Stadt zu genießen.