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Von oben: Mit Aufnahmen aus Multicopter, Hubschrauber und Flugzeug wirft der Münchner Fotograf und Kommunikationsdesigner Tom Hegen den Blick auf die (Erd-)Oberfläche und fordert damit zu tiefgründigen Gedanken zu unserem Umgang mit der Umwelt heraus. Von 12. März bis 11. Juli 2021 sind rund 30 seiner großformatigen Luftbilder aus der Reihe HABITAT in der Flugwerft Schleißheim zu sehen. Die Sonderausstellung zeigt aus der Vogelperspektive, wie der Mensch seinen Lebensraum prägt.

Was uns ernährt, was uns antreibt, was uns verbindet und was uns wertvoll sein sollte: Tom Hegen hat die Luftbilder aus seiner Reihe „HABITAT“ in verschiedene Kapitel geordnet. Auf den ersten Blick sind da zunächst faszinierende Formen, strahlende Farben, gefällige Muster zu sehen. „Zucker fürs Auge“ nennt der Fotograf diese vordergründige Schönheit. „Ich arbeite gerne mit Ästhetisierung und Abstraktion“, sagt Hegen, „auch um die Betrachter zum Hinschauen zu verführen“. Denn wenn man dann etwas länger hinschaut und das Motiv – die Braunkohlegrube, die Straßenkreuzung oder die kahlen Bäume – erkennt, kommt fast automatisch das Nachdenken in Gang. Darüber, wie diese Landschaften entstanden sind. Darüber, welche Dimensionen die Eingriffe des Menschen auf die Umwelt haben.

„Die Aufnahmen von Tom Hegen passen gut in die Serie von Ausstellungen mit Luftbildern, die wir hier bereits gezeigt haben“, sagt Gerhard Filchner, der Leiter der Flugwerft Schleißheim. „Dabei hat jeder Fotograf einen anderen Zugang: Da war der Blick des Geologen, der des Archäologen und jetzt steht der Mensch in der Umwelt im Mittelpunkt.“ Allen gemeinsam ist dabei die Perspektive von oben: „Die Aussicht ist ja einer der Gründe, warum man überhaupt fliegt“, sagt Filchner.

Ein Blick von noch viel weiter oben war es auch, der Tom Hegen zu HABITAT angeregt hat: „In der Sonderausstellung ‚‘Willkommen im Anthropozän‘ waren 2014 im Deutschen Museum Satellitenaufnahmen von der Zerstörung des Regenwaldes zu sehen. Das hat mich fasziniert und schockiert zugleich.“ Seine eigenen Luftbilder hat Hegen mithilfe eines Multicopters, aus dem Hubschauber und kleineren Flugzeugen aufgenommen. „Damit ist man näher am Geschehen und kann detaillierte Ansichten einfangen.“ Dabei geht es ihm nicht so sehr um das einzelne Motiv, sondern vielmehr um einen Überblick darüber, wie der Mensch seinen Lebensraum prägt, gestaltet und organisiert. Der Wechsel in die Vogelperspektive macht dabei das Ausmaß noch deutlicher erkennbar. Nicht zuletzt würde sich Tom Hegen deshalb wünschen, dass seine Luftbilder die Betrachterinnen und Betrachter auch dazu anregen „Verantwortung für diese Eingriffe zu übernehmen“.

Die Sonderausstellung „HABITAT – Vom Mensch geprägte Lebensräume“ ist vom 12. März bis 11. Juli 2021 in der Flugwerft Schleißheim zu sehen.
 

Autor/in

Gerrit Faust

Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Nach seinem Journalistmus-Studium hat er bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet. Zuletzt war er Chef vom Dienst bei der Abendzeitung.

Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im neuen Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.