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Von Sabine Pelgjer
Fotos und Bewegung - ein Widerspruch in sich: Das Medium per se steht still, die Motive sind in zwei Dimensionen fixiert. Und doch kann man das mobile Leben mit der Kamera einfangen und damit nicht zuletzt die Gemüter der Betrachter bewegen. Das beweist der bekannte Münchner Fotograf Roger Fritz mit „Der bewegte Mensch“. Die Bilderreihe ist als Sonderausstellung von 11. Oktober 2019 bis 9. Februar 2020 im Verkehrszentrum des Deutschen Museums zu sehen.
Eine Frau, die sich aus dem Autofenster lehnt, ein Tramper am Straßenrand, Sonnenanbeter an Deck eines Kreuzfahrtschiffes: Auf den ersten Blick wirken Roger Fritz‘ Bilder wie einfache Schnappschüsse, im Vorbeigehen aufgenommen. So ist gleich der erste Zugang geöffnet. Die Szenerien wirken bekannt, schnell identifiziert man sich mit den Leuten auf dem Foto oder auch mit dem Mann hinter der Kamera – „hab ich auch schon gesehen/erlebt/gemacht“. Aber da ist mehr: Im Rückspiegel neben der Frau ist deutlich „Boxen“ zu lesen. Beim Anhalter denkt man spontan: „selten geworden“. Und das Wimmelbild zieht den Betrachter mit seiner zentralen Schiffssymmetrie ins tiefe Blau des Meeres. Roger Fritz porträtiert nicht nur Menschen, die unterwegs sind, fahren, laufen oder auch im Verkehrsbetrieb innehalten und warten. Er hält das Besondere im Alltäglichen fest. Und in der Summe veranschaulichen seine Bilder aus drei Jahrzehnten, wie grundlegend Mobilität unser gesamtes Leben prägt. „Diese Bilderreihe passt ganz hervorragend ins Verkehrszentrum“, findet Bettina Gundler, Leiterin des Zweigmuseums am Bavariapark. „Unsere Autos, Züge, Räder, Kutschen und Co. repräsentieren ja, was uns bewegt. Roger Fritz‘ Fotos ergänzen das Was durch ein Wie – oder besser gesagt: durch ein So!“
Roger Fritz, Regisseur, Autor, Produzent, Schauspieler und Fotograf; lebt in München. Geboren am 22.09.1936 in Mannheim, Ausbildung zum Großhandelskaufmann. 1955 lernt er in München den Fotografen Herbert List kennen und assistiert ihm gelegentlich. Er beginnt selbst zu fotografieren und gewinnt als 20-Jähriger bei der Photokina seinen ersten Preis, zwei Jahre später den nächsten. 1959 Mitbegründer der legendäre Zeitschrift twen, 1961 studiert er an der UFA-Nachwuchsschule für Schauspiel und Regie in Berlin. 1963 dreht Roger Fritz seinen ersten Kurzfilm „Verstummte Stimmen“, ausgezeichnet mit dem Bundesfilmpreis, sein zweiter Kurzfilm „Zimmer im Grünen“ erhält das Prädikat „Besonders wertvoll“. Er assistiert Luchino Visconti bei „Boccaccio 70“ (I/F 1961) und „Il Gattopardo“ (I/F 1962) und arbeitet mit Gian Carlo Menotti in Spoleto - New York. In Deutschland dreht Roger Fritz Filme wie „Mädchen, Mädchen“ (1966), „Häschen in der Grube“ (1968), „Mädchen mit Gewalt“ (1969) und „Zwischen uns beiden“ (1971). In zahlreichen Filmen, unter anderem von Rudolf Thome („Fremde Stadt“, 1972), Sam Peckinpah („Steiner - Das Eiserne Kreuz“, 1976) und Rainer Werner Fassbinder („Lili Marleen“, 1981) steht Roger Fritz als Darsteller vor der Kamera. Er fotografiert für die Zeitschriften „Stern“, „Quick“, „Bunte“ und die französische „Vogue“ sowie für Rainer Werner Fassbinder und veröffentlicht 1982 das Buch zum Film „Querelle“. (Quellen: Wikipedia, www.roger-fritz.com)
Die Sonderausstellung „Der bewegte Mensch“ ist vom 11. Oktober 2019 bis 9. Februar 2020 in Halle I des Verkehrszentrums des Deutschen Museums, Am Bavariapark 5, täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen.
Sabine Pelgjer hat nach dem Studium der Kunstgeschichte bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet, zuletzt als Chefin vom Dienst bei der Münchner tz.


 

Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum:
Zeit mitbringen – und sich unbedingt die Ausstellung Zeitmessung in Ebene 3 ansehen. Zwischen Präzisionspendel- und  Schwarzwalduhren, Kalendervariationen und Oszillograf kann man tief in die vierte Dimension eintauchen. Und wenn das Wetter mitspielt unbedingt im Sonnenuhrengarten auf der Terrasse im sechsten Stock vorbeischauen, dann ist auch Zeit für einen traumhaften Blick über die Stadt.

Autor/in

Sabine Pelgjer

Hat nach dem Studium der Kunstgeschichte bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet, zuletzt als Chefin vom Dienst bei der Münchner tz.

Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Zeit mitbringen – und sich unbedingt die Ausstellung Zeitmessung in Ebene 3 ansehen. Zwischen Präzisionspendel- und  Schwarzwalduhren, Kalendervariationen und Oszillograf kann man tief in die vierte Dimension eintauchen. Und wenn das Wetter mitspielt unbedingt im Sonnenuhrengarten auf der Terrasse im sechsten Stock vorbeischauen, dann ist auch Zeit für einen traumhaften Blick über die Stadt.