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Von Nina Möllers, Sasha Gora und Raphaela Holzer

Ein Fluss, Lindenbäume, Honigtau. Solche Bilder assoziiert man beim Stichwort „Stadt" eher nicht. Vermutlich denken viele erst einmal an Gebäude, Sehenswürdigkeiten oder Skylines. Doch was ist mit den Bäumen und Parks, den Bienen und Flüssen, den Ökosystemen und ihren Geschichten? Nun beleuchtet die Ausstellung „Ecopolis München – Umweltgeschichten einer Stadt“, die vom 25.-27. Juli im Lichthof des LMU-Hauptgebäudes zu sehen ist, die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt im urbanen Umfeld.

Das Besondere? Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Studierenden-Projekts des MA-Zertifikatsstudiengangs „Environment and Society“ am Rachel Carson Center, das gemeinsam von der LMU und dem Deutschen Museum betrieben wird. In Seminar- und Teamarbeit, unter Anleitung von Kuratorinnen, und in enger Zusammenarbeit mit Designern haben vierzehn Studierende aus zwölf unterschiedlichen Fachdisziplinen von Physik über Statistik und Germanistik bis zu Geologie und Ethnologie eine Ausstellung kuratiert, die einen einzigartigen, überraschenden und inspirierenden Blick auf die ökologische Geschichte, Gegenwart und Zukunft Münchens wirft.

Viele Perspektiven ergeben ein Bild

Der Blick der Studierenden auf die sechs Themen und Orte – Englischer Garten, Fröttmaninger Müllberg, Olympiapark, Isar, Schotter und Untergrund – ist nicht nur interdisziplinär, sondern auch persönlich und von wissenschaftlicher Erkenntnis und den Alltagserfahrungen der Studierenden gleichermaßen geprägt.

Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die Idee, dass Städte nicht nur politische Gemeinwesen, sondern zugleich komplexe Ökosysteme sind, in denen unbelebte Komponenten wie Gestein mit biotischen Organismen wie Pflanzen, Tieren, Bakterien und Menschen zusammenkommen. Anhand wenig bekannter Hintergründe und neuen Fragestellungen zeigen die Ausstellungsstationen, wie sich natürliche Faktoren auf die urbane Realität auswirken und dass menschliche Planung wesentlich darüber mitentscheidet, ob und wie Städte funktionieren und nachhaltige Lebensbedingungen für alle bieten.

Hier bin ich daheim … aber kenne ich mich aus?

Häufig bewegen wir uns achtlos im urbanen Raum, rennen von A nach B ohne rechts und links zu schauen. Wir kennen unsere Nachbarschaft und je nachdem, wie lange wir schon in München wohnen, glauben wir die gesamte Stadt gut zu kennen. Aber wussten Sie, dass im Englischen Garten mal Kartoffeln angebaut wurden oder warum man in der Fröttmaninger Kirche keine Kerzen anzünden darf? Macht die Isar München oder München die Isar? Wer weiß schon, dass im Münchner Untergrund Pilze wuchsen und warum die Stadt auf Schotter gebaut ist? Und was ist eigentlich „demokratisches Grün“?

Es gibt viel zu entdecken in dieser Ausstellung. Lauschen Sie der „Stimmenspur“ des Englischen Gartens, spüren Sie der wechselvollen Geschichte und Gegenwart der Isar nach oder begeben Sie sich in den Untergrund, der mit einigen Superlativen aufwartet.

München mit anderen Augen sehen – „Ecopolis“ schafft zwar nicht das anatomisch Unmögliche, aber die Ausstellung lädt ein, den Blickwinkel zu ändern und eine neue Denkrichtung einzuschlagen. Ob risikobereiter Entdecker oder kontemplativer Flaneur: Denjenigen, die „Ecopolis“ bewandern, eröffnen sich überraschende Wege durch das bekannte München – mit Abkürzungen und Abstechern, aber garantiert ohne Sackgassen!

Die Ausstellung „Ecopolis München: Umweltgeschichten einer Stadt“ ist vom 25.-27. Juli 2017 jeweils von 10 bis 20 Uhr im Lichthof des Hauptgebäudes der Ludwig-Maximilians-Universität zu sehen (Geschwister-Scholl-Platz 1).
Der Eintritt ist frei!

Das Rachel Carson Center ist ein vom BMBF gefördertes und gemeinsam vom Deutschen Museum und der Ludwig-Maximilians-Universität betriebenes Forschungszentrum für geisteswissenschaftliche Umweltforschung. Neben einem Fellowship-Programm organisiert das Center Konferenzen und Workshops, Film- und Vortragsreihen, publiziert mehrere Buchreihen, betreibt ein digitales Portal, verfügt über ein Doktoranden- und ein Masterprogramm und realisiert Ausstellungen.

Autor/in

Nina Möllers

ist Mitarbeiterin am Forschungsinstitut des Deutschen Museums. Derzeit arbeitet die promovierte Historikerin als kuratorische Leiterin für eine Sonderausstellung zum Thema "Kosmos Kaffee", die ab Frühjahr 2019 im Deutschen Museum gezeigt wird. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum ist ein Ausflug ins All:
Im Innenhof des Deutschen Museums steht eine große goldene Sonnenkugel. Folgt man von hier aus dem Pfad, der am Isarufer entlang bis zum Tierpark Hellabrunn führt, trifft man auf Venus, Merkur, Uranus und die anderen Planeten. Der Planetenweg ist maßstäbliches Modell unseres Sonnensystems. Hier wird einem erst richtig bewusst, wie klein der Mensch und wie riesengroß das Weltall ist: Für einen Schritt auf dem Planetenweg müssten wir im Weltall mehr als eine Million Kilometer zurücklegen.