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Von Gerrit Faust
Es sind Alltagsgegenstände: Sie sind einfach da, sie werden benutzt. Sie ziehen keine Aufmerksamkeit auf sich. Sie wollen keine Designpreise gewinnen und können trotzdem wunderschön sein. Dinge, die jeder von uns im Haus hat, aber selten wirklich anschaut: Hämmer, Scheren, Kleiderbügel, Kugelschreiber und Klappmesser.
Es braucht einen aufmerksamen Beobachter wie Franco Clivio, um die Schönheit der kleinen Dinge ans Licht zu bringen. Der Schweizer Gestalter und Dozent (geboren 1942) hat rund 1000  Gebrauchsobjekte für die Schau versammelt. Clivio: „Ich sammele, seit ich Hosentaschen habe.“ Aber er sammelt eben nicht nur. Er geht neugierig durch die Welt und schaut sich die Gegenstände an. Und hat dabei nicht nur einen Blick für die Schönheit der Objekte, sondern auch für ihre  Funktionalität. „Erst schön und richtig ist richtig schön.“
Und diese „richtig schönen Dinge“ sind jetzt im Vorraum der Bibliothek des Deutschen Museums zu sehen. In 29 Kapiteln erzählt Franco Clivio die Geschichte hinter den Dingen. Bewegte Fotosequenzen zeigen, wie die Gegenstände im Detail funktionieren. 
Von den wenigsten der 1000 Objekte ist bekannt, wer sie erfunden oder entworfen hat. Sie gehören zum anonymen Alltagsdesign und sind nicht Teil der offiziell zelebrierten Designkultur. „No Name Design“ ist eine Liebeserklärung an die unscheinbaren Dinge, an ihre intelligente Gestaltung mit meist verborgener technischer Raffinesse, die bei näherer Betrachtung überraschen und staunen lassen. Entstanden ist ein grandioses Sammelsurium von anonym gestalteten Gegenständen, die – ins rechte Licht gerückt - ihre Schönheit entfalten und ihre raffinierte Gestaltung und Funktionalität zeigen.  
Der Generaldirektor des Deutschen Museums, Wolfgang M. Heckl, sagt: „Ich mag diese Ausstellung sehr. Nicht nur, weil ich diese Sammelleidenschaft mit Clivio gemeinsam habe,  sondern auch, weil er sich wie ich Gedanken macht um intelligentes Design von Alltagsgegenständen. Und die ungewöhnlichen Dinge liebt und die Schönheit im Detail entdeckt.“
„No Name Design“ führt uns die Schönheit der kleinen Dinge vor Augen – und gibt unseren Alltagsbegleitern ein Gesicht. Vom 1. Juli bis zum 3. Oktober 2016 ist die Sonderausstellung in der Bibliothek des Deutschen Museums zu sehen. Der Eintritt ist frei.   
Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Als passionierter Raucher und bekennender Deep-Purple-Fan wären in seiner Sammlung von Alltagsdingen vermutlich ein purple Plektrum und ein Vintage-Zigarettenetui vertreten. 
Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.

Autor/in

Gerrit Faust

Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Nach seinem Journalistmus-Studium hat er bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet. Zuletzt war er Chef vom Dienst bei der Abendzeitung. Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im neuen Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.