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„Ich bewundere alle, die so etwas schaffen können“, betonte Peter Pletschacher, langjähriger Vorsitzender des Werftvereins (offiziell Verein zur Erhaltung der historischen Flugwerft Oberschleißheim e.V.). Anlass für die begeisterte Äußerung war am 10. Juni die feierliche Übergabe eines historischen Flugmotors Junkers Jumo 211 an die Flugwerft Schleißheim. Er wurde aus Bodenfunden und zugekauften Teilen in mehr als 5.500 freiwillig von Enthusiasten des Vereins erbrachten Arbeitsstunden restauriert. Tatsächlich konnten aus den vielen gesammelten Teilen sogar zwei Motoren ausstellungsreif gemacht werden, und so kann ein weiteres Exemplar heute als Leihgabe im Junkers-Museum in Dessau gezeigt werden. Eingesetzt wurden die mehr als 68.000 zwischen 1937 und 1944 gebauten Jumo 211 im Zweiten Weltkrieg vor allem von der Deutschen Luftwaffe in Kampfflugzeugen der Typen Junkers Ju 87 und 88 sowie Heinkel He 111. In Schleißheim steht das neue Exponat daher auch neben dem spanischen Lizenzbau der He 111 aus der Nachkriegszeit, der CASA 2.111, die wiederum von britischen Motoren Rolls-Royce Merlin angetrieben wurde. Auch die im Flugzeug verbauten Antriebe sind bereits vom Arbeitskreis Restaurierung des Werftvereins so authentisch wie möglich aufgearbeitet worden, ehe sie bereits 2008 dem Deutschen Museum übergeben wurden.

Seit über dreißig Jahren engagiert sich der Werftverein für die Belange der Flugwerft, und zunächst ging es dabei um den schieren Erhalt des Gebäude-Ensembles: Ohne den unermüdlichen Einsatz der Mitglieder wären die historische Flugzeughalle samt Anbauten unwiederbringlich verloren und einer der ältesten deutschen Flugplätze hätte sein Gesicht verloren. Heute steht dagegen die fachgerechte Restaurierung von Ausstellungsexponaten im Mittelpunkt ehrenamtlicher Arbeit der ca. 150 Mitglieder, die sich schon auf neue Herausforderungen freuen. Ein weitere Arbeitskreis des Werftvereins ist übrigens mit dem flugfähigen Nachbau des Schuldoppeldeckers „Otto Militärtyp 1913“ befasst, wie er seinerzeit in Oberschleißheim geflogen wurde. Das Flugzeug wartet derzeit auf den Motoreinbau und kann bereits in der alten Flugzeughalle der Werft besichtigt werden.

Autor/in

Dr. Robert Kluge

Robert Kluge

Dr. Robert Kluge ist Kurator für Moderne Luftfahrt am Deutschen Museum und seit 40 Jahren passionierter Pilot. Nach dem Studium der Slawistik, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre, seiner Dissertation „Der sowjetische Traum vom Fliegen“ (1997) und langen Jahren als Luftfahrtjournalist und einer Berufspilotenausbildung fand er 2015 zum Traumberuf.

Sein Tipp – ein Fachgespräch mit den engagierten Kollegen vom Ausstellungsdienst in Oberschleißheim oder in der Neuen Luft-und Raumfahrthalle auf der Museumsinsel.