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Von Gerrit Faust
Als die beiden Triebwerke runter sind von den Flügeln der Me 262 und auf ihren Holzgestellen liegen, hat Reinhard Mücke öl- und blutverschmierte Hände. Das Zerlegen des ersten Kampfjets der Erde ist ein Knochenjob, der drei Tage dauert. Aber dann ist es geschafft: Die Flugzeugteile – Rumpf, Flügel, Triebwerke liegen feinsäuberlich aufgereiht da, bereit für den Transport. Das „Team Mücke“ zerlegt die Flugzeuge in der Luftfahrthalle des Deutschen Museums. Die Ausstellung wird leergeräumt, um die Räume sanieren zu können. Und da viele Flugzeuge zu groß sind, um am Stück transportiert werden zu können, ist der erste Schritt die Demontage. Ende November 2015 sind die ersten Flugzeuge in ihre Einzelteile zerlegt in die Flugwerft Schleißheim transportiert worden – darunter auch die Messerschmitt 262.

Das Team der Flugzeugwerkstatt

Eigentlich wollte Reinhard Mücke, der 52-jährige Leiter der Flugzeugwerkstatt des Deutschen Museums, ja immer schon an Flugzeugen arbeiten. Aber weil es in den Jahren seiner Berufswahl schwierig war, einen Job in der Flugzeugindustrie zu bekommen, machte er eine Ausbildung zum Automechaniker. Erst in der Werkstatt der Flugwerft Schleißheim konnte er sich dann seiner Lieblingsbeschäftigung widmen – und an Flugzeugen herumschrauben. Und im Moment tut er das mehr denn je. Er kennt die Flugzeuge hier – und ihre Geschichte. Die Me 262 wurde im 2. Weltkrieg von den Nazis als „Wunderwaffe“ entwickelt. Das Exemplar des Deutschen Museums überstand das Kriegsende unbeschadet in der Schweiz, der Pilot hatte sich dorthin abgesetzt, erzählt Mücke. „Und wie alle Maschinen aus dieser Zeit stammt sie nicht aus einer wirklichen Serienfertigung, sondern ist eigentlich Handarbeit“, sagt er. Was es einigermaßen schwierig macht, sie zu zerlegen. „Manchmal müssen wir auch unsere eigenen Werkzeuge für die Demontage anfertigen.“
Ein Beitrag des Bayerischen Fernsehens über den Abbau der Messerschmitt 262 durch das Team der Flugzeugwerkstatt.
Selbst, wenn ihm mehrere Fernsehteams bei der Arbeit über die Schulter schauen, bleibt Mücke gelassen. Was seine größte Angst ist bei dem großen Projekt der Räumung der Ausstellung? „Das Wetter“, sagt er. Wenn im Frühjahr weitere Flugzeuge aus der Luftfahrthalle transportiert werden sollen, könnte den Planern zum Beispiel Dauerregen einen Strich durch die Rechnung machen. Schließlich sollen mehrere große Flugzeuge auch unzerlegt auf offenen Lkw transportiert werden. Und die wertvollen Exponate dürfen nicht den Widrigkeiten des Wetters ausgesetzt werden.

Modernisierung der Ausstellung Luftfahrt

Insgesamt 28 Großexponate stehen in der Modernen Luftfahrt, einige sind zu groß, um sie aus der Ausstellungshalle herauszuholen. Die Tante Ju, die Rakete V2, das große Airbus-Segment – sie bleiben auf der Museumsinsel und müssen so geschützt werden, dass sie die Bauarbeiten unbeschadet überstehen. Sie werden „Eingehaust“, das heißt im Fachjargon, sie bekommen ein Gehäuse aus Holz, das unter Überdruck gesetzt wird, damit von außen kein Staub eindringen kann. Denn in der Ausstellung sollen ja nicht nur die Wände geweißelt werden. Das Gebäude wird auf den Rohbauzustand zurückgeführt, das ganze Hausnetz wird erneuert, Treppenhäuser werden versetzt – und alles soll getan werden, damit die einzigartigen Exponate in Zukunft in rechtem Licht präsentiert werden können. Doch bevor diese Bauarbeiten beginnen können, müssen alle Ausstellungen im ersten Gebäudeteil geräumt werden – neun Monate lang werden mehr als 30 Mitarbeiter des Museums damit beschäftigt sein. Im Sommer und Herbst 2016 beginnen die Bauarbeiten – und schon jetzt werden die neuen Ausstellungen geplant, auch die neue Luftfahrt-Ausstellung. 2019 soll sie zusammen mit den anderen Ausstellungen in Bauabschnitt 1 eröffnet werden. Mit einem völlig neuen Konzept – aber natürlich wieder mit der Tante Ju und der Me 262. Dafür müssen dann die Ausstellungen über neun Monate hinweg eingeräumt werden, die Me 262 wird dann wieder zerlegt, transportiert und auf der Museumsinsel aufgebaut. Und eins ist sicher: Das wird wieder ein Knochenjob für das Team Mücke. Weiterlesen:
  • Die Flugzeugwerkstatt
  • Blick in die derzeit geschlossenen Ausstellungsbereiche: der virtuelle Rundgang
  • Geöffnet: Die Ausstellung Historische Luftfahrt (bis 1918)
Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Nach seinem Journalistmus-Studium hat er bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet. Zuletzt war er Chef vom Dienst bei der Abendzeitung.Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im neuen Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.

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Gerrit Faust

Gerrit Faust leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Museums. Nach seinem Journalistmus-Studium hat er bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet. Zuletzt war er Chef vom Dienst bei der Abendzeitung.

Sein Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: Vom höchsten zum tiefsten Punkt des Museums. Die Show im neuen Planetarium ist nämlich himmlisch. Und dann - mit beliebig vielen Zwischenstationen - ab in die Tiefe. Denn die Atmosphäre im Bergwerk ist einfach zutiefst bewegend.