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Diese Detailfotos des Siemens-Studio für elektronische Musik sind unterlegt mit einem Ausschnitt aus "Wayfaring Sounds - Klänge unterwegs", eine Komposition von Herbert Brün, 1961. Hier hört man künstliche Vokale, die aus Sägezahnklängen mit Spezialfiltern gewonnen wurden. Die Ähnlichkeit zu echten Sprachlauten hat man bewusst nicht zu weit getrieben, das Künstliche soll hörbar bleiben. (Fotos: Klaus Brenninger) Zu bestimmten Terminen kann man sich im Deutschen Museum das Siemens-Studiofür elektronische Musik erklären lassen. Stefan Schenk führt dann - mit viel Wissen und schönen Anekdoten - in Geschichte und Technik des Studios ein, das in den 1950er Jahren entwickelt wurde und im Deutschen Museum ausgestellt ist. Dabei erfährt man mehr über die spannende Geschichte der elektronischen Klangerzeugung. Es war für mich überraschend, dass es Komponisten ernster Musik waren, die in den 1940er und 1950er Jahren als Erste mit elektronischem Klangmaterial experimentierten: Neue, nie gehörte Klänge sollten mit Hilfe der aufstrebenden Elektronik entstehen und zu neuen ästhetischen Erfahrungen führen.
Die Geschichte des Siemens-Studios beginnt im Jahr 1955... Bei Siemens entstand gerade eine aufwändige Filmdokumentation über den eigenen Konzern. Dazu wurde eine ebenfalls aus dem Rahmen fallende Filmmusik gesucht. Durch Vermittlung von Carl Orff geriet man an den jungen Komponisten Josef Anton Riedl und damit an eine drastisch moderne elektronische Klanggestaltung. Riedl erhielt jede gewünschte Unterstützung; man stellte ihm das firmeneigene elektroakustische Versuchslabor mit seinen hochqualifizierten Technikern zur Verfügung. Dort löste er bald eine bemerkenswerte Betriebsamkeit aus: Komfortable Tongeneratoren wurden entwickelt, ein in Kriegszeiten zur Sprachverschlüsselung vorgesehener Vocoder wurde für musikalische Anwendungen modifiziert; weitere Tonquellen (Rauschen, Impulse), Klangfilter, Tonbandgeräte und Mischeinrichtungen kamen dazu. Außerdem konnte man die Klänge mit einem Frequenzumsetzer verfremden und künstlichen Nachhall erzeugen. Viele dieser Geräte gab es wohl auch anderswo; einzigartig war jedoch, dass man keine Bandstücke mehr zusammenkleben musste: Auf Riedls Veranlassung wurde die gesamte Apparatur mit einer automatischen Steuerung ausgerüstet - nur im New Yorker RCA-Studio besaß man etwas annähernd Vergleichbares. Mehr zum Siemens-Studio für elektronische Musik Mehr zu den Veranstaltungen mit Musik Wir haben noch weitere Klangbeispiele aufgenommen, die bei der Vorführung zur Verfügung stehen. Sie sind "Rohmaterial", das im Studio weiterbehandelt werden kann.
Modulierter Sägezahn und Hall (MP3)
Sirene trocken und hallig (MP3)

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Open_Roberta

Annette Lein

leitet das digitale Redaktionsteam am Deutschen Museum. Alle Neuigkeiten tickern durch das Redaktionssystem auf ihren Bildschirm. Als Germanistin und Theaterwissenschaftlerin erzählt sie im Blog gerne von den Geschichten und Menschen, die das Deutsche Museum zu dem machen, was es ist. Ihr Tipp für einen Besuch im Deutschen Museum: In der Ausstellung Meeresforschung die Tauchkugel Trieste ansehen und sich dabei vorstellen, wie sich Jaques Piccard in dieser dickwandigen Kugel gut 11 km zur tiefsten Stelle des Ozeans hat herabsinken lassen. Der Schweizer Forscher hat dabei einen Plattfisch entdeckte - ja, es gibt Leben in der Tiefsee!